Besuch in den neuen Räumen: Der Marktgemeinderat, mit Bürgermeister Siegfried Fischer (l.) beim Ortstermin, mit Peter Cronauer (r.) von der Flüchtlingshilfe. Foto: Huber

Flüchtlingshilfe Isen

Neue Räume entspannen die Situation

Bei der Unterstützung und der Integration von Flüchtlingen geht der Markt Isen neue Wege: Seit rund zwei Monaten dienen Räume, die die Kommune der Flüchtlingshilfe zur Verfügung stellt, zum Deutschlernen und sind Anlaufstelle, wenn Anträge ausgefüllt werden müssen.

Isen – Tarik. I. und sein Freund Amir A. nutzen die Dienstagsprechstunde, um ihre Hausaufgaben zu machen. Während sich Amir A. mit der Satzbildung herumschlägt, muss Tarik I. Fragen beantworten, die überprüfen, ob er den Text im Lehrbuch verstanden hat. Nachdem Bettina Riep, die an diesem Nachmittag Dienst hat, die beiden mit Tee, Kaffee und Knabbereien versorgt hat, versucht sie, sich ihren Problemen zu widmen. Weit kommt sie nicht, denn inzwischen ist Juana F. gekommen, die ihre Hilfe beim Ausfüllen eines Antrags braucht. Derweil bekommt Farah Y., der das Berufsintegrationsjahr an der Berufsschule in Erding besucht, im Nebenraum von einem anderen Helfer Einzelnachhilfe. Auch andere Helfer schauen kurz vorbei.

„Seit wir die Räume haben, müssen die Leute zu uns kommen“, sagt Riep. „Das stärkt Eigenverantwortung und Selbstständigkeit der Asylsuchenden“, ist sich die Helferin sicher, die sich seit Dezember 2013, als die ersten Flüchtlinge nach Isen kamen, in der Flüchtlingshilfe engagiert.

„Früher sind wir zum Ausfüllen der Anträge und zum Bearbeiten der Behördenpost in die Unterkünfte gegangen, wo es so etwas wie Privatsphäre nicht gibt“, erläutert Peter Cronauer, Sprecher des Isener Helferkreises, den Mitgliedern des Marktgemeinderates, die an diesem Dienstag die zentral gelegenen Räume besichtigen. Auch die Nachhilfe für die Geflüchteten, die Deutschkurse am Dorfener Zentrum für Integration und Familie (DZIF) oder der Volkshochschule Erding besuchen, fand zum Teil in den Zimmern der Unterkünfte statt. „Unsere Helfer saßen dabei oft auf den Betten, weil sonst kein Platz zum Lernen war“, erinnert sich Cronauer.

Jetzt kann ein heller, großer Raum von den ehrenamtlichen Helfern genutzt werden, um den Unterrichtsstoff zu wiederholen. Auch die tägliche Hausaufgabenbetreuung für Grundschulkinder findet in den neuen Räumlichkeiten statt. „Endlich haben wir genug Platz, damit die Kinder nach den Hausaufgaben auch mal spielen und toben können“, freuen sich die Helfer.

Genug Platz gibt es auch für eine Tanzgruppe und zum gemeinsamen Musizieren. Einmal wöchentlich gehören die Räume den Jüngsten: Dann trifft sich eine Mutter-Kind-Gruppe für Flüchtlings- und – so ist für die Zukunft geplant – andere Frauen zum gemeinsamen Spielen und Sprechen. Bald soll es Internet geben, dann kann endlich auch selbstständig am Computer gelernt werden. „Die Räume machen unsere Arbeit einfacher“, sind die Helfer überzeugt.

Rund 60 Flüchtlinge leben derzeit in sechs Unterkünften in Isen, betreut werden sie von etwa 20 ehrenamtlichen Helfern. Den Bedarf an Unterstützung der Flüchtlinge hat auch der Marktgemeinderat erkannt. Einstimmig sei die Abstimmung im Marktgemeinderat ausgefallen, die Miete und Betriebskosten für die Räume zu übernehmen, sagt Bürgermeister Siegfried Fischer. Da eine weitergehende finanzielle Unterstützung durch die Kommune nicht möglich ist, haben die Helfer die Ausstattung selbst in die Hand genommen. „Spendengelder haben wir keine verwendet“, erklärt Johannes Pfennig, der im Helferkreis für die Finanzen verantwortlich ist. Gebrauchtes und Geliehenes wird durch Zugekauftes ergänzt, das durch Spenden der Helfer und eine zweckgebundene Zuwendungen finanziert wurde. „Ich finde es klasse, dass der Helferkreis das alles selber gestemmt hat“, lobt Fischer. Das Geld für die Räume sei in zweierlei Hinsicht gut angelegt, weiß der Bürgermeister. „Erstens werden die Flüchtlinge nicht sich selbst überlassen, sondern in menschenwürdiger Form an unsere Lebensgewohnheiten herangeführt, und zweitens nimmt der Helferkreis der Gemeinde und der Gemeindeverwaltung eine Menge Arbeit ab“.

Die Räume in der Münchner Straße 16 können am Kreuzmarktsonntag, 1. Mai. in der Zeit von11 bis 15 Uhr besichtigt werden.

Sprechstunden, die allen interessierten Bürgern offenstehen, finden dienstags, 17 bis 19 Uhr, mittwochs, 18 bis 20 Uhr, und freitags 15.30 bis 17 Uhr statt.

Anne Huber

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