Büffeln für die Berufsschule: Ridwan B. ist froh, im Büro der Flüchtlingshilfe dafür die Möglichkeit zu haben. Foto: Anne HUber
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Büffeln für die Berufsschule: Ridwan B. ist froh, im Büro der Flüchtlingshilfe dafür die Möglichkeit zu haben.

Flüchtlingshilfe

Wlan in Asylunterkünften: Ehrenamtliche als Online-Schnittstelle

Die Flüchtlingshilfe Isen bietet in ihrem Büro Ruhe und einen Internetanschluss für virtuellen Unterricht. Die Bewohner von Asylunterkünften haben in ihren Zimmern weder das eine noch das andere. Ein besonderer Service, denn noch immer gibt es in bayerischen Flüchtlingsunterkünften in der Regel kein Wlan - ein Interview.

Isen – In einem Infobrief vom 22. Dezember 2020 hat das Bayerische Innenministerium bekannt gegeben, dass künftig Wlan in den Gemeinschaftsunterkünften möglich sein soll. Bislang war es den Bewohnern dort verboten, Wlan auf eigene Kosten zu installieren. Wir wollten von Bettina Riep, eine der Vorsitzenden von Unser Veto Bayern, einem Zusammenschluss ehrenamtlicher Flüchtlingshelfer, und selbst Flüchtlingshelferin in Isen wissen, was sie von der neuen Regelung hält.

Frau Riep, sind Sie zufrieden mit der Regelung oder gibt es Kritikpunkte?

Leider ist das Schreiben des Innenministeriums nicht eindeutig, wir hatten uns mehr erhofft. Schon der erste Absatz ist verheerend: „Grundsätzlich können und müssen die Bewohner und Bewohnerinnen sich selbst um den Anschluss von kabelgebundenen Internetanschlüssen kümmern oder auf Alternativen … zurückgreifen“. Wir hätten uns gewünscht, das die Verwaltungen der Unterkünfte verpflichtet worden wären, dort Internetanschlüsse zu stellen, egal ob in einer Mietwohnung oder einem Container.

Bettina Riep ist seit der Gründung 2018 mit Jochen Jakob Vorsitzende von Unser Veto Bayern.

Was meinen Sie mit „nicht eindeutig“?

Bisher ist das nur eine Absichtserklärung der Staatsregierung. Zudem erwartet das Innenministerium, dass der Abschluss der Internetverträge über Dritte oder die Bewohner selbst erfolgt.

Was spricht dagegen, dass die Bewohner selbst die Verträge abschließen?

Über die Bewohner macht das keinen Sinn, da diese nicht dauerhaft in den Unterkünften leben. Als Dritte sind Personen vor Ort genannt: Einzelpersonen aus Helferkreisen, Kirchengemeinden, Kommune, Bildungsträger. Diese müssen sich vorab die Genehmigung der Unterkunftsverwaltung einholen.

Wieso werden nicht die zuständigen Verwaltungen Vertragspartner?

So ist das keine schnelle und klare Lösung, wie wir sie aktuell brauchen. Vertragspartner müssen erst mühsam gefunden werden, was vermutlich wieder die Aufgabe der Ehrenamtlichen sein wird.

Warum brauchen die Menschen in den sogenannten Gemeinschaftsunterkünften Wlan? Genügen nicht private Handyverträge?

Private Handyverträge sind im Vergleich mit einem Provider sehr kostspielig. Gerade jetzt, wo alle Schulen auf Online-Unterricht umgestiegen sind, wo viele Daten heruntergeladen werden müssen, sind sie ein sehr teures Unterfangen. Von Familien gar nicht zu sprechen. Kabelgebundene Anschlüsse könnten mit einer Full-Service-Pauschale von fünf bis sieben Euro gut finanziert werden. Ich bin zudem der Meinung, dass Internet wie Waschmaschine oder Kühlschrank zum Leben gehört. Warum gehört Internet nicht zur Standardausstattung jeder Unterkunft?

Die Flüchtlingshilfe Isen ist eine der Organisationen, die Asylbewerbern und Flüchtlingen ermöglicht, Internet in ihren Räumen zu nutzen. Sollte das Schule machen?

Ich finde das vorbildlich. So können die Schüler am Online-Unterricht teilnehmen, ohne den sie den Anschluss vollständig verlieren würden. Positiv ist auch, dass in den Räumen der Flüchtlingshilfe mehr Ruhe herrscht als in den beengten Unterkünften, und der Lernerfolg damit ein deutlich besserer wird. Aber das kann nicht den Internetzugang in den Unterkünften ersetzen. Die Umstände der Unterbringung dürfen die weltweite Vernetzung nicht verhindern – das ist diskriminierend.

Lernort für Asylsuchende in Isen

Die Flüchtlingshilfe Isen öffnet auch während des Corona-Lockdowns ihre Räume für geflüchtete Menschen. Auszubildende und Schüler können derzeit in das Gebäude an der Münchner Straße kommen, um hier am Online-Unterricht der Berufsschule teilzunehmen oder mit Ehrenamtlichen zu lernen. Ohne die Möglichkeit, „im Büro“, wie Ehrenamtliche und geflüchtete Menschen die beiden Räume nennen, zu lernen, wäre Ridwan B. vom Unterricht der Staatlichen Berufsschule in Altötting abgeschnitten.

Denn der 24-Jährige, der seit Herbst bei einem Isener Bauunternehmen das Maurerhandwerk lernt, lebt noch als sogenannter Fehlbeleger in einer Asylunterkunft. „Fehlbeleger“, das bedeutet, dass man zwar als Flüchtling anerkannt ist, aber weiterhin in einer Gemeinschaftsunterkunft leben darf, weil man keine Wohnung auf dem freien Markt findet.

Zwar dürfen laut einer Bekanntmachung des Innenministeriums seit kurzem Asylunterkünfte Wlan-Anschlüsse erhalten. In B.s Unterkunft gibt es jedoch noch kein schnelles Internet für alle. Der Blockunterricht, den er jetzt online erhält, ist aber ohne Internetanschluss und Endgerät nicht möglich.

Auch Alidad E., der Feinwerkmechaniker werden will, ist auf die Räume der Flüchtlingshilfe angewiesen. Auch weil hier die nötige Ruhe herrscht, um ungestört lernen zu können. „In der Gemeinschaftsunterkunft ist in den Zimmern oft kein Platz für einen Schreibtisch, im Grunde wird alles auf dem Bett erledigt“, beschreibt Stefanie Prauser, Sprecherin der Isener Flüchtlingshelfer, die Situation. „Außerdem wohnen in den Zimmern immer mehr Leute, da kommt es natürlich vor, dass der Online-Unterricht durch Mitbewohner gestört wird.“

Doch das Büro bietet nicht nur Raum und Ruhe für den Distanzunterricht. Vier Ehrenamtliche lernen darüber hinaus auch während des Lockdowns mit vier jungen Männern, die entweder eine Ausbildung machen oder wegen ihres Alters der Berufsschulpflicht unterliegen.

Für erwachsene Asylbewerber und Flüchtlinge ist ohnehin Eins-zu-Eins-Nachhilfe obligatorisch. Doch die Hilfe für Schüler musste nach den neuesten Beschränkungen grundlegend angepasst werden. Während des ersten Lockdowns konnte noch mit mehreren Schülern gleichzeitig gelernt werden. Inzwischen darf nur ein Ehrenamtlicher mit einem Schüler Arbeitsblätter der Schule bearbeiten.

„Wir sind momentan in der Lage, dass die Erst- und Zweitklässer vier Mal wöchentlich für je eine Stunde zu uns kommen können. Mehr ist personell nicht möglich“, heißt es bei der Flüchtlingshilfe. „Für die Notbetreuung, die die Schulen anbieten, kommen unsere Kinder ja leider nicht in Frage.“ Voraussetzung für Einzelnachhilfe sei ein strenges Hygienekonzept. „Die Kinder waschen sich gleich die Hände und tragen Masken. Wir versuchen, Abstand zu halten, tragen Masken und desinfizieren nach strengem Hygieneplan.“

Wichtigste Voraussetzung, um Auszubildende und Schüler unterstützen zu können, sind allerdings die Räume an der Münchner Straße. „In der Beziehung sind wir wirklich gut dran“, sagen die Helfer. Seit 2016 können sie die Räume nutzen, für die die Gemeinde Miete und Betriebskosten bezahlt. Als abzusehen war, dass weniger geflüchtete Menschen nach Deutschland kommen, verkleinerte sich die Flüchtlingshilfe von vier auf zwei Zimmer: Ende 2018 hat der gemeindliche Jugendtreff die vorderen Räume bezogen.

Auch wenn man die räumliche Situation als privilegiert empfindet – vor Corona fanden im „Büro“ neben Nachhilfe und den wöchentlichen Sprechstunden auch Feste und lockere Treffen statt, wurden gemeinsam Filme angeschaut oder zusammen gefrühstückt – bereitet die Manpower Probleme. „Wir sind momentan nur noch ein paar Leute, die aktiv mitarbeiten“, sagt Prauser. Doch die Aufgaben seien nicht weniger.

Neben Beratung und Unterstützung unter anderem bei Ausbildung, Bewerbungen, der Kommunikation mit Behörden und der Wohnungssuche sei man noch immer mit Fahrdiensten beschäftigt, gehe mit den geflüchteten Menschen zum Arzt oder unterstütze sie im Asylverfahren. Denn neben den Menschen, die als Asylbewerber in einer Gemeinschaftsunterkunft leben, gibt es mehrere Flüchtlingsfamilien, die in eigenen Wohnungen leben. „Wir suchen dringend Leute, die ehrenamtlich mitarbeiten wollen“, sagt Prauser.

Daneben würden neuwertige Laptops gebraucht, die maximal zwei bis drei Jahre alt sein dürften. „Sonst haben wir Probleme mit den Schulen und müssen Geld für die Ertüchtigung aufwenden.“ Diese Laptops würde Prauser gern für Computerkurse nutzen. „Auch nach der Zeit des Online-Unterrichts brauchen die Schüler Möglichkeiten, ihre IT-Kompetenzen zu stärken. Vor allem könnten wir dadurch auch Zugang zu Deutschkursen bieten, die ja für Nichtanerkannte im Landkreis Erding nicht mehr angeboten werden.“ Deswegen würden auch Kursleiter für Office, MS Teams oder Zoom gesucht. An Sachspenden wird vor allem Büromaterial gebraucht.

Kontakt:

Wer bei der Flüchtlingshilfe Isen mitmachen will oder etwas anzubieten hat, kann sich mit Stefanie Prauser, Tel. (0 81 24) 91 07 71 oder E-Mail info@fluechtlingshilfe -isen.de in Verbindung setzen.

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