„Schöne Geschichten mit Tiefgang“ schreibt Christina Schweiger, wie sie sagt. Neben der Dorfchronik von Pemmering und Mittbach hat sie mittlerweile vier Romane veröffentlicht.
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„Schöne Geschichten mit Tiefgang“ schreibt Christina Schweiger, wie sie sagt. Neben der Dorfchronik von Pemmering und Mittbach hat sie mittlerweile vier Romane veröffentlicht.

Der neue Roman „Der getauschte Mann“ von Christa Schweiger spielt im Ersten Weltkrieg

Historischer Roman: Mitgefühl inmitten der Gräuel des Krieges

Der neue Roman „Der getauschte Mann“ von Christa Schweiger spielt im Ersten Weltkrieg.

Pemmering – „Der getauschte Mann“ heißt das neue Buch von Christa Maria Schweiger. Der mittlerweile vierte Roman der Pemmeringer Autorin spielt zwar im Ersten Weltkrieg, behandelt aber mit Menschlichkeit, Solidarität und Empathie Themen, die auch aktuell relevant sind. „Meine Bücher schreibe ich so, wie ich sie gern lesen würde“, sagt Schweiger.

Im Jahr 2013 hatte Schweiger die Chronik „Pemmering und Mittbach. Erinnerungen einer Dorfgemeinschaft“ veröffentlicht. Nach ihrer Romantrilogie aus den Jahren 2011 bis 2015, in der die Protagonistin Sophia auf der Suche nach sich selbst und dem Liebes- und Lebensglück ist, ist sie für ihr neues Buch einen anderen Weg gegangen.

Der junge Ire Aiden Mc Gilles gerät in „Der getauschte Mann“ in die Gräuel des Ersten Weltkriegs und erfährt, dass der vermeintliche Feind auf der anderen Seite des Schützengrabens auch nur ein Mensch mit Gefühlen, Ängsten und Hoffnungen ist. Um das Gute im Menschen sei es ihr in erster Linie gegangen. „Um das Wunder, dass es Menschlichkeit auch zwischen Feinden geben kann“.

Die Idee zum Buch kam ihr auf einer Pilgerreise auf dem Jakobsweg in Spanien. „Ich habe dort Menschen getroffen, die Schreckliches im Krieg im Kosovo oder in Afghanistan erlebt haben“, erzählt sie. Die Wärme, Herzlichkeit und der gegenseitige Respekt dieser Veteranen hätten sie tief berührt und in ihr die Frage aufgeworfen, „wie ein Mensch es schafft, nach den grauenhaften Kriegserlebnissen wieder ins Leben zu kommen“.

Dass sie das Geschehen im Ersten Weltkrieg angesiedelt hat, hängt damit zusammen, dass sie sich schon lange für diese Zeit interessiert. Inspiriert hat Schweiger aber auch der Film „Merry Christmas“, der an Weihnachten 1914 spielt. „Diese Geschichte, dass Menschen, die durch ein gemeinsames Weihnachtsfest verbunden sind und nicht mehr aufeinander schießen können, hat mich sehr beschäftigt“, sagt Schweiger.

Die irische Herkunft der Hauptfigur ihrer Geschichte wiederum hat ihre Wurzeln in Schweigers Liebe zu Irland. Auch wenn die Handlung in einen realen Rahmen eingebunden ist, sei ihr es nicht um historische Genauigkeit gegangen, erklärt die Autorin. Auch die Recherchen seien eher persönlich und emotional motiviert gewesen. „Für mich spielen Orte und ihre Stimmungen eine große Rolle“, sagt sie. So ist sie, weil die Geschichte von der Schlacht an der Somme erzählt, mit Ehemann Josef die gesamte Frontlinie in Belgien und Nordfrankreich abgefahren.

Auch Irland taucht im Roman mit seinen Mythen und Legenden auf. Ein besonderer Glücksfall sei der persönliche Kontakt zu Michael J. Whealan gewesen, einem irischen Autor und Historiker. „Er ist ein wandelndes Lexikon, was den Ersten Weltkrieg betrifft“, schwärmt Schweiger.

Weihnachten an der Front: In ihrem neuen Roman „Der getauschte Mann“ beschreibt sie Mitmenschlichkeit unter verfeindeten Soldaten, inspiriert von Berichten über das Weihnachtsfest 1914. Das Bild zeigt Soldaten in einem deutschen Schützengraben in Ostpreußen beim Versuch, sich gegenseitig durch ein Weihnachtsfest ein wenig Hoffnung zu schenken. 

Vor knapp fünf Jahren hat Schweiger mit dem Buch begonnen. Während des ersten Lockdowns hat sie es fertiggestellt. „Für mich war Corona fast so etwas wie ein Glücksfall“, gesteht sie. Habe ihr die verkürzte Arbeitszeit an der Rezeption im Zehmerhof in Walpertskirchen doch die Zeit gegeben, regelmäßig an dem Buch zu arbeiten.

Schweiger stammt aus dem Nachbarlandkreis Ebersberg. Zum Schreiben fährt die gebürtige Glonnerin in ihr Schreibbüro in Grafing, wo sie den Alltag beiseite legen kann. Dort kann sie abtauchen, in einen Flow geraten, wie sie sagt. „Das Schreiben macht mich glücklich, am Ende des Tages bin ich erfüllt und zufrieden“. Das Büro nutzt die ausgebildete Hospiz- und Trauerbegleiterin auch für ihre ehrenamtliche Arbeit.

Ist das Buch fertig, lesen es Ehemann Josef und Sohn Stefan als Erste. Auf ein professionelles Lektorat verzichtet Schweiger inzwischen. Und auch einem Verlag möchte sie ihr Buch nicht anbieten. „Das wäre zu viel Druck für mich“, gesteht sie. Erschienen ist das Buch deshalb im Selbstverlag und kann über Books on Demand bezogen werden.

Die anfängliche Angst, mit ihren Büchern an die Öffentlichkeit zu gehen, hat Schweiger überwunden. Rückblickend weiß die 55-Jährige, wie wichtig es für ihr Leben war, den Schritt gegangen zu sein. Als Schriftstellerin gehe es ihr weniger um den Erfolg als um ihre Authentizität. „Auch wenn mein Roman nur einem anderen gefällt, er muss für mich selbst in Ordnung sein“, sagt sie selbstbewusst. Dass es mit dem Schreiben für Schweiger weitergeht, ist klar: Aiden Mc Gilles soll die Hauptfigur einer Reihe werden.

Das Buch

Christina Maria Schweiger: „Der getauschte Mann: Aiden McGilles“, Books on Demand, 300 Seiten, Taschenbuch 12 Euro, E-Book 4,99 Euro, ISBN-Nr. 13-978-3752647280.

Anne Huber

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