Hier wäre der Schweinestall: Der geplante Standort liegt an der Staatsstraße 2086 Richtung Dorfen (r. hinten) und damit 450 Meter von der Kapelle (l.) sowie 400 Meter vom nächsten Wohnhaus im Weiler Aschberg entfernt. Diese Distanzen hat der Antragsteller errechnet. 
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Hier wäre der Schweinestall: Der geplante Standort liegt an der Staatsstraße 2086 Richtung Dorfen (r. hinten) und damit 450 Meter von der Kapelle (l.) sowie 400 Meter vom nächsten Wohnhaus im Weiler Aschberg entfernt. Diese Distanzen hat der Antragsteller errechnet. 

Online-Petition gegen Schweinemast bei Isen

Anlieger protestieren mit einer Online-Petition gegen einen geplanten Schweinestall bei Isen. Der Landwirt fühlt sich an den Pranger gestellt.

Isen – Ein möglicher Schweinemastbetrieb sorgt derzeit für Aufregung in Isen. Nachdem bekannt geworden war, dass ein auswärtiger Landwirt einen Aufzucht- und Mastbetrieb bauen möchte, haben besorgte Anlieger eine Online-Petition gestartet. Seit die Petition vor zehn Tagen auf www.openpetition.de online ging, sind gut 300 Unterschriften eingegangen – ein Teil von Nicht-Isenern. Den Kritikern geht es vor allem um „Verschandelung der unberührten Landschaft, Geruchsbelästigung und Massentierhaltung“.

Es handelt sich laut Bauvoranfrage allerdings um einen Tierwohl-Stall, in dem bis zu 220 Tiere in zehn Boxen gehalten werden sollen. Das 29 Meter lange und 18 breite Gebäude ist zwischen Hubertus-Kapelle und Staatsstraße 2086 geplant. Die nächsten Anlieger seien rund 400 Meter, die Hubertuskapelle 450 Meter entfernt, erklärt der potenzielle Betreiber auf Nachfrage. Da die Initiatoren der Online-Petition in der Zeitung namentlich nicht genannt werden wollen, will es der bauwillige Landwirt ebenso halten.

Der Betreiber plant eine Offenstallhaltung, die Tiere sollen zudem „boxenweise“ ins Freie gelassen werden. Da die Schweine auf Stroh stehen, werde nur Mist anfallen, sagt der Antragsteller, der bislang eine kleine Schweinehaltung in seinem Wohnort im Landkreis Erding betreibt.

Während die Kritiker des Projekts vor allem die exponierte Lage am Hang über Isen und die direkte Nachbarschaft zur Hubertus-Kapelle ins Feld führen, betont der Landwirt die gute Eignung der Fläche.

Durch die mögliche Anbindung an die Staatsstraße sei der Tiertransport gesichert. Aber, so betont er, weit müssten die Tiere ohnehin nicht gefahren werden: „Mein Metzger ist acht Minuten entfernt. Das Fleisch wird regional vermarktet und geht nicht an Aldi, Lidl & Co“.

Trotz guter Vertragsbedingungen, die er bei den Discountern erhalten könne, ziehe er es vor, direkt zu vermarkten, erklärt der Landwirt. Zu seinen Abnehmern zählten bereits jetzt gastronomische Betriebe im Umland und in München. Diese Schiene wolle er weiter bedienen.

Die Petition bezeichnet er als Witz: „77 Prozent sind von weiß Gott woher, 22 Prozent sind Vegetarier und Veganer.“ Doch nicht nur das: Auch über den geplanten Betrieb würden Unwahrheiten verbreitet: „Weder der Abstand zur Kapelle stimmt, noch die Anzahl der Sauen“, sagt er. Nicht verstehen kann der Landwirt, wie man gegen seinen geplanten Tierwohl-Stall sein könne: „Unsere Schweine stehen auf Stroh, sie werden gehalten wie früher“, sagt er.

„Ich bin Landwirt mit Leib und Seele, ich will, dass es meinen Tieren gut geht.“ Deswegen sollen seine Schweine nicht nur Zugang zum Außenklima haben, sondern im Stall auch mehr Platz als vorgeschrieben. „Er soll kein Hochsicherheitstrakt sein, uns sind Besucher willkommen. Wir wollen den Stall in regelmäßigen Abständen öffnen, um zu zeigen, wie es bei uns ausschaut“. Dass „die Leut’ dagegen san, auch wenn ma’s eigentlich so macht, wie’s die Leut woll’n“, gehe ihm nicht in den Kopf.

Da ihm die zuständigen Fachstellen bereits Grünes Licht signalisiert hätten, möchte er möglichst bald einen Bauantrag beim Markt Isen einreichen. Ein Vorgespräch mit Bürgermeisterin Irmgard Hibler und dem Leiter des Bauamts, Martin Baumgartner, habe er bereits geführt, sagt er.

Dass eine Unterredung stattgefunden habe, bestätigt die Bürgermeisterin. „Die Art der Tierhaltung hat uns durchaus überzeugt, die Standortfindung könnte jedoch problematisch sein“, erklärt sie. Denn obwohl man mit einem Tierwohlstall einverstanden sein könne, sei die Standortfrage aus immissionsschutzrechtlicher Sicht „sicherlich genauer zu betrachten“.

Entscheidungsbefugt sei jedoch nicht die Kommune, sondern das Landratsamt. Falls der Betreiber privilegiert und das Vorhaben an der gewünschten Stelle zulässig sei, sei es grundsätzlich genehmigungsfähig. „Eine konkrete Bewertung der einzelnen Kriterien kann aber erst erfolgen, wenn ein Antrag eingereicht wird“, erklärt Hibler das Vorgehen der Kommune.

Bei der Genehmigung spielt das Tierwohl nur eine untergeordnete Rolle. Geprüft wird zwar, ob der Tierschutz, der für Nutztiere gilt, eingehalten wird. Überwiegend hängt die Genehmigungsfähigkeit von den im Stall verursachten Umwelteinwirkungen ab. Sichergestellt muss sein, dass die Nachbarschaft von erheblichen Geruchsbelästigungen und Gesundheitsgefahren durch Staub- und Keimemissionen geschützt ist. Genau diesen Punkt beurteilen der Betreiber und die Anlieger allerdings unterschiedlich.

Auch wenn sich die Online-Petition an die Kommune richtet, habe sie keine rechtliche Wirkung, ergänzt Geschäftsleiterin Christine Pettinger. „Bei einer solchen Petition kann jeder, egal ob betroffen oder nicht, egal ob in Isen oder anderswo ansässig, unterschreiben. Sollte im vorliegenden Fall ein Bauantrag eingereicht werden, wäre der Markt Isen zudem der falsche Adressat.“ Denn die Kommune könne im Rahmen des Bauleitverfahrens „lediglich innerhalb eines genau definierten Zuständigkeitsfeldes ihre Stellungnahme abgeben, bevor dieser an das Landratsamt zur Genehmigung weitergegeben wird.

Die Initiatoren wollen ihre Petition ohnehin nur als Hinweis an die Kommune zu verstehen wissen. Seinen Namen in der Zeitung lesen will nämlich keiner von ihnen. Um nicht „noch mehr anzuecken“, wollen sie sich wenn überhaupt nur anonym äußern. Eine Anfrage über die Mailfunktion auf der Petitionsseite blieb unbeantwortet. „Ein Schweinestall am schönsten Ort in Isen ist ein Unding“, sagt eine Anwohnerin am Telefon. Probleme habe sie auch damit, „dass da jemand von auswärts kommt und in so einer exponierten Lage einen Schweinemastbetrieb bauen will“.

Einer weiteren Anliegerin stößt der Gedanke an einen Schweinestall so nah an ihrem Grundstück sauer auf. „Ein Schweinestall stinkt nun einmal. Wir wissen noch aus Deponiezeiten, wie oft der Wind den Gestank zu uns trägt“, sagt sie.

Die Kritiker gehen noch weiter: Der Landwirt habe nicht mit offenen Karten gespielt und dem Grundstückeigentümer gesagt, er wolle die Fläche nur als Grünland nutzen, werfen sie ihm vor. Das weist der mögliche Betreiber vehement zurück. Der Grundeigentümer sei über seine Pläne informiert gewesen, sagt er. „Ich habe dem Verkäufer sogar angeboten, dass ich mein Angebot bei möglichen Problemen zurückziehe“, versichert er.

Dass das Verhältnis zwischen ihm und den Anliegern im Keller ist, bestätigt auch er. Er kreidet den Kritikern an, dass sie ihn „mit aller Gewalt, Hetze, Ungerechtigkeiten und Lügen öffentlich fertigmachen“ wollten, um das Projekt zu verhindern.

Anne Huber

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