Lieblingsplatz: Ralf Schelzke an seinem Schreibtisch im Büro.
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Lieblingsplatz: Ralf Schelzke an seinem Schreibtisch im Büro.

Ralf Schelzke feiert Jubiläum

„Arbeit wird immer mehr von Bürokratie beeinflusst“

Vor 20 Jahren hat Ralf Schelzke sein eigenes Ingenieurbüro gegründet.

Isen – Aus dem Provisorium im Keller seiner Isener Privatwohnung ist ein modernes Dienstleistungsunternehmen mit acht Mitarbeitern geworden.

Aktuell ist das Ingenieurbüro für etwa 30 Städte, Gemeinden, Zweckverbände und private Bauherren tätig. Dass Schelzke nicht Koch, Schauspieler oder Journalist wurde, wie er es eigentlich nach dem Abitur vorhatte, und stattdessen Bauingenieurwesen in München studierte, hat familiäre Gründe. Dass er trotzdem zufrieden auf 30 erfolgreiche Berufsjahre als Bauingenieur zurückblicken kann, hängt mit seiner Lebenseinstellung zusammen. „Ich glaube, man kann sich in jedem Beruf den Weg aussuchen, der zu einem passt“, sagt er. Sein Weg war „gestalten, Ideen entwickeln, organisieren und mit Leuten reden. Den ganzen Tag im Keller zu stehen und zu zeichnen, wäre nichts für mich gewesen“.

Vor der Gründung des eigenen Büros stand eine Anstellung beim Ingenieurbüro Kacerovsky. Zehn Jahre war Schelzke in dem Baldhamer Unternehmen beschäftigt, bis er eines Abends mit seiner Kollegin Sandra Hoffmann beim Italiener in Vaterstetten zusammensaß. „Bei Pizza und gutem Wein“ entwickelten die beiden die Idee, sich selbstständig zu machen. Dass Hoffmann heute noch im Ingenieurbüro Schelzke arbeitet und dort die Moosburger Zweigniederlassung leitet, hat viel mit Teamfähigkeit und Teamgeist des Firmengründers zu tun. „Das Ich war von Anfang an ein Wir“, sagt Schelzke. „Zunächst Frau Hoffmann und ich, später dann die ganze Belegschaft. Und selbstverständlich meine Familie“, nennt Schelzke als Erfolgsrezept. Ein wenig stolz ist er, dass es so gut wie keine Fluktuation bei dem Mitarbeitern gegeben hat: Wer bei Schelzke angefangen hatte, ist in der Regel dort geblieben. Neben Hoffmann ist Anton Dworzak ein weiteres Urgestein der Firma, viel zu früh verstorben ist 2016 Mitarbeiter Christian Berkenhaus.

Gemeinsinn und Verantwortung übernehmen, das zählt für Ralf Schelzke nicht nur im Betrieb. Zwar hat er sein kommunalpolitisches Engagement als Marktgemeinderat in Isen zugunsten der Verbandsarbeit eingestellt, in den Berufsorganisationen geht er dafür in die Vollen. Seit 2007 ist er Mitglied der Vertreterversammlung der BYIK-Bau, seit 2009 gewählter Vorsitzender in deren Ausschuss für Honorarfragen. 2017 wurde er zum Mitglied des Vorstands des Ausschusses der Verbände und Kammern der Ingenieure und Architekten für die Honorarordnung e. V. gewählt, ebenfalls seit 2017 ist er Mitglied der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA).

Schelzkes Blick über den Tellerrand des eigenen Büros macht seine Kritik am zunehmender Bürokratie noch gewichtiger: „Die Arbeit wird immer mehr von Bürokratie beeinflusst und gebremst, den berühmten Handschlag des Vertrauens gibt es leider nur noch selten“, sagt er.

Trotzdem ist Schelzke auch nach 30 Jahren im Beruf noch gerne Bauingenieur. „Wir planen, gestalten und erhalten die Infrastruktur unserer Kommunen. Damit tragen wir eine hohe gesellschaftliche Verantwortung. Und zwar gerne“. Mit der Frage nach besonderen Projekten stößt man auf Eigenschaften, die für den Ingenieur charakteristisch sind: Eloquenz und Diplomatie: „Wir freuen uns, wenn wir unseren Partnern in den Kommunen und Zweckverbänden gute Ideen liefern können und die dann auch noch verwirklichen dürfen. Deshalb sind alle Projekte besondere Projekte“.

Auch wenn aus Schelzke, der während Schulzeit und Studium bei einer Lokalzeitung gearbeitet hat, kein Journalist geworden ist, das Schreiben fesselt ihn noch immer. Neben Lesen, Sport und Zeit mit Freunden verbringen zählt es zu den Hobbys des gebürtigen Oberfranken.

Anne Huber

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