Mit dem „Schof Sepp“ fing alles an

Schafhalter-Vereinigung Erding feiert 40-Jähriges

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40 Jahre Schafhalter-Vereinigung soll mit einem Grillfest mit Schafrassenschau gefeiert werden. Doch Schafhalter werden seltener und der Beruf komplizierter.

Isen 40 Jahre alt wird die Schafhalter-Vereinigung Erding e.V., und das ist ein Grund zum Feiern. Am Sonntag, 1. September, geht es am Bauhof in Isen um 10 Uhr mit einer Feldmesse los, anschließend steigt das traditionelle Grillfest mit Schafrassenschau und Rahmenprogramm.

Bereits zum 30. Mal lädt die Schafhalter-Vereinigung an den Bauhof nach Isen ein. „Seit dem Auftakt zum zehnten Gründungsjubiläum ist das Fest zum fixen Termin am ersten September-Sonntag geworden“, erklärt Vereinsvorsitzender Peter Friesinger. Sein Vorgänger war der Isener Josef Deuschl, besser bekannt als „da Schof Sepp“, der dem Verein 24 Jahre lang vorstand. Ihm folgte im Jahr 2003 Friesinger nach, der in Oberornau und damit im Landkreis Mühldorf wohnt. Doch er wollte nicht mit der Tradition brechen, und somit ist Isen nach wie vor Sitz des Vereins und der Bauhof 2 Am Sandberg Feierort fürs jährliche Fest – übrigens immer mit dem Segen von Bürgermeister Siegfried Fischer.

Gottesdienst zum 40. Jubiläum

Heuer wird es zum 40. Jubiläum des Vereins als Besonderheit einen Gottesdienst mit Ruhestandspfarrer Sebastian Allram geben. Des weiteren stehen Schau-Scheren und -Spinnen auf dem Programm, zudem gibt es Spezialitäten vom Lamm zu essen.

Dass die Schafhalter offensichtlich ein ähnlich ausgeglichenes Gemüt haben wie ihre Schützlinge, zeigt sich am Vorstand: Friesinger ist in 40 Jahren erst der zweite Vorsitzende der Vereinigung, die in den frühen der 2000er Jahren ins Vereinsregister eingetragen wurde. 1979 schlossen sich 35 Schafhalter aus dem Landkreis Erding in einem Verein zusammen. Die Mitgliederzahl stieg immer weiter an und hatte Mitte der 1990er-Jahre einen Stand von 170.

Kaum noch Nachwuchs

Seitdem geht die Kurve allerdings nach stetig unten: Von derzeit noch 98 Mitgliedern, so schätzt Friesinger, sind etwa 40 aktive Schafhalter. Im Schnitt haben sie ab drei bis 40 Schafe, nur je ein Halter habe Herden mit 100 und 200 Mutterschafen. „Es sind überwiegend ältere Leute, viele sind wegen der Geselligkeit noch dabei“, beschreibt Friesinger die Situation. Nachwuchs gäbe es kaum noch. Wer heute noch Schafe hält, tue das fast nur noch im Nebenerwerb, die Vermarktung der Lämmer funktioniere fast nur noch über die Erzeugergemeinschaft, für die Wolle zahlen Halter mit wenig Tieren meist noch drauf. „Da ist das Scheren teurer, als die Wolle im Verkauf bringt“, sagt Friesinger. Je nach Rasse gibt es Kilopreise, die meist unter einem Euro liegen.

Wolle als Bio-Dünger?

Einen leichten Aufschwung erhoffen sich die Halter mit dem zunehmenden Trend, die Wolle als Bio-Dünger in der Landwirtschaft zu nutzen. Sie hat nicht nur einen hohen Gehalt an Nährstoffen, sondern kann auch Wasser besonders lang speichern. Neu ist, dass sie dafür in Pellets gepresst wird. Mit diesem Verfahren hat sich Friesinger auseinandergesetzt und will es beim Grillfest vorstellen. Zweimal im Jahr treffen sich die Halter zu Versammlungen, im Herbst wird ein Referent eingeladen, der aktuelle Themen anspricht.

Schafhalter gegen Schafreißer

Wo am meisten der Schuh drückt, weiß der Vereinschef: Es wird schwieriger, die Herden vor dem Wolf zu schützen. Herdenschutzhunde kosten mehrere tausend Euro in Anschaffung, Ausbildung und Unterhalt, das ist für die Halter kleiner Herden nicht zu stemmen. Er selbst habe 20 Tiere, wegen der Weideflächen aufgeteilt in zwei Gruppen. „Da brächte ich vier Hunde. Das geht nicht“. Auch Schutzzäune sind nicht immer eine perfekte Lösung: „Es gibt zwar Zuschüsse, aber erst, wenn eine Mindestgrenze überschritten ist“, erklärt Friesinger.

Und dennoch sind die Schafhalter im Landkreis Erding und darüber hinaus stolz auf ihre Tiere. Deshalb nutzt der Verein Veranstaltungen wie das Grillfest am kommenden Sonntag, um sich und ihre Arbeit vorzustellen.

So sollen bei der Rasseschau etwa 14 Rassen gezeigt werden. Angefangen von den weit verbreiteten Merinolandschafen über Schwarzköpfige Fleischschafe, Suffolk- und Zwartbles-Schafe, Weiße Bergschafe, Heidschnucken und ostfriesische Milchschafe bis hin zu Dorperschafen. Ebenfalls dabei sein werden Ouessantschafe – die kleinste Schafrasse Europas – und Shropshire-Schafe. Die zum Beispiel haben die einzigartige Eigenschaft, keine Koniferentriebe zu fressen. „Sie werden zur Landschaftspflege in Christbaum-Kulturen eingesetzt, da sie die Bäumchen in Ruhe lassen. Das machen alle anderen Schafe nicht“, erzählt Friesinger. Im Herdbuch werden bayernweit übrigens 42 Rassen geführt.

Henry Dinger

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