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Es geht voran: Gehsteige werden neu angelegt, Ecken und Kanten werden weitgehend beseitigt.

Sanierungen im Ortskern

Isen entschärft die Stolperfallen

Zug um Zug werden in der Marktgemeinde Isen Barrieren beseitigt, um Benachteiligten oder Eltern mit Kinderwagen das Vorankommen zu erleichtern. Doch es bleibt noch einiges zu tun.

Isen Dass Isen nicht gerade als El Dorado der Freunde schnurgerader und ebener Wege gilt, ist eine natürlich gegebene Besonderheit der Marktgemeinde. In seiner Topgrafie ist der Ort so gestaltet, dass viele Straßen und Gehsteige entweder mehr oder weniger steil nach unten oder nach oben führen. Das macht Autofahrern zwar nur wenig aus, Spaziergängern dagegen nicht viel Freude. Und es bereitet Kinderwagen-Schiebern, Rollator-Benutzern oder gar Rollstuhlfahrern ordentlich Mühe. In den vergangenen Jahrzehnten kam erschwerend der Umstand hinzu, dass viele hohe Bordsteinkanten für die Genannten entweder große Umwege erforderten, oder Wege schlicht unpassierbar machten.

Seit vielen Jahren gibt es Vorschläge, wie Abhilfe geschaffen werden könnte. Der Markt Isen ist seit 1990 beim Bayerischen Städtebauprogramm angemeldet. Zu dessen Themenschwerpunkten gehört neben gestalterischen Aspekten auch die Barrierefreiheit. Im Jahr 2015 gab es auf diesem Gebiet endlich wieder größere Schritte: Die vorbereitenden Untersuchungen aus dem Jahr 2001 wurden vom neuen Planungsbüro „Plankreis“ aus München fortgeführt und dem Gemeinderat vorgelegt. Von den Grünen wurde daraufhin eine Liste mit Ergänzungsvorschlägen eingereicht, die auch konkrete Stellen nannte, an denen dringend Bordsteinabsenkungen nötig wären.

Im Herbst 2015 stieß schließlich die Isener CSU mit einem umfangreichen Initiativantrag vor, der ebenfalls die Ecken und Kanten in Isen benannte, die dringend abgeschliffen werden müssen.

Seither hat sich viel getan. „Bis die Städtebausanierung in Isen greift, wurde beschlossen, Zug um Zug einzelne Maßnahmen durchzuführen“, erklärt Isens Verwaltungschef Werner Christofori. Die ersten Abschnitte wurden im Rahmen des Breitbandausbaus von dem Unternehmen mit erledigt, das mit dem Tiefbau beauftragt war. Weitere Absenkungen hat der Bauhof der Gemeinde übernommen. Eine der schlimmsten Stolperfallen war an der Münchner Straße gegenüber der Metzgerei Holzer an einem kleinen Verbindungsweg, die vor wenigen Wochen beseitigt wurde.

Ebenfalls entschärft wurden Übergänge an der Münchner Straße und Ludwig-Heilmaier-Straße, an der Dorfner Straße gegenüber Foto Böld, an der Ziegelstätterstraße und der Max-von-Hoessle-Straße sowie im Bereich der Steinland-, Göttner-, Sigismund- und Gartenstraße.

In nächster Zeit stehen laut Christofori noch beide Seiten der Verkehrsinsel Münchner Straße, der Bereich der Raiffeisenbank am St. Zeno-Platz und Stellen an der Münchner/Hochstraße auf der Vorhaben-Liste. „In der mittelfristigen Planung sind die Treppen- und Stufenanlagen entlang der Gebäude an der westlichen Münchner Straße“, erklärt der Verwaltungsleiter. Hier müsse aber das gesamte Umfeld neu gestaltet werden, und das könne erst im Zuge der konkreten Städtebausanierung umgesetzt werden.

Bei der Umgestaltung der Kanten wird darauf geachtet, dass sich die neue Barrierefreiheit nicht nur auf gehbehinderte und alte Menschen sowie Rollstuhlfahrer bezieht, sondern beispielsweise auch auf Sehbehinderte. „Ein Rollstuhlfahrer etwa wünscht sich eine möglichst mit der Fahrbahn ebene Bordsteinkante, um dieses Hindernis leichter überwinden zu können. Für sehbehinderte Menschen ist es aber wichtig, klare Kanten an den Bordsteinen vorzufinden, an denen sie sich orientieren können“, beschreibt Christofori. Die Kunst liege insofern darin, es möglichst allen Beteiligten Recht zu machen.

Um die richtigen Kompromisse zu finden, wurden daher die Besichtigungen mit der Behindertenbeauftragten des Landkreises Erding durchgeführt. Die Maßnahmen könnten insgesamt aber nur punktuelle Verbesserungen sein, da Isen aufgrund seiner Topografie insgesamt keine Barrierefreiheit bieten kann. „Inwieweit durch städtebauliche Sanierungsmaßnahmen topografische Hindernisse abgebaut oder verbessert werden können, wird sich später bei konkreten Planungen zeigen“, sagt der Verwaltungsleiter.

Sicherlich werden für die Verbesserung der Barrierefreiheit auch private Haus- und Grundstücksbesitzer gefragt sein. Denn während das Rathaus, nahezu alle Lebensmittelgeschäfte, die Raiffeisenbank und die Sparkasse beispielsweise mit einem Rollator gut befahren werden können, gibt es unter anderem bei der Apotheke und beim Sanitätshaus noch Hürden zu überwinden. „Es wurde mittlerweile viel getan, aber es muss noch weitergehen“, erklärt der Isener CSU-Ortschef Oliver Schmid. Er will ab Herbst auch verstärkt private Grundstückseigner sensibilisieren, Barrieren abzubauen.

Henry Dinger

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