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Eine etwas andere Dichterlesung war am Donnerstagabend mit Marcus H. Rosenmüller (l.) und Gerd Baumann im Klementsaal in Isen geboten. 

Marcus H. Rosenmüller und Gerd Baumann im Klementsaal

Regisseur Rosenmüller kann auch Poesie: Lyrik über erotische Streichwurstbrote

Mit ihrer musikalischen Dichterlesung mit dem Titel „Wenn nicht wer Du“ haben Marcus H. Rosenmüller und Gerd Baumann das Publikum im Isener Klementsaal überrascht. Es war ein kurzweiliger Abend mit vielen Pointen.

Isen – Zu einer musikalischen Dichterlesung mit dem Titel „Wenn nicht wer Du“ hatten Marcus H. Rosenmüller (46) und Gerd Baumann (52) in den Klementsaal nach Isen geladen und sich dann glatt gewundert, „dass sich so viele für Lyrik interessieren“. Wobei an diesem Abend nicht unbedingt die Gedichte der beiden Künstler im Vordergrund standen. Es waren mehr die Überleitungen zu diesen, die die Lachmuskeln der Gäste strapazierten.

So erfuhr das Publikum, dass Streichwurstbrote mit roten Zwiebeln unheimlich erotisch sein können, im Neusiedlersee wuschlige und hoppelnde Fische die obere Hälfte belagern, der See an sich ob seiner geringen Tiefe ein Problem mit dem Selbstbewusstsein habe, der Musiker Baumann eigentlich Astronaut werden wollte und Rosenmüller in der Pubertät Gedichte verfasste, um bei den Mädels zu landen – jedoch ohne Erfolg.

Die Funken auf das Publikum sprangen von der ersten Minute an über

Der Kultregisseur („Wer früher stirbt, ist länger tot“) und der erfolgreiche Komponist präsentierten sich als sehr sympathisches Duo. Die Funken auf das Publikum sprangen von der ersten Minute an über. Es drängte sich sogar der Eindruck auf, dass die beiden diesen Abend nicht unbedingt nur für ihr Publikum machten. Der „Rosi“, wie ihn sein Freund und Kollege Baumann nennt, musste so herzlich über dessen Erzählungen und Gedichte lachen, dass man meinte, er höre diese zum ersten Mal.

Die beiden ergänzen sich perfekt. Da ist auf der einen Seite der lausbubenhafte Rosi mit seinem gewinnenden Lachen, dem man sofort abnimmt, dass er in der Schule der Pausenclown war. Und auf der anderen Seite der ruhige, ja sogar ernst wirkende Baumann, dem kaum ein Lächeln entkommt und der seine abstrusen Geschichten so drucksend, trocken und zugleich ausschweifend erzählt, dass das Publikum sich vor Lachen bog, gleichzeitig den Kopf schüttelte und meinte: „So ein genialer Schmarrn.“

Kinderrätsel, Liebesgedichte aus der Jugend oder Poesie über Dichterkrisen

Wenn man die beiden auf der Bühne beobachtete, konnte man sich vorstellen, wie wohl Rosenmüllers Filme, zu denen Baumann oft die Musik komponiert hatte, entstehen. Denn auch diese sind so einzigartig, nah an den Menschen und oft auch verrückt wie dieser Abend, der mit einer gewöhnlichen Dichterlesung nicht viel gemein hatte.

Auch wenn die Rosenmüller-Baumann-Lyrik in erster Linie Kinderrätsel (Wann genau in der Nacht wird das Brot eigentlich alt?), Liebesgedichte aus der Jugend oder Dichterkrisen-Gedichte (Steckt der Dichter in der Krise, sollte er sich um etwas anderes kümmern ..., schwer auswendig zu lernen, weil kein Reim!) waren, so hatte Rosenmüller an den Abend schon den Anspruch, „dass ihr wos lernds“. Dafür waren wohl die Lösungsfindungsgedichte gedacht: „Man atmet ein, man atmet aus, man atmet ein, man atmet aus ..... usw.“ Die Lehre würde sich auch nicht sofort einstellen, das brauche schon ein paar Monate, aber dann käme die Erleuchtung, und man würde sich an diesen Abend erinnern und sagen „des hob I vom Rosi g’lernt“, versprach er. Er selbst müsse jetzt schon sooo viel nachdenken über das, „was wir heute gesagt haben“.

Zum Schluss gibt‘s noch ein Streichwurstbrot

An diesen Abend wird sich das Publikum bestimmt erinnern, vielleicht nicht unbedingt wegen der vielen Botschaften der beiden Künstler, obwohl auch diesbezüglich hie und da was durchblitzte: „Im Leben sollte man nie aufgeben, und wenn, dann doch.“ Nein, man wird sich erinnern, dass es ein wunderbarer, kurzweiliger Abend mit einem kongenialen Duo war, der das Herz erfrischte und gute Laune machte.

Die hatte der Rosi die ganze Zeit über und besonders zum Schluss, denn da wurde ihm dann noch ein Streichwurstbrot mit Röstzwiebeln serviert – die roten waren aus.

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