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Die Bewegungen von Therapiepferd Acambaro werden auf die Muskulatur der kleinen Patientin Katharina übertragen, als würde sie selbst laufen. Mit dabei sind Therapeutin Jeannine Wagner (r.), Pferdeführerin Bernadette Liebermann und Mutter Yvonne (l.)

Heilendes Angebot

Pferde als Therapeuten für behinderte Kinder

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Die Elisabeth Mann Stiftung unterstützt am Mutzenhof behinderte Kinder durch Reittherapien.

BurgrainKatharina ist fast neun Jahre alt und aufgrund eines Gendefektes schwerstbehindert. Sie kann nicht sitzen oder stehen, kann ihre Muskeln nicht koordinieren. Doch nun hält sich das kleine Mädchen, gestützt von ihrer Mutter und der Therapeutin Jeannine Wagner, aufrecht auf dem Rücken von Acambaro, einem geduldigen Therapiepferd. Das ruhige Tier, das mit seinem Spitznamen BamBam gerufen wird, hilft Katharina dabei, ihre Muskeln zu stärken. Das ist wichtig für die Atmung, die Verdauung und das Wachstum.

„Seit wir mit der Hippotherapie begonnen haben, macht sie Fortschritte“, freut sich Mama Yvonne. Das war im Jahr 2016. Damals hatte die Elisabeth-Mann-Stiftung begonnen, in der eigenen, ein Jahr zuvor neu gebauten Reithalle auf dem Mutzenhof in Isen-Burgrain, Hippotherapie und Heilpädagogisches Reiten anzubieten. „Das war für uns auch neu“, erzählt Angelika Grasser von der Stiftungsverwaltung.

Bis dato hatte die Stiftung, die auch als Vorgabe die „Förderung sportlicher Aktivitäten behinderter Kinder und Jugendlicher“ hat, derartige Aktivitäten anderer Einrichtungen finanziell unterstützt. Gegründet wurde die Stiftung von Elisabeth Mann im Jahr 1992. Die frühere Hauptaktionärin der Zündapp-Werke hatte eine Leidenschaft für Motorradsport, Rennpferde – und sie liebte Kinder.

Bereits 1972 hatte sie das Gestüt mit 50 Pferdeboxen und einem Wohnhaus auf einem Hügel in Burgrain errichtet. Neben der Förderung benachteiligter junger Menschen dient die Stiftung vor allem der Ausbildung von Pferdewirten mit den Schwerpunkten Zucht, Haltung und Service sowie Trabrennfahren. Um die Hippotherapie und das Heilpädagogische Reiten kümmern sich derzeit drei Therapeutinnen.

Eine von ihnen ist Jeannine Wagner. Sie erklärt die Unterschiede zwischen den Therapieformen. „Hippotherapie ist im Prinzip Krankengymnastik auf dem Pferd“, so Wagner. Sie eignet sich für Kinder mit neurologischen und/oder orthopädischen Erkrankungen. Das können angeborene Defekte oder durch Unfälle und Krankheiten entstandene Hirnschäden sein, die eine Koordination des Bewegungsapparates verhindern.

„Der kleine Patient sitzt oder liegt auf dem Rücken des Pferdes. Das speziell ausgebildete Tier wird langsam am Langzügel geführt, der Therapeut geht immer griffbereit nebenher. Die dreidimensionalen Bewegungen des Pferderückens übertragen sich auf den Rumpf des Patienten, wodurch es dort zu gangähnlichen Rumpfbewegungen kommt, als würde er gehen“, erklärt die Therapeutin. Das trainiere das Muskelsystem, kann Muskelspannung aufbauen und zugleich durch die sanften Bewegungen Spastiken lösen.

Während das Kind bei der Hippotherapie nicht unbedingt eine Beziehung zum Pferd aufbauen muss, ist genau das bei der Heilpädagogischen Förderung gewollt. „Diese Therapieform ist für Kinder gedacht, deren Sozialverhalten oder die Kommunikation gefördert werden soll, sie eignet sich bei Entwicklungsstörungen, geistigen oder Lernbehinderungen“, weiß die erfahrene Fachfrau. „Dazu gehört vor allem der herzliche Umgang mit dem Tier – es begrüßen, streicheln, putzen, satteln, es führen und reiten. Der Umgang mit dem Pferd fördert die Wahrnehmung genauso wie die Motorik und schult auch das Bewusstsein, wie andere auf das eigene Verhalten reagieren.“

Der Mutzenhof hat momentan zwei Therapiepferde im Einsatz, ein drittes ist gerade in Ausbildung. Damit auch Rollstuhlkinder ohne Probleme auf den Pferderücken kommen, stehen ein Lifter und ein Podest zur Verfügung. Derzeit werden zwölf Kinder betreut. „Kapazitäten haben wir für bis zu 15 Patienten“, sagt Angelika Grasser, „es dürfen gerne drei bis vier weitere Kinder zu uns kommen“.

Dabei sollten die kleinen Patienten für die Hippotherapie zwischen sechs und zwölf Jahre und für das Heilpädagogische Reiten zwischen acht und zwölf Jahre jung sein. Die Therapien finden einmal pro Woche oder vierzehntägig statt. Therapieplätze sind für betroffene Kinder aus Familien mit kleinem Budget gedacht und werden von der Stiftung voll finanziert.

Weitere Auskünfte

erteilt Angelika Grasser unter Tel. (0 80 83) 9 07 45 77 (Mo., Mi., Do.), bzw. unter E-Mail a.grasser@elisabeth-mann-stiftung.de.

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