Debatte im Bauausschuss

Lieber spielende Kinder als eine Lagerhalle

Isen - Nicht alles, was nicht gefällt, kann verhindert werden: Der geplante Bau einer Lagerhalle hat im Bauausschuss des Gemeinderats Isen zu einer bizarren Debatte geführt.

Hintergrund ist der Plan eines Burgrainers, eine rund 120 Quadratmeter große und sechs Meter hohe Lagerhalle im Mühlenweg zu errichten. Aus betriebsinternen Gründen will er den Lagerplatz für die von ihm vertriebenen Badewannen und Whirlpools von Ismaning an seinen Wohnort verlagern. Für das Grundstück besitzt der Burgrainer einen Bauvorbescheid, allerdings bezieht sich dieser auf ein Doppelhaus. Dass dort alternativ auch eine Lagerhalle errichtet werden kann, hängt für Bürgermeister Siegfried Fischer (FW) mit Lage und Klassifizierung des Grundstücks zusammen. Das werde nicht nur im Flächennutzungsplan als Dorfgebiet geführt, sondern entspreche diesem auch aufgrund „der Eigenart der näheren Umgebung“. Da kein qualifizierter Bebauungsplan vorhanden sei, komme das gesetzliche Baurecht zum Tragen: Bauvorhaben sind im Innenbereich dann möglich, wenn sie sich in die Eigenart der näheren Umgebung einfügen. „Die nähere Umgebung hört nicht nach 50 Metern auf“, sagte Fischer und wies auf die vor Ort vorhandenen Hallen eines Busunternehmens und einer Zimmerei hin. Außerdem seien im Dorfgebiet ohnehin sogenannte nicht störende Gewerbebetriebe erlaubt, „das Störpotential orientiert sich dabei am Mischgebiet“.

Aus der Betriebsbeschreibung, die die Verwaltung angefordert hat, geht hervor, dass die Halle zweimal wöchentlich angefahren werden und sich der Gabelstaplereinsatz auf eine Stunde pro Woche beschränken soll. Kundenverkehr ist nicht vorhanden. Die Wannen sollen vom Eigentümer ausgeliefert werden.

Während der Bürgermeister die bauplanungsrechtliche Zulässigkeit gegeben sah, hatte Marktgemeinderat Hans Angermaier (Mittbach-Liste) Bedenken. Er brachte nicht nur den vorhandenen Freizeitverkehr durch einen Geh- und Radweg ins Spiel, sondern hatte auch Zweifel, ob die Halle auch künftig für die Lagerung von Badewannen genutzt werde. „Wer weiß, wie das Gewerbe in fünf Jahren ausschaut.“. Vorbehalte hatte auch Albert Zimmerer (SPD), der Anlieferungszeiten und Folgenutzung festgelegt haben wollte.

Doch Fischer sah das anderes. „Ich werde das Bauvorhaben nicht nach dem beurteilen, was mir gefällt oder was sein könnte. Wir können nicht unterstellen, dass er in fünf Jahren etwas anderes macht“, erwiderte er. Auflagen zur Abwicklung des Gewerbes seien möglicherweise Sache der Unteren Immissionsschutzbehörde, nicht aber der Kommune.

Georg-Michael Reiner (Mittbach-Liste) versuchte, die Bedenken seiner Kollegen zu relativieren. „Der Verkehr wird weniger sein als bei einem Doppelhaus“, vermutete er. „Alle paar Monate kommt ein 7-Tonner und bringt ein paar Wannen“. Die Verkehrsbelastung hatte auch eine direkte Nachbarin in ihrer Stellungnahme als Argument gegen die Lagerhalle ins Feld geführt. In dem betroffenen Gebiet lebten „sechs Kleinkinder, die auch künftig gerne auf der Straße spielen würden“, schreibt sie. Nicht geklärt sei zudem, ob die Brücke über den Mühlbach für den Lkw-Verkehr ausgelegt sei. Die Zufahrt zum Grundstück betrachtet die Anwohnerin zudem „als nicht für dauerhaften Lkw-Verkehr geeignet“.

Da ihre Beurteilung der Unverträglichkeit des Vorhabens zur vorhandenen Wohnnutzung auf der Annahme basiert, dass es sich um ein Allgemeines Wohngebiet handelt, wies Bürgermeister Fischer auf die Möglichkeit hin, die Stellungnahme abzuändern. „Ich kann die Argumente emotional nachvollziehen“, sagte Fischer. „Baurechtlich liege die Entscheidung aber beim Landratsamt. „Man muss wohl oder übel das gemeindliche Einvernehmen erteilen“. Nach langer Diskussion erteilte der Bauausschuss bei zwei Gegenstimmen das Einvernehmen.

Anne Huber

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