Büro und Lager auf dem Beifahrersitz: Patrizia Brambring hat nicht nur wichtige Unterlagen immer dabei, sondern auch Schutzmasken und Handschuhe.
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Büro und Lager auf dem Beifahrersitz: Patrizia Brambring hat nicht nur wichtige Unterlagen immer dabei, sondern auch Schutzmasken und Handschuhe.

Nachbarschaftshilfe Isen-Lengdorf-Pemmering

Brambring verspricht: „Niemand wird allein gelassen“

Corona macht es auch den Helfern schwer.

Isen Wenn es darum geht, für andere Hilfe zu organisieren und selbst anzupacken, steht Patrizia Brambring an vorderster Front. Seit 26 Jahren kümmert sich die Einsatzleiterin der Nachbarschaftshilfe (NBH) Isen-Lengdorf-Pemmering um die Bürger in den Gemeinden, die Unterstützung und Rat brauchen.

Dabei kann sie normalerweise auf einen Stab von etwa 60 freiwilligen Helfern zurückgreifen, die sich im Nachbarschaftstreff, bei Fahrdiensten oder beim Essen-Ausfahren um die Belange ihrer Mitmenschen kümmern. Der Lockdown im März hat Brambring und ihr Team vor völlig neue Herausforderungen gestellt. „Das Virus hat die älteren Leute zur Risikogruppe gemacht“, erzählt die Einsatzleiterin. Beliebte Zusammenkünfte wie der zweimal wöchentlich stattfindende Mittagstisch im „Treff“ in der Bischof-Josef-Straße mussten komplett gestrichen werden. „Seit fast einem halben Jahr hatten wir auch keinen Gedächtnis-Demenznachmittag mehr“, berichtet Brambring. Auch die Betreuungsnachmittage für Pflegebedürftige, deren Angehörige so zwei Stunden Auszeit bekommen, fallen aus.

Um ihre Schützlinge, die zu Hause allein waren, zu unterstützen, musste Brambring neu organisieren. „Die Helfer sind auch meist ältere Leute über 70 Jahre, die zu den Gefährdeten gehören. Meine Aufgabe ist es auch, sie zu schützen“, betont die 58-Jährige. Also kümmerte sie sich ab März zunächst alleine um die kleineren und größeren Sorgen der Mitmenschen. „Es war ja ein massiver Einschnitt für die Betroffenen. Plötzlich durften sie nicht mehr einkaufen gehen, keine Besuche mehr machen oder empfangen. Die persönlichen Kontakte sind von heute auf morgen weggefallen.“

Mit Sorge betrachtet die Fachfrau die Stimmungslage unter den Betreuten: „Durch die Folgen der Einsamkeit und Isolation leiden Gesundheit und Psyche enorm.“ Brambring kommt aus der Krankenpflege und hat zahlreiche Zusatzausbildungen, auch mit psychosozialem Schwerpunkt, absolviert. Einen Teil ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit sieht sie daher nicht nur im Einkaufengehen und Liefern der Lebensmittel, sondern in einer Art Sorgentelefon. Das können am Tag mehrere Stunden sein, die sie in der Leitung hängt. Sie berät, wie etwa beim Ausfüllen von Pflege-Anträgen, oder hört einfach nur zu.

„Manche wissen nicht, wie es weitergeht. Existenzängste, vor allem auch um die Angehörigen, bereiten den Anrufern schlaflose Nächte und scheinen ihnen den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Es kamen auch anfangs Anrufe von Menschen, deren Angehörige schwerstkrank in Krankenhäusern lagen und sie nicht besucht werden durften – keine Umarmung, keine letzten Worte, keine persönliche Verabschiedung. Ich konnte mich gut in die verzweifelten Herzen hineinversetzen.“

Neben dem offenen Ohr bietet Brambring aber auch konkrete Hilfen für Probleme an, indem sie ihr Netzwerk aktiviert. „Manchmal ist schon von Nutzen, dass ich die Leute und ihr Wohnumfeld kenne“, sagt die dreifache Großmutter und erzählt ein Beispiel von einem Pflegebett, das angeliefert werden sollte und bei dem die Betroffenen Angst hatten, dass es nicht durch den Flur passt: „Ich konnte Tipps geben, wie man es transportieren muss.“

Durch den Lockdown wurden auch die Fahrdienste innerhalb des Ortes, etwa zum Arzt oder zur Physiotherapie, wegen der Ansteckungsgefahr fast gegen Null gefahren. Die wenigen notwendigen hat die Einsatzleiterin unter strengen Hygienemaßnahmen selbst erledigt, seit Juli wird sie wieder von Helfern unterstützt.

Dass sie ihr Ehrenamt trotz möglicher Gefahren weiter ausübt, ist für Brambring selbstverständlich. „Gerade in einer Krise ist es wichtig, dass wir unser Herz öffnen, Liebe und Geborgenheit spenden und vermitteln, dass die Betreuten nicht allein gelassen werden und Unterstützung durch die Nachbarschaftshilfe erfahren“, sagt die Lengdorferin.

Ein Trost für sie und die Helfer sei außerdem, dass die bisherigen Mittagstisch-Gäste derzeit auch von Angehörigen und anderen Betreuern gut versorgt werden. „Das ersetzt natürlich nicht die Treffen, das gemeinsame Essen, Lachen und den Austausch“, weiß Brambring.

Henry Dinger

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