Schüsse am Kölner Hauptbahnhof - Hinweis auf Geiselnahme

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Manege frei heißt es für Andreas Kielbassa, der seit Mitte 2017 im Münchner Circus Krone arbeitet. Seine Zelte in Isen hat er zwar nicht abgebrochen, sein Gemeinderatsmandat und das Amt als Volksfestreferent wird er niederlegen.

Portrait Andreas Kielbassa

Lieber Zirkusluft als Büromief

Als knapp vierjähriger Knirps hat er zum ersten Mal im Münchner Kronebau Zirkusluft geschnuppert. Heute ist Andreas Kielbassa im größten Zirkus der Welt verantwortlich für die Bereiche PR, Marketing, Internet und Social Media.

Von Anne Huber

Isen – Dass er es geschafft hat, seine Leidenschaft für den Zirkus, oder besser gesagt den Circus Krone, zum Beruf zu machen, empfindet der zirkusverrückte 39-Jährige als den Glücksfall seines Lebens. Denn die Liebe zum Zirkus verlor sich auch mit der Zeit nicht. Seit seinem ersten Besuch war er Jahr für Jahr zumindest in einer – oft auch in allen drei – Münchner Vorstellungen des Circus Krone, hat Programme und Plakate gesammelt. „Während meine Spezln später zu Spielen von Bayern München gefahren sind, bin ich nach Monaco auf’s Zirkusfestival von Monte Carlo gegangen“, erzählt er.

Bereits nächste Woche wird er zum elften Mal ins Flugzeug steigen, um sich beim Monte-Carlo-Festival die Besten der internationalen Zirkuswelt anzuschauen. Doch diesmal kommt er nicht als einer der vielen Besucher, inzwischen hat er Urs Pilz, den Vizepräsident und Manager des Festivals kennengelernt. Denn Pilz war als Freund und Vertrauter der inzwischen verstorbenen Zirkusdirektorin Christel Sembach-Krone beim Vorstellungsgespräch in der Krone-Villa dabei.

„Ah, ein Bayer“, habe die Prinzipalin des Zirkus Krone nach der Begrüßung zu ihm gesagt, erinnert sich Kielbassa. Auf seine vorsichtige Frage, ob das ein Hinderungsgrund sei, habe Sembach-Krone abgewunken. Nein, denn der Circus Krone sei ja schließlich „bayerischer Nationalzirkus“ und sie selbst „eine stolze Münchnerin“. Doch als Kielbassa im Juli des letzten Jahres seinen Dienst antrat, war Sembach-Krone seit wenigen Tagen verstorben. Bis zu ihrem Tod hatte sie den Kurs des Unternehmens bestimmt und alle wichtigen Entscheidungen getroffen. Nicht nur deshalb bezeichnet Kielbassa, der bei der Raiffeisen Waren GmbH als Spartenleiter Märkte gearbeitet hat, seinen Beginn bei Krone als „Sprung ins kalte Wasser“. Inzwischen führen Jana Lacey-Krone und deren Ehemann Martin Lacey jr. das Traditionsunternehmen, zwei junge Chefs, vor deren Kompetenz und enormem Arbeitspensum Kielbassa großen Respekt hat.

Von der Wohnung in den Campingwagen

Gewöhnungsbedürftig am neuen Job sei vor allem gewesen, seine Isener Wohnung gegen einen Campingwagen einzutauschen, verrät er und grinst. Denn während der Tourneemonate reist Kielbassa mit dem Zirkus durch ganz Deutschland. Inzwischen hat er sich daran gewöhnt, auf 25 Quadratmetern zu leben. Komfortablen 25 Quadratmetern, betont er, den der Camper ist mit Dusche, WC und sogar Waschmaschine perfekt ausgestattet. „Ich freu mich drauf, dass es im Frühling wieder rausgeht“, sagt er. Auch wenn „die Unterhaltung der Löwen“ in der Raubtierunterkunft ihn manchmal vor dem Klingeln des Weckers aus dem Schlaf reißt. Während der Wintersaison im Circus Kronebau tauscht Kielbassa sein rollendes Heim und den Bürowagen gegen seine Wohnung in Isen und einen Raum im Backstage-Bereich des Gebäudes. Presse steht auf dem kleinen Schild neben der Tür, doch Kielbassa hat vor allem mit dem Internetauftritt des Circus Krone zu tun. Der soll ein einheitliches modernes Gesicht bekommen, für den Inhalt ist Kielbassa verantwortlich.

Noch mehr beschäftigt ihn das Thema Tierschutz und die Kritik an der Tierhaltung im Zirkus. Für den Zirkusliebhaber Kielbassa gehören nämlich Tiere und Zirkus zusammen. „Ein Zirkus ohne Tiere ist kein Zirkus“, stellt er unmissverständlich klar. Dass viele Menschen die Einschätzung der militanten Tierschützer“ unbesehen übernähmen, ärgert ihn. „Tierschutz im Zirkus ist eine Sache, die wir viel mehr kommunizieren müssen“, sagt er.

„Wir verkaufen Lebensfreude“

Zwar könnten bereits jetzt die Proben im Rahmen des Krone-Zoos besucht werden, um sich von den Trainingsmethoden ein eigenes Bild zu machen. Doch immer noch herrsche in der Öffentlichkeit das Bild der angeketteten Elefanten und der gequälten Raubtiere vor.

Das möchte Kielbassa mit einer Wiederauflage des „Krone-Kurier“ ändern, die in den Tourneeorten als Postwurfsendung verteilt werden soll. Darin könnte auch die Meinung der Amtstierärzte zu lesen sein, die von den Bedingungen begeistert sind und dem Zirkus verantwortungsvolle Tierhaltung assistieren. „Immerhin sind wir der meist kontrollierte Tierhaltungsbetrieb Deutschlands“, sagt er.

Dass der Zirkus trotz Höhen und Tiefen überleben wird, steht für Kielbassa fest. „Wir verkaufen Lebensfreude. Bei uns kannst du drei Stunden lang dein Leben entschleunigen und das in 4D“. Auch für ihn bedeutet die Tätigkeit Herausforderung und Freude. Freude am Umgang mit den Artisten und Freude daran, Teil des präzise arbeitenden Unternehmens Zirkus zu sein. Und selbstverständlich Freude an den Tieren, an Nashornbulle Tsavo, der freudig mit den Hufen scharrt, wenn er die Musik seiner Nummer hört. Oder an Wildschwein Fritzi, das ebenfalls zum tierischem Inventar des Circus Krone gehört und das schon mal (von Martin Lacey jr. an der sicheren Leine geführt) einen Überraschungsbesuch im Bürowagen abstattet.

Dass er seinen sicheren Job aufgegeben hat, in dem er für den Posten als Geschäftsführer vorgesehen war, hat er nicht bereut. Statt sich um die Vermarktung von Futtermitteln und Bohrmaschinen zu kümmern, vermarktet er jetzt den Zirkus, der ihn schon als Kind in den Bann gezogen hat. Aufgeben wird Kielbassa auch sein Gemeinderatsmandat. Den Brief mit dem Gesuch hat er vor wenigen Tagen an Bürgermeister Siegfried Fischer geschickt. Damit verbunden ist auch, dass Kielbassa nicht das Isener Volksfest organisiert. Zirzensische Auftritte von Seelöwen, Raubtieren oder Akrobaten wird es nicht mehr geben. Aber falls jemand Lust auf Zirkus hat: München ist nicht weit und die Zirkusstadt des Circus Krone gastiert in rund 30 europäischen Städten.

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