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Kritische Worte: Referent Hermann Hofstetter.

Umweltbeauftragter Hermann Hofstetter

„Mit vielen kleinen Dingen schaffen, was die Politik nicht schafft“

Die Brisanz der Umwelt-Thematik und die Chance der Kirche, hier mit gutem Beispiel voranzugehen, waren Thema eines kurzweiligen und höchst interessanten Vortrags im Isener Pfarrheim.

Isen Am Ende gab es von den zwei Dutzend Zuhörern viel Applaus für den Referenten, den Umweltbeauftragten der Erzdiözese München-Freising, Hermann Hofstetter.

Zunächst ging der Referent auf die weltweite Vernichtung menschlicher Lebensgrundlagen ein, zu der Deutschland einen erheblichen Beitrag leiste. Seit 1970 zeige sich, dass die Biokapazitäten zu Ende gingen, begleitet von einem beispiellosen Artensterben. Der stets zitierte, viel zu große CO2-Fußabdruck sei jedoch nur ein Teil der Problematik, wie Hofstetter mit Nachdruck hinwies. Trotz Pariser Klimaabkommen deute sich an, dass von den beteiligten Staaten nur das geleistet werde, was „politisch durchsetzbar ist“.

Umso bemerkenswerter sei die Position von Papst Franziskus. Mit seiner Enzyklika „Laudato si“ habe er zur ökologischen Umkehr aufgerufen, „mit vereinten Kräften, ohne Rücksicht auf Einzelinteressen“. Der Mensch sei Ursache der ökologischen und sozialen Krise, die nur bekämpft werden könne, indem „die Rhythmen in der Natur“ wieder beachtet würden.

Hierzu hatte Hofstetter viele konkrete Lösungsansätze im Gepäck, die speziell für den Pfarrverband, aber auch für den Privatbereich Gültigkeit hätten. So ließen sich mit einer Umstellung des Speiseplans auf „saisonal und regional“ die Weichen für eine nachhaltige Entwicklung stellen. Dabei könne ein einfacher Jahreskalender schon wertvolle Dienste leisten. Auch beim Bürobedarf, Reinigungsmitteln und Spielzeug gebe es Ressourcen schonende Alternativen zur gängigen Praxis. Mit einer richtig eingestellten Heizung könnten nicht nur der Verbrauch optimiert, sondern auch Kosten gesenkt werden. Wenn möglich, sollte eine Umstellung auf Ökostrom und LED-Beleuchtung erfolgen, wobei auf den „Blauen Engel“ auf der Verpackung zu achten sei.

Gegen Ausflüge habe er an sich nichts einzuwenden, so der Umweltmanager, aber „vielleicht nicht jedes Jahr“. Außerdem gebe es seriöse „Kompensations-Möglichkeiten“, wo je nach Wegstrecke und freigesetztem CO2 mit einem Geldbeitrag zur Wiederaufforstung von gerodetem Urwald beigetragen werde. So könne man „mit vielen kleinen Dingen schaffen, was die Politik nicht schafft“, stellte Hofstetter fest.

In der anschließenden Diskussion beklagten einige Anwesende das Versagen der Politik, was allein in den Sondierungsgesprächen sichtbar geworden sei. „Was bringt es im kleinen Rahmen, wenn es in der großen Politik nicht passt“, meinte einer der Zuhörer. „Schön, dass wenigstens die Kirche mit gutem Beispiel vorangeht“, fasste Hofstetter zusammen.

Albert Zimmerer

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