Wird jetzt schon vermisst: Andrea Dymke an ihrem bisherigen Arbeitsplatz in der Schule. Foto: Anne huber
+
Wird jetzt schon vermisst: Andrea Dymke an ihrem bisherigen Arbeitsplatz in der Schule.

Grund- und Mittelschule Isen

Krisenmanagerin, Blitzableiter, Trösterin: die vielen Rollen einer Schulsekretärin

Schulsekretärin ist ein vielseitiger und fordernder Job: Andrea Dymke hat die Stelle an der Isener Schule perfekt ausgefällt. Nun sucht sie eine neue Herausforderung.

Isen – Schulsekretärin Andrea Dymke verlässt zum Jahreswechsel die Grund- und Mittelschule Isen. Einen neuen Arbeitsplatz hat sie noch nicht, vielmehr möchte sie sich Zeit lassen, eine neue berufliche Perspektive zu entwickeln. Es geht hektisch zu, an ihrem letzten Arbeitstag, an dem noch alle Schüler und Lehrer in der Schule sind. Am Tag darauf werden die Bedingungen des neuen Lockdowns in Kraft treten, jetzt gilt es, die Notbetreuung für die restlichen Schultage vor den vorgezogenen Ferien zu organisieren.

Am Morgen habe sich eine Lehrerin überraschend krank gemeldet, alle Fachlehrer, die hätten einspringen können, seien mit der Besprechung des Projekts der Abschlussschüler beschäftigt, erzählt Dymke. Schließlich habe ein Lehrer gefunden werden können, der kurzfristig die Klasse übernahm. „Irgendwie kriegt man es dann doch immer hin“, kommentiert die Krisenmanagerin das morgendliche Chaos.

Vor fünf Jahren hat die gelernte Verwaltungsfachwirtin an der Isener Schule angefangen. Zwar brachte sie durch ihre verantwortungsvolle Tätigkeit am Städtischen Klinikum Bogenhausen Erfahrung mit – unter anderem arbeitete sie Werkverträge für medizinische Großgeräte aus –, die Arbeit im Schulsekretariat war allerdings Neuland für sie.

Doch nach der Familienpause war die Stelle in Isen für Dymke, die seit über 20 Jahren in Burgrain lebt, „der perfekte Wiedereinstieg“. Dabei schätzte die Mutter eines damals elfjährigen Sohns an ihrem neuen Arbeitsplatz vor allem den kurzen Arbeitsweg und die freien Ferien. Dass die Tätigkeit im Schulsekretariat „Learning by Doing“ ist, merkte sie nach der Einführung durch ihre Vorgängerin Maria Schrögmeier schnell. „Ich hab das anfangs unterschätzt“, sagt sie heute. „Man braucht zwei Jahre, bis man weiß, wie es läuft“.

Inzwischen hat sie gelernt, dass sie eine begonnene Arbeit unterbrechen muss, um ein Telefonat entgegenzunehmen, ein verletztes Kind zu trösten und mit einem Pflaster zu versorgen oder bei Eltern anzurufen, deren Kind den Bus verpasst hat. „Es ist vorgekommen, dass ich eine E-Mail, die ich zu Arbeitsbeginn begonnen habe, erst nach 13 Uhr fertig schreiben und abschicken konnte“, sagt sie. Doch genau diese Vielfältigkeit mache auch den Reiz des Schulsekretariats aus.

Auch wenn es nicht immer schön gewesen sei, als erster Ansprechpartner quasi der Blitzableiter gewesen zu sein – „Man kriegt dabei oft den Ärger und die Wut ab“ –, seien die meisten Eltern sehr nett und verständnisvoll gewesen. Ein sehr gutes Verhältnis habe sie auch zu ihrem Chef Michael Oberhofer, den Lehrern und den übrigen Mitarbeitern gehabt. „Ich werde alle sehr, sehr vermissen“, sagt sie über ihren Abschied von der Isener Schule.

Den einzelnen Klassen hatte sie bereits zuvor Lebwohl gesagt. Eine vierte Klasse hat ihr ein Lied zum Abschied gesungen, einige Schüler haben ihr gesagt, dass sie traurig seien und sie vermissen würden. „Es war sehr rührend“, erzählt Dymke.

Einer, der besonders traurig ist, ist Schulleiter Michael Oberhofer. „Wir sind gleich alt, ich hab immer gedacht, dass wir, nachdem wir zusammen in Isen angefangen haben, auch zusammen aufhören werden“, sagt der 54-Jährige. An seiner Sekretärin schätzt er deren Kompetenz und Menschlichkeit. „Beides zeichnet Andrea Dymke in besonders hohem Maß aus“, sagt er. „Ich verstehe aber, dass sie sich nochmal beruflich neu orientieren möchte.“

Wie es beruflich weitergehen wird, weiß Dymke noch nicht. „Ich mach erst einmal eine kleine Pause und schau, was passiert“, sagt sie optimistisch. Auf jeden Fall will sie sich ehrenamtlich engagieren und wenn es wieder möglich ist, Reisen mit der Familie unternehmen.

Auch ihre Nachfolgerin will sie, so gut es geht, unterstützen. „Ich war sehr froh, dass ich anfangs bei Frau Schrögmeier anrufen und mir Rat holen konnte. Das möchte ich mit meiner Nachfolgerin genau halten.“

Anne Huber

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare