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Einst ein Sägewerk, jetzt eine Herberge? Unser Bild zeigt einen Teil des Gebäudes in Burgrain, das offenbar als Arbeiterunterkunft genutzt wird – sehr zum Leidwesen der Anwohner.

Anwohner genervt – Landratsamt prüft

Altes Sägewerk in Burgrain: Monteur-Hotel oder normales Wohnhaus?

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Wird das einstige Sägewerk in Burgrain als Herberge genutzt? Das vermuten Anwohner. Das Landratsamt prüft den Fall nun.

BurgrainBurgrain ist ein beschauliches Fleckchen Erde. Hoch oben thront die Burg und schaut herab, wo sich die Isen schmal durchs Tal schlängelt. Am Fuße der Almstraße wurden einst eine Mühle und ein Sägewerk von Wasserkraft angetrieben. Noch heute, eingefasst von den zwei engen Armen der Almstraße und des Mühlenwegs, stehen die jahrhundertealten Gebäude an dem kleinen Fluss.

„Wir leben schon in einem idyllischen Ort“, sagt Georg Reiner, einer der Anwohner. Der langjährige Marktgemeinderat und frühere Vize-Bürgermeister setzt sich seit Jahrzehnten für die Belange des Isener Ortsteils ein. Doch nun stößt er an Grenzen: „Seit etwa einem Vierteljahr ist es mit der Ruhe und Gelassenheit vorbei“, sagt er resigniert. Bei seinen unmittelbaren Nachbarn und weiteren rund 20 Menschen, die im Ortskern rund um das alte Sägewerk wohnen, liegen mittlerweile die Nerven blank.

Viel Lärm und Müll – wegen Hotel?

Beim Ortstermin mit der Heimatzeitung berichten sie von nächtlichem Lärm durch laute Stimmen, schlagende Autotüren, aufheulende Motoren und Verunreinigungen der Straße, in private Tonnen und Gärten geworfenen Müll, Kippen und Flaschen. Dazu würden zugeparkte Privatwege und Einfahrten, wild auf einer Wiese abgestellte Autos und Firmenfahrzeuge mit meist ausländischen Kennzeichen kommen, monieren die Anwohner.

Sie äußern den Verdacht, dass im Sägewerk-Gebäude seit einem Besitzerwechsel vor mehreren Monaten eine Art Monteur-Hotel untergebracht ist. Diese Vermutung ist nicht unbegründet. Im Internet, unter anderem beim Mitwohn-Portal Airbnb, wird man schnell fündig: In Burgrain findet sich unter der Adresse die „Isener Perle“ – „ein Gasthaus mit zehn Zimmern“, wie es in der Beschreibung eines Buchungsportals heißt. Insgesamt 26 Betten sollen gebucht werden können, die Ausstattung verspricht „kostenfreie Parkplätze“ und auch einen Kamin.

Anwohner beschwerten sich bei Landratsamt und Gemeindeverwaltung

Für die Anlieger völlig unverständlich. „Da wohnen etwa 30 Personen in einem uralten, für maximal zwei Familien ausgelegten Haus, das überwiegend in Holzbauweise errichtet wurde“, kritisieren die Nachbarn beim Vor-Ort-Termin. Sorgen machen sie sich nicht nur um den möglicherweise mangelhaften Brandschutz, sondern auch um ihre eigene Sicherheit. Vor einigen Wochen haben sie in einem mehrseitigen Schreiben die Zustände geschildert und ihrem Ärger Luft gemacht. Das Papier ging zusammen mit etwa 20 Unterschriften von Anwohnern ans Landratsamt und an die Gemeindeverwaltung Isen mit der Bitte um Überprüfung auf vorhandene Genehmigungen.

„Nachdem dann länger nichts passiert ist“, sagt einer der Anlieger, „haben wir das Schreiben nochmals versendet, und diesmal auch Landrat Martin Bayerstorfer angeschrieben“. Außerdem wurde die Problematik in einer Sitzung des Isener Marktgemeinderats vorgetragen.

Laut Besitzer alles rechtens

Besitzer und Betreiber der „Isener Perle“ ist ein Münchner Geschäftsmann. Aus seiner Sicht und der Meinung seiner Anwälte, sagt er am Telefon, sei mit der Vermietung des Hauses alles rechtens. „Dort wohnen Mieter mit ganz normalen Verträgen.“ Für ihn müsse es jedoch wirtschaftlich sein, die 300 Quadratmeter Wohnfläche auch auszunutzen. „Laut Landratsamt darf ich an 24 Personen vermieten.“

Außerdem wohne dort auch ein Hausmeister, der nach dem Rechten schaue und manchmal die Mieter auch bitten würde, leiser zu sein. Der Besitzer weiß, dass es mit den Anliegern Probleme gibt und habe versucht, Lösungen zu finden, etwa Schilder aufzuhängen, wo man Parken kann und dass man langsam fahren möchte. „Ich habe versucht, es den Nachbarn so leicht wie möglich zu machen“, sagt der Münchner.

Haus oder Hotel?

Dass seine Mieter im Freien miteinander reden, rauchen und Besuch bekommen, könne er ihnen nicht verbieten. Die Frage, ob sein Haus ein Hotel sei, müsste „das Landratsamt beantworten“.

Die Kreisbehörde hatte laut eigener Auskunft, auch aufgrund der Anlieger-Schreiben, am 24. September eine Ortsbegehung mit Vertretern der Gemeinde Isen und dem Betreiber der Unterkunft. Das Landratsamt teilte jetzt mit, dass nach derzeitigem Stand die Einschätzung überwiege, dass es sich um eine „beherbergungsähnliche Nutzung“ handelt. Man sei aber gesetzlich verpflichtet, dem Eigentümer eine kurze Frist einzuräumen, innerhalb derer er eine entsprechende Genehmigung für eine solche Nutzung beibringen könne.

Sollte er keine Genehmigung beibringen können, „wird das Landratsamt hier eine Nutzungsuntersagung aussprechen“, teilt Pressesprecherin Claudia Fiebrandt-Kirmeyer mit. Die Anwohner warten nun auf eine endgültige Entscheidung.

Henry Dinger

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