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Petra Forstmaier ist Vorsitzende des Verschönerungsvereins Isen.

„Jeder Garten kann insektenfreundlich gestaltet werden“

Kann der einzelne Hobbygärtner gegen das Insektensterben etwas unternehmen? Ja, sagt die Vorsitzende des OVV Isen, Petra Forstmaier. Wir sprachen mit ihr über das Thema.

Isen – Die Zahlen sind alarmierend: Bei 45 Prozent aller in der Roten Liste erfassten Insekten ist langfristig der Trend rückläufig. Bundesumweltministerin Svenja Schulze will den Rückgang der Insekten stoppen. Ihr „Aktionsprogramm Insektenschutz“ soll auch dazu betragen, Bürger zu motivieren, aktiv zu werden. Dass Hobbygärtner etwas gegen den Rückgang der Insekten machen können, davon ist Petra Forstmaier, Vorsitzende des Isener Ortsverschönerungsvereins überzeugt.

Der OVV hat sich zur Aufgabe gemacht, etwas gegen das Insektensterben zu tun. Wie passt das zu einem Ortsverschönerungs- und Gartenbauverein?

Laut unserer Satzung sind unsere Aufgabengebiete Gartengestaltung, Gartenbegrünung und Pflege von Obstbäumen. Der Einsatz für Insekten ist dem Wandel der Zeit geschuldet. Auch wenn Wildblumenwiesen in privaten Gärten das Problem nur abfedern können, müssen wir etwas gegen den Verlust der Artenvielfalt tun. Wenn wir so könnten, wie wir wollten, würde ganz Isen summen und brummen.

Also bunte Wiesen statt Golfrasen?

Ja, denn auch auf Wiesen, auf denen Löwenzahn und andere Wildpflanzen wachsen, kann man spielen. Oder zumindest ein Eckerl verwildern lassen. Ganz gleich, wie groß der Garten ist, kann er mit einfachen Maßnahmen insektenfreundlich gestaltet werden.

Sind unsere Gärten allgemein zu aufgeräumt?

Ja, das denke ich schon. Viele Gartenbesitzer haben für sich noch nicht den Mix zwischen Rosen und Giersch entdeckt. Die einen pflanze ich an, weil ich ihre Schönheit bewundere und ihren Duft genieße, die anderen lasse ich stehen, weil sie für Insekten wichtig sind. Sicher, das ist ist ein Spagat zwischen Schönheit und Umweltverträglichkeit, aber er ist machbar.

Also nicht nur Pflanzen aus dem Gartencenter?

Wenn es die richtigen sind, ist dagegen nichts einzuwenden. Es geht aber noch schlimmer, wenn man zum Beispiel seinen Garten mit Kies oder Steinen zuschüttet. Ich weiß, dass immer mehr Menschen keine Zeit und keine Muße für Gartenarbeit haben. Wir würden uns aber wünschen, dass andere pflegeleichte Maßnahmen ergriffen werden. Schon eine Schale, in der geeignete Pflanzen wachsen, kann Bienen, Hummeln oder Schmetterlingen Nahrung bieten.

Unterstützen Sie Bürger, die eine Wildblumenwiese anlegen möchten?

Ja, das tun wir. Wir schauen uns an, welcher Teil des Gartens in Frage kommt, welche Samen geeignet sind, und wir geben Pflegetipps. Denn auch eine Wildblumenwiese muss zweimal gemäht werden.

Ihr Verein kümmert sich auch um Verkehrsinseln. Haben Sie da auch zu alternativen Wildblumenmischungen gegriffen?

Wir haben es versucht. Aber Abgase, Dreck und Salz haben uns zu schaffen gemacht. Inzwischen sind wir bei einfachen Pflanzen wie Katzenminze, Gräsern, Ringelblumen und Sonnenhut.

Was kann man als Hobby- oder Balkongärtner sonst noch tun?

Auch hier macht es die richtige Mischung. Wer Geranien liebt, soll sie weiter pflanzen. Aber vielleicht mit regionalen Pflanzen oder Gewürzkräutern mischen.

Haben Sie sonst noch einen Tipp für unsere Leser?

Jetzt ist Pflanzzeit für Frühblüher. Krokusse, Schneeglöckchen oder Blausterne bieten Bienen und Hummeln die wichtige erste Nahrung nach dem Winter.

Interview: Anne Huber

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