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„Der Schlittenberg muss bleiben“: Das steht auf den Plakaten, die Isener Mädels hoffnungsvoll in die Kamera unserer Fotografin halten. Sie waren unter den 200 Isenern im Garten von Heinrich Mittermaier.

Am Bräuanger 

Mehr als 200 Isener demonstrieren für den Schlittenberg

Da war was los am Mittwochabend im Garten von Heinrich Mittermaier. Rund 200 Isener, darunter zahlreiche Kinder, kamen dort zusammen, um ihren Widerstand gegen die Bebauung des Bräuangers mit Parkplätzen öffentlich zu machen.

Von Anne Huber

Isen – Wie berichtet, ist im Zuge der Schulhaus-Sanierung und -Erweiterung geplant, den Parkplatz zu vergrößern. Dann könnte der Hang neben der Schule nicht mehr als Schlittenberg genutzt werden. Das vollen hunderte Isener nicht hinnehmen.

„Ich bin total überrascht und glücklich, dass so viele Leute gekommen sind“, sagte Mittermaier, der die Parkplatz-Gegner in seinen Garten eingeladen und mit 50 bis 60 Teilnehmern gerechnet hatte.

Hintergrund der Protestaktion war ein Ortstermin der Marktgemeinderäte in der Schule, bei dem sie von den Planern informiert wurden.

Eine Unterschrift unter dem schützenden Regenschirm: Das schlechte Wetter hielt die Bürger nicht davon ab, ihren Protest kundzutun. 

„Das ist ein Saustall, wenn man so ideenlos ist und den Schlittenberg zubaut“, sagt Mittermaier und macht seinem Unmut über die Planung Luft. Sein Protest richte sich nicht gegen die Modernisierung der Schule, sondern lediglich gegen die Zerstörung des bei den Isener Kindern beliebten Rodelhangs, wie er betont. Und der Widerstand habe auch nichts damit zu tun, dass er sich als Anlieger von den Parkplätzen gestört fühle. „Mir geht es nur um die Kinder“, beteuert er. Mittermaier sieht genug Alternativen für die Parkplätze, etwa vor der alten Turnhalle in der Grottenau oder im ehemaligen Schulgarten vor dem Osttrakt. Mit dieser Meinung steht er bei dem Treffen, das mehr einer verregneten Gartenparty als einer Demonstration gleicht, nicht alleine da. Auch Albert Rappold weist auf Alternativen hin, die er zumindest überprüft haben will. Für Hannes Gmeiner, der mit Frau, Tochter, Schwiegersohn, Enkeltochter und Hund gekommen ist, bedeutet die Bebauung „die Zerstörung eines zentrumsnahen Freizeitgebiets, das man ohne großen Aufwand, ohne Auto erreichen kann“. Der 72-jährige Peter Sinzinger denkt pädagogisch: „Da will man die Kinder vom Computer und Handy wegbringen, und dann baut man so etwas zu.“

Dass die Protestler ein besonderes Verhältnis zu ihrem Schlittenberg haben, wird in den Gesprächen immer wieder deutlich. „Da haben wir Schlittenfahren gelernt“ oder „Da sind schon unsere Kinder g’fahrn“ hörte man immer wieder. Auch Verständnis für die Ertüchtigung der Schule signalisieren viele Teilnehmer. „Ganz klar, die Schule muss saniert werden“, sagt Mitinitiator Erwin Strotzer. Er selbst ist schon in Isen zur Schule gegangen, seine Zwillinge Xaver und Zeno, beide mit Tröten bei der Demo dabei, besuchen jetzt die Grundschule.

Für Bürgermeister Siegfried Fischer stellt sich die Sache ganz klar dar. „Ohne Parkplätze keine Baugenehmigung, ohne Baugenehmigung keine Modernisierung, dann bleibt der alte Schulkasten so wie er ist“, steht für ihn fest. Stellplätze vor der alten Turnhalle seien durch den vorgegebenen Radius von 150 Metern nicht möglich und verhinderten zudem mögliche Aus- und Umbauten des Gebäudes.

Auch die Ostseite kommt für Fischer nicht in Frage, da sonst die Parkplätze direkt vor den Klassenzimmern der Grundschüler liegen würden. Am Praktikabelsten erscheint den Planern die Nordseite, weil dort ohnehin eine Feuerwehrzufahrt und -aufstellfläche geschaffen werden müsse, erklärt der Isener Bürgermeister.

Für Mittermaier ist die Aktion auf dem Schlittenberg erst der Anfang seines Protests. Beflügelt von der Resonanz sagt er: „Nach diesem Zuspruch von den Isener Bürgern werde ich das Thema, wenn es sein muss, definitiv bis zu einem Bürgerentscheid auf Gemeindeebene treiben.“ Unterschriften hat er schon gesammelt: An die 230 Menschen haben sich für den Erhalt des Schlittenbergs ausgesprochen. 

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