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Die Jagdhornbläser bereicherten die Veranstaltung. Thomas Schreder (r.) hörte zu. 

Hegeschau des Kreisjagdverbands Erding

Jäger-Chef Schreder fordert niedrigere Abschusszahlen

Isen – Für Thomas Schreder, Vorsitzender des Kreisjagdverbands, ist es an der Zeit, den forstpolitischen Grundsatz „Wald vor Wild“ zu überdenken. Bei der Pflichthegeschau, die der Kreisjagdverband (KJV) am Freitag im Auftrag des Landratsamtes veranstaltete, sprach sich der Erdinger vor Jägern, Vertretern der Jagdbehörde, Verbänden und Behörden dafür aus, auf den Rückgang des Wildverbisses mit niedrigeren Abschusszahlen zu reagieren.

Obwohl Schreder im Vegetationsgutachten, das den Abschuss von Schalenwild regelt, eine gute Grundlage sieht, um „gemeinsam den Abschuss festzulegen“, zweifelt er an der Notwendigkeit der aktuell vorgegebenen Höhe. „Wir müssen schauen, ob wir bei der Abschussvorgabe weiterhin so hoch dabei sein müssen“, sagte er. „Noch mehra Schießn akzeptiert die Bevölkerung draußen nicht mehr“, ist er überzeugt.

Zum Tätigkeitsfeld der ehrenamtlichen Jäger gehöre nicht nur, die Abschussregelung zu erfüllen. „Viele denken, dass Jagd nur mit Abschuss zu tun hat, aber Hege ist einer der wichtigsten Punkte, die wir in den Revieren draußen umsetzen“, appellierte er an seine Kollegen, sich als „Anwalt der Wildtiere“ zu verstehen. „Das Wild ist Teil unsrer Heimat. Wir dürfen den Respekt vor den Wildtieren nicht verlieren“, erklärte Schreder weiter. Dazu gehöre auch die artgerechte Fütterung in Notzeiten.

Zufrieden zeigte sich Schreder mit den Ergebnissen des vergangenen Jahres. Beim Abschuss von Wildschweinen hätten die Jäger bewiesen, „dass sie fleißig waren“. Sorge um eine mögliche radioaktive Belastung des Schweinefleisches müsse sich der Verbraucher nicht machen. Die Radio-Cäsium-Messstation des KJV sorge dafür, dass wer „im Landkreis Schwarzwildbret auf dem Teller hat, sicher sein kann, dass er perfektes Schwarzwild isst“.

Dass die Jäger in den 110 Revieren des Landkreises tatsächlich gut dabei gewesen sind, untermauerte Michael Grünn von der Unteren Jagdbehörde des Landratsamtes. Im dritten Jahr des Abschussplanung hätten die Jäger des Landkreises 3597 Rehe schießen müssen. Mit 3601 Tieren, darunter 901 Stück Fallwild, ist das Soll erfüllt. Die meisten Unfalltiere gab es 2017 in der Hegegemeinschaft Taufkirchen. Die Schwarzwildstrecke sei durch kontinuierliches Wachstum geprägt. 2016 wurden 202 Wildschweine erlegt, 259 im Jahr 2017. In seinem Streckenbericht ging Grünn auch auf Kormorane (370) ein.

Forstamtsdirektor Stefan Warsönke bat die Jäger: „Erfüllen Sie Ihre Abschusspläne und bleiben Sie am Drücker.“ Große Probleme bereiteten den Forstleuten wieder Buchdrucker und Kupferstecher. „Seit dem Frühjahrssturm hat sich die Borkenkäfersituation bedrohlich hochgeschaukelt. Wir müssen damit rechnen, dass die Schadereignisse zunehmen“, sagte Warsönke.

Praktische Tipps für die Jagd auf Reh- und Schwarzwild gab es von Kreisjagdberater Walter Zwirglmaier. Einen Rückgang der Bestandszahlen konstatierte er für Hase, Fasan und Co. Man müsse aufpassen, „dass nicht alles der Wirtschaft und dem Verkehr zum Opfer fällt“.

Landrat Martin Bayerstorfer dankte den Jägern für die „Riesenleistung“, den Abschussplan zu erfüllen. Im Zusammenhang mit der drohenden Schweinepest sei der Landkreis dabei, ein Maßnahmenpaket zu schnüren. Eine Drohne, die der Landkreis bei der Erntejagd zur Verfügung stellen möchte, könne auch bei der Wildschweinbejagung zum Einsatz kommen.

Gastredner waren CSU-Landtagsabgeordnete Ulrike Scharf und der Isener Bürgermeister Siegfried Fischer. Für seinen Beitrag, bei dem er nachholte, was Laudator Rainer Maria Schießler bei der Verleihung des Kulturpreises an den KJV hatte vermissen lassen, bekam Fischer viel Beifall. (Anne Huber)

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