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Gemeinsam lesen: Auch Pfarrer Josef Kriechbaumer (r.) besuchte die Feier des Literaturkreises. Marianne Brucker (M.) und Ruth Zorner-Ogiermann (2. v. r.) haben eingeladen.

Literaturkreis Isen

Lesen als Mannschaftssport

Bücher werden zum Leseerlebnis. Das macht der Isener Literaturkreis möglich. Jetzt fand der 50. Literaturabend statt.

Von Anne Huber

Isen – Die Teilnehmer des Isener Literaturkreises haben in den vergangenen acht Jahren 49 Bücher gelesen. Um den Jubiläums-Roman zu etwas ganz Besonderem zu machen, haben die Leiterin der Pfarrbücherei, Marianne Brucker, und Literaturkennerin Ruth Zorner-Ogiermann alle Isener Literaturfreunde zur öffentlichen Besprechung ins Rathaus eingeladen.

„Sehr lebhaft, sehr lustig und unheimlich bereichernd“, bezeichnete Brucker die Literaturabende, zu denen man sich alle acht Wochen in der Pfarrbücherei trifft. Sie verriet, dass unter den gemeinsam gelesenen – und zur Feier des Tages ausgestellten – Büchern auch Romane waren, die sie selbst nicht ausgesucht hätte. „Na ja, wird scho wern“, habe sie bei der Lektüre solcher Bücher oft gedacht. Dass sich ihr der Sinn dieser zunächst sperrigen Bücher doch habe erschließen können, sei Ruth Zorner-Ogiermann zu verdanken. Die Lehrerin, die am Gymnasium Gars Deutsch und Katholische Religionslehre unterrichtet, habe durch ihr „bereicherndes Hintergrundwissen“ dafür gesorgt, dass auch diese Bücher zum Leseerlebnis wurden.

Für den 50. Literaturabend hat Zorner-Ogiermann „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ von Joachim Meyerhoff ausgesucht. Dass der 2013 erschienene autobiografische und von der Kritik hochgelobte Roman auch den Teilnehmern des Literaturkreises gefallen hat, machte die Diskussionsrunde deutlich. Mit viel Aufwand hat Zorner-Ogiermann den Roman aufbereitet. Um die Frage Fiktion oder Realität einer Szene zu klären, hat sie sogar im Archiv der Lokalpresse recherchiert. Ausschnitte aus einem Gespräch und Fotos von Aufführungen gaben dem Schauspieler und Schriftsteller Meyerhoff Körper und Stimme. Dass Lesen eine „Mannschaftssportart“ sein kann – als solche hatte Zorner-Ogiermann in ihrer pointierten Eröffnungsrede den Literaturkreis bezeichnet – machte die Diskussion deutlich. „Beim Literaturkreis steht keiner in der zweiten Reihe. Wer da ist, kann mitreden“, so Zorner-Ogiermann.

Dass auch kontrovers diskutiert wird, zeigte die unterschiedliche Beurteilung des Umgangs von Autor und Bewohnern der väterlichen Psychiatrie in Schleswig. Konsens bestand bei der Einschätzung der Familiengeschichte: Lustig, aber mit Tiefgang, komisch, ohne existenzielle Fragen auszusparen, schonungslos und tieftraurig haben die Leser des Literaturkreises die Familiengeschichte des Autors empfunden.

Die besprochenen Bücher bilden einen Querschnitt durch die deutsche und europäische Literatur. Von Alfred Anderschs „Sansibar oder der letzte Grund“ zu Juli Zehs „Corpus delicti“ reicht die Palette. Dazwischen Bestseller wie Pascal Merciers „Nachtzug nach Lissabon“ oder Klassiker wie Theodor Fontanes „Effi Briest“.

Nicht nur Isener schätzen den regelmäßigen Austausch; einige Teilnehmer nehmen sogar lange Anfahrtswege in Kauf. „Wir haben auch Gastleser, die sich die den neuen Titel zumailen lassen“, sagt Brucker. Der nächste Roman steht schon fest: „Der Bastard von Istanbul“ von Elif Shafak wird am Mittwoch, 17. Mai, besprochen. Dazu trifft man sich wieder in der Pfarrbücherei St. Zeno, Georg-Escherich-Straße. 

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