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400 Besucher verfolgten die drei Stunden dauernde Debatte gespannt im Klement-Saal mit.

Podiumsdiskussion in Isen

Vier Bürgermeisterkandidaten drei Stunden im Kreuzfeuer

Den vier Isener Bürgermeisterkandidaten wurde nichts geschenkt. Drei Stunden lang mussten sie bei der Podiumsdiskussion beweisen, dass ihre Argumente die besten sind.

Isen – Die vier Isener Bürgermeisterkandidaten Michael Feuerer (CSU), Florian Geiger (Grüne), Irmgard Hibler (Freie Wähler) und Albert Zimmerer (SPD) haben sich in einer Podiumsdiskussion den Fragen der Isener Bürger gestellt. Je drei Minuten hatten die Bewerber Zeit, um die von Moderator Matthias Lücke in zehn Themenbereiche gebündelten Fragen zu beantworten. Insgesamt 52 Fragen waren von den Bürgern beim Nachrichtenportal Isen Infos eingereicht worden, das die Veranstaltung organisiert hatte.

Volles Haus herrschte am Samstagabend im Gasthof Klement, wo in Saal und Stüberl rund 400 Besucher die Diskussion live erlebten. „Über unseren Livestream haben wir im ersten Teil 6038 und im zweiten Teil 2745 Personen erreicht“, sagt Klaus Hamal, Gründer der IsenApp.

Die vom Moderator souverän und mit einer guten Portion Witz geführte Diskussion dauerte ohne Pause drei Stunden. Denn auch die Besucher hatten noch Gelegenheit, zu Themen wie Tradition oder Mehrgenerationenhaus Fragen zu stellen. Während vor allem Feuerer und Geiger durch Sachlichkeit überzeugten, setzte Zimmerer mit pointierten Statements auf die Publikumsgunst. Öfter passen musste Hibler, die als einzige der Kandidaten nicht im aktuellen Gemeinderat sitzt.

Bauen, Wohnen, Gewerbe

Bezahlbarer Wohnraum ist für alle Kandidaten ein wichtiges Thema. Konsens bestand, dass reine Einfamilienhaus-Siedlungen nicht mehr gebaut werden können, sondern vermehrt Geschosswohnungsbau und Sozialwohnungen nötig sind.

Das Einheimischenmodell ist vor allem für Feuerer eine zusätzliche Option. Neue Wege möchte Zimmerer gehen: Um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, solle die Gemeinde als Bauträger auftreten.

Auch bei der Gewerbeansiedlung bestand Übereinstimmung: Statt auf Großbetriebe setzt man auf Dienstleistungsbetriebe und Handwerk. Zimmerer will das leer stehende Gebäude des ehemaligen Edeka durch die Kommune anmieten, um Isen zum attraktiven Standort für Start-ups und Kleinstunternehmen zu machen.

Mit ihren Argumenten versuchten (v. l.) Michael Feuerer (CSU), Florian Geiger (Grüne), Irmgard Hibler (FW) und Albert Zimmerer (SPD) die Wähler von sich zu überzeugen.

Sport, Freizeit, Schwimmbad, Jugendzentrum

Potenzial für die Erweiterung der Sportanlagen am aktuellen Standort sehen CSU, Freie Wähler und Grüne. Dagegen ist für Zimmerer die Auslagerung der Sportstätten Richtung Burgrain und der Bau einer neuen Halle „wichtigstes Thema nach der Schulsanierung“.

Für ein Schwimmbad in Isen, das ursprünglich von den Grünen ins Gespräch gebracht worden war, sehen die Kandidaten Chancen. Verwirklicht werden soll die naturnahe Bademöglichkeit über einen Verein, auch darin war man sich auf dem Podium einig.

Den Bedarf für ein selbstverwaltetes Jugendzentrum will Hibler abfragen. Zimmerer, der das Thema im Wahlprogramm hat, hat schon einen potenziellen Standort im ehemaligen Bahnhofsgebäude ausgemacht und will mit dem Besitzer Gespräche über eine Vermietung an die Gemeinde führen.

Asylsuchende, Wohnraum für anerkannte Flüchtlinge

Die Arbeit des Helferkreises wird von allen Kandidaten geschätzt. Sie soll durch die Überlassung der Räume an der Münchner Straße 16 weiter unterstützt werden. Feuerer sieht die Möglichkeit, über die Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises bei Sozialwohnungen über die Belegungsrechte Wohnraum für Geflüchtete zu sichern.

Schule: Renovierung oder Neubau?

Zwar betonten Zimmerer und Geiger die grundsätzliche Berechtigung von Bürgerbegehren, wie die beiden anderen Kandidaten unterstützen sie allerdings nicht das Bürgerbegehren, dass sich gegen die beschlossene Erweiterung der Schule am jetzigen Standort richtet.

Feuerer wies darauf hin, dass Planung und Ausführung eines Neubaus sieben Jahre betragen würden. Darüber hinaus werde die Rechtsaufsicht einen Neubau nicht genehmigen, warnte er. Hibler befürchtete, dass der Neubau als eine freiwillige Leistung der Gemeinde zu Lasten der Vereine gehen könne. Um „ungutes Blut“ zu vermeiden, sollten bei großen Bauvorhaben mehr Hintergrundinformationen zur Verfügung gestellt werden, meinte sie. Übereinstimmung bestand darin, die Verkehrssituation im Schulbereich zu verbessern.

Transparenz

Für Feuerer ist das Gespräch mit den Bürgern die einfachste Maßnahme, um zu informieren, was, warum und wie die Gemeinde etwas vorhat. Bessere Information wollen alle Kandidaten durch einen Ausbau der Gemeinde-Homepage bieten. Mögliche Probleme mit dem Datenschutz sah Hibler, während Zimmerer öffentliche Gemeinderatssitzungen streamen will.

Öffentlicher Personennahverkehr

Eine bessere Taktung für die Busse wollen Grüne, CSU und Freie Wähler. Einen Bus zur Messestadt Ost hat Feuerer dem Landkreis bereits vorgeschlagen. Zimmerer favorisiert Bürgertaxis, die auf ehrenamtlicher Basis funktionieren sollen.

Volksfest, Marktnacht, Markttage

Ohne Wenn und Aber steht Zimmerer zur Wiedereinführung der Marktnacht, bei der er die Jugend einbinden will. Gute Gründe für ihre Abschaffung sahen Feuerer und Geiger in Haftungs- und Versicherungsfragen, hielten aber bei entsprechender Bürgerbeteiligung ein Revival für möglich.

Das Volksfest im jetzigen Rahmen belassen wollen Grüne, CSU und Freie Wähler. Zimmerer will das Volksfestgelände wie das Sportgelände Richtung Burgrain verlegen und damit vergrößern.

Kinderbetreuung, Hortbetreuungin den Ferien

Unisono gab es für eine Ferienbetreuung grünes Licht. Ein weiterer Kindergarten sei im künftigen Baugebiet Südliche Haager Straße vorgesehen. Für Alleinerziehende und Familien, in denen beide Eltern berufstätig sind, machte sich Hibler stark.

Infrastruktur, Fern- wärme und Windräder

Geiger möchte in neuen Baugebieten für energetische Ausgestaltung der Gebäude sorgen und grundsätzlich die Energieversorgung in den nächsten Jahren umstellen. Gute Möglichkeiten für Nahwärme sahen auch die anderen Kandidaten. Windräder, so die Bewerber der CSU und der Grünen, seien durch die Wetterradarstation bei Schnaupping kaum im Gemeindegebiet zu realisieren.

Verkehrsberuhigung, Einbahnstraßen

Beim Thema Verkehrsberuhigung hatten die Kandidaten in erster Linie die Bischof-Josef-Straße im Blick. Während sich Hibler zunächst einen Probelauf wünschte, plädierte Geiger für Tempo 30 auch in anderen Bereichen, um für Schulkinder, Fußgänger und Radfahrer den Verkehrsraum sicherer zu machen. Feuerer will mit einer Art Kreisverkehr an der Kreuzung Münchner Straße/Gries den Bereich entschärfen.

Ortsbelebung, Ortsverschönerung

Eine große Lösung für St.Zeno-Platz, Marktbrunnen und Münchner Straße hat Feuerer im Blick: Mit einer Tiefgarage sollen die parkenden Autos in den Untergrund gebracht werden, während die Oberfläche zum Aufenthaltsraum für Bürger wird.

Für Zimmerer fängt die Ortsverschönerung vor der eigenen Haustür an. Hibler will zunächst die Zukunft des brachliegenden Grundstücks am Marktplatz geklärt wissen, und Geiger möchte auch bei diesem Thema die Bürger ins Boot holen.

Kommunalwahl 2020 in Bayern: Welche Aufgaben hat der Bürgermeister?

Service

Die Bürgermeisterkandidaten aller Gemeinden aus dem Landkreis Erding, haben wir für Sie in unserem Überblicksartikel zu den Kommunalwahlen 2020 aufgelistet. Alle weiteren Hintergrundberichte finden sie zudem auch auf unserer Themenseite zu den Kommunalwahlen 2020 im Landkreis Erding.

Anne Huber

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