Protestunterschriften nahm Landrat Martin Bayerstorfer (3. v. l.) von Dr. Fritjof Schmidt-Hoensdorf, Ursula Schmidt-Hoensdorf, Frau Voh, Lydia Eiglsperger und Bettina Meindl entgegen. 
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Protestunterschriften nahm Landrat Martin Bayerstorfer (3. v. l.) von Dr. Fritjof Schmidt-Hoensdorf, Ursula Schmidt-Hoensdorf, Frau Voh, Lydia Eiglsperger und Bettina Meindl entgegen. 

Unterschriftenliste

Protest gegen Schweinestall bei Isen geht weiter

  • vonTimo Aichele
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Anlieger übergeben  eine Unterschriftenliste gegen einen geplanten Schweinestall an Landrat Martin Bayerstorfer. Der Antragsteller weist Kritik an seinem Vorhaben zurück.

Isen – Der Kampf um einen bei Isen geplanten Tierwohl-Stall für 220 Schweine tobt weiter. Die Familien Voh und Eigelsperger aus Aschberg haben dagegen eine Petition gestartet und Unterschriften gesammelt. Bei einem Termin im Landratsamt überreichten sie Landrat Martin Bayerstorfer am Donnerstag eine Liste mit 279 Unterschriften gegen den Strohschweinestall im östlichen Gemeindegebiet von Isen zwischen Hubertus-Kapelle und Staatsstraße 2086. Ein offizieller Antrag liegt den Behörden allerdings noch nicht vor.

Den Stall bauen möchte Robert Schweiger aus St. Wolfgang. Er fühle sich einer Hetzkampagne ausgesetzt, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Schließlich baue er einen relativ kleinen Tierwohl-Stall

weit außerhalb eines Ortes. Der Weiler Aschberg mit einer Handvoll von Anwesen liege etwa 500 Meter und die Hubertus-Kapelle rund 400 Meter entfernt. Er habe nicht geglaubt, dass er mit diesem Vorhaben einen solchen Widerstand auslösen würde. „Das ist doch die Landwirtschaft, die jeder haben will, habe ich gedacht“, erzählt der Tierhalter, der bereits an seinem Wohnort einen kleinen Schweinestall betreibt, den er allerdings nicht erweitern könne. Jedes Schwein habe bei ihm 1,6 Quadratmeter Platz, im Vergleich zu 0,75 Quadratmeter in konventioneller Haltung. Außerdem sei der Metzger, den er beliefere nur acht Minuten entfernt.

Im Namen der Petenten skizziert Rechtsanwältin Ursula Schmidt-Hoensdorf in einem Schreiben an Bayerstorfer drastisch die Beeinträchtigungen für Bürger. Es werde befürchtet, „dass insbesondere Ostwind die Gerüche über das gesamte Gebiet von Isen-Süd verbreiten wird“. Dieses Argument bezeichnet Schweiger als „Witz: Wir haben ja meistens Westwind.“ Der Landwirt ist zudem überzeugt, dass er alle rechtliche Vorgaben für ein solches privilegiertes Bauvorhaben einhalten werde. Ohne Gerüche komme ein Schweinestall nicht aus, sagt Schweiger. „Aber auch die Anlieger wissen genau, dass sie vom Immissionsschutz her nicht Recht bekommen werden“, glaubt der Schweinehalter.

Auch eine mögliche Vergrößerung des Betriebs und den nachträglichen Bau von weiteren Gebäuden sieht Schmidt-Hoensdorf als Gefahr. „Mir wird ständig was unterstellt“, sagt Schweiger zu diesen Kritikpunkten, die er als „aus der Luft gegriffen“ bezeichnet. Er plane einen 300 Quadratmeter großen Stall und ein ebenso großes Strohlager, mehr nicht.

Schmidt-Hoensdorf erklärt ferner, dass sich die nahe gelegene Hubertus-Kapelle zum beliebten Naherholungsziel entwickelt habe. Sie biete eine der schönsten Aussichten über Isen. „Die Hubertus-Kapelle würde ich von meinem Standort aus gar nicht sehen“, entgegnet Schweiger.

Der Stall sei ein erheblicher Einschnitt in die Natur, so die Kritiker. Hinzu kämen Wildschweine, die im Sollacher Forst leben, und hinsichtlich Schweinepest eine Gefährdung darstellen. Auch das weist Schweiger zurück. Dagegen werde der von ihm geplante Freilauf mit einem Elektrozaun gesichert.

Bayerstorfer hörte sich die Belange der Bürgerinitiative an und sicherte zu, dass der Standort für den Tierwohlstall – wie alle anderen Bauvorhaben im Landkreis Erding auch – genau geprüft werde. Obwohl dem Landratsamt diesbezüglich noch kein Antrag vorliege, habe man den Bauherrn bereits im Vorfeld gebeten, Unterlagen einzureichen, die für die Prüfung eines künftigen Antrags von Bedeutung sind.

Isens Bürgermeisterin Irmgard Hibler erklärte auf Nachfrage, dass sie ohne einen konkreten Antrag schlecht Stellung zu dem Vorhaben beziehen könne. „Wir werden die Sache akribisch unter die Lupe nehmen“, versprach die Bürgermeisterin.

Dazu wird sie wohl Gelegenheit bekommen. Schweiger erzählt, dass ihm die Angriffe ziemlich zugesetzt hätten. Zwischenzeitlich habe er geschwankt, ob er den Grund überhaupt kaufen solle, oder ob er ihn dann nur als Tauschfläche einsetze. Aber nun „müsste man eigentlich sagen: Jetzt erst recht!“

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