Die Jagd im Mittelpunkt: Auch viel Prominenz, darunter Umweltministerin Ulrike Scharf, kam zur öffentlichen Hegeschau nach Isen. Foto: Huber

Öffentliche Hegeschau

860 Rehe bei Unfällen getötet

Isen - Im Landkreis wächst die Zahl der Unfälle mit Rehwild: Ein Viertel aller abgegangenen Rehe starb 2015 auf der Straße. Sorge bereitet Grundbesitzern, Jägern und Behörde auch die wachsende Zahl an Schwarzwild.

Zwar standen Fakten und Zahlen bei der öffentlichen Hegeschau für den Landkreis Erding im Isener Klementsaal im Mittelpunkt. Daneben ging es auch von Arten- bis Verbraucherschutz um ein breites Spektrum an jagdlichen und gesellschaftlichen Themen. Auch heuer wurde die Pflichthegeschau, die darstellen soll, wie es um die Wildsituation im Landkreis bestellt ist, vom Kreisjagdverband im Auftrag des Landratsamtes veranstaltet.

Dabei ging dessen Vorsitzender, Thomas Schreder, unter anderem auf das Problem wildernder Hunde im Landkreis ein. Mit der großen Medienpräsenz der letzten Wochen wolle man „die zum Nachdenken bringen, die uns mit dem Problem freilaufender Hunde konfrontieren“, sagte er. Zum ersten Mal konnte der Kreisjagdchef Umweltministerin Ulrike Scharf begrüßen. „Ohne Sie wäre unsere Heimat ein Stück ärmer“, attestierte Scharf den Jägern. Positiv beurteilte die Ministerin, die wie sie verriet, selbst „Jungjägerin“ ist und ein Gehörn zur Schau beisteuerte, das Projekt „Natur.Vielfalt.Isental.“ Zusammen mit der Wildland Stiftung Bayern sollen im Isental Lebensräume erhalten werden. Die freiwillige Zusammenarbeit, die laut Scharf durch „Freiwilligkeit statt Ordnungsrecht“, gekennzeichnet sei, beschrieb sie als bayerisches Charakteristikum. Erfreulich sei aus Sicht des Verbraucherschutzes, dass die Erdinger Jäger mit ihrer neuen Radio-Cäsium-Messstation auf Lebensmittelsicherheit beim Wildbret setzten.

Auch Landrat Martin Bayerstorfer, der zusammen mit Vizelandrat Jakob Schwimmer zur Hegeschau erschienen war, würdigte die Jäger im Landkreis für deren Handwerk, für das er „eine gute Zukunft“ sah. Für nachhaltige Stille im Saal sorgte das Grußwort von Isens Bürgermeister Siegfried Fischer. Er persiflierte gekonnt den typischen Jäger, der weil er sowohl „im Holz draus“ wie auch zu Hause, „weil do jemand anderer red“, mucksmäuschenstill zu sein habe, bei der Hegeschau umso gesprächiger sei. Fischers Aussage „Es ist offensichtlich nicht möglich, dass ein Jager zehn Minuten staad is und zuhört“, widerlegten die Besucher auch im zweiten öffentlich-rechtlichen Teil. Hier hatten Kreisjagdberater Walter Zwirglmaier, Werner Pirschlinger von der Unteren Jagdbehörde sowie Forstdirektor Stefan Warsönke das Wort.

„Betrüblich“ nannte Pirschlinger die hohe Zahl von 860 Rehen, die Opfer des Verkehrs geworden sind. Wie in den Vorjahren seien die meisten Tiere im Gemeindegebiet von Taufkirchen, das von B 388 und B 15 gequert wird, die wenigsten im Isener Gebiet überfahren worden. Pirschlinger, der sich auch zur körperlichen Verfassung des Wildes („ein besonders guter Jahrgang war das Jahr 2015 nicht“) und zur um 7,5 Prozent unterschritten Abschussquote äußerte, ging ausführlich auf die Schwarzwildpopulation im Landkreis ein. Die Tendenz, dass Wildschweine in immer mehr Revieren des Landkreises zur Strecke gebracht werden, setze sich fort: 174 Tiere waren es im vergangenen Jahr. „Sowohl die Jäger als auch die Landwirte müssen lernen, sich mit der neuen Wildart zu arrangieren“, sagte er.

Jagdliche Ratschläge, die sich an den Lebensgewohnheiten des Wildes orientieren, unterbreitete Kreisjagdberater Zwirglmaier seinen Kollegen. Dass „die Sauen den Landkreis weiter erobern“, hänge mit zwei milden Wintern in Folge, „Nahrung ohne Ende“ und der reich vorhandenen Deckung zusammen. Trotzdem empfahl Zwirglmaier, „nicht auf jeden Schwarzkittel planlos Dampf zu machen“, sondern gemeinsam und revierübergreifend vor allem den weiblichen Streckenanteil zu erhöhen.

Auf die aktuellen Abschusszahlen ging Forstdirektor Warsönke ein. Er betonte, dass die Planung einvernehmlich verlaufen sei. Die Erhöhung um 225 Stück für die Schalenwild-Abschussperiode 2016 bis 2019 bezeichnete er als „verkraftbar“.

Bei der Hegeschau nicht wegzudenken sind die Jagdhornbläser. Für sie war das Verblasen der Strecke fast so etwas wie eine Generalprobe. Im Juni werden nämlich die Bayerischen Meisterschaften der Jagdhornbläser in Erding stattfinden. „Wir rechnen damit, dass unsere Bläser vorne mit dabei sind“, gab sich Kreisjagdverbandschef Schreder zuversichtlich.

Anne Huber

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