Bedarf und Potenzial für eine städtebauliche Entwicklung bietet der Isener St.-Zeno-Platz mit Kirche, alter Raiffeisenbank, Arztpraxis, Apotheke und Brunauer-Haus.
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Bedarf und Potenzial für eine städtebauliche Entwicklung bietet der Isener St.-Zeno-Platz mit Kirche, alter Raiffeisenbank, Arztpraxis, Apotheke und Brunauer-Haus.

Neues Projekt

Isenwerk will die Gemeinde aufmöbeln

Beim Isenwerk ist der Name Programm.

Isen – Denn die aktuell 30 Mitglieder des neuen Vereins wollen nicht nur Ideen sammeln und auf ihre Umsetzbarkeit prüfen – sie wollen für die Entwicklung des Orts aktiv werden.

„Wir sind bereit, Engagement zu zeigen. Wir wollen anpacken und werden dafür im Zweifelsfall auch eine Schaufel in die Hand nehmen“, verspricht Udo Rieger. Der Isener Architekt bildet zusammen mit seiner Berufskollegin Geraldine Frisch den Vorsitz, über den das Isenwerk offiziell verfügen muss.

Die Entwicklung des Ortskerns steht nicht zufällig ganz oben auf der To-do-Liste. Die Belebung des Innenbereichs hatten alle Parteien und Gruppen im Kommunalwahlkampf als dringendes städtebauliches Ziel ins Programm aufgenommen. Damit es nicht nur bei guten Vorsätzen bleibt, hat Isenwerk das Thema aufgegriffen.

Was aus St.-Zeno-Platz und Marktplatz wird, wenn Apotheke und Hausarztpraxis tatsächlich ein Gebäude am Ortsrand beziehen, ist eine der Fragen, die in der Gruppe diskutiert werden. Gespräche führt man über ein Gebäude, das zu einem Bürger- und Kulturhaus mit Repair Café, Coworking Spaces, einem Café ohne Zwang, etwas konsumieren zu müssen, und Platz für Workshops sowie Kultur- und Freiluftveranstaltungen werden könnte.

Niedrigschwellig und breit aufgestellt sollen nicht nur die Workshops sein, auch bei der Kultur will man mit kleinen Angeboten Vielfalt erzeugen. Musik von Klassik bis Jazz, Poetry Slams, Ausstellungen und Lesungen fallen Frisch und Rieger dazu ein. „Wir sind bereit, Engagement zu zeigen, um einen lebendigen, konfessions- und parteilosen Treffpunkt im Ort zu schaffen“, betonen sie ihre Haltung, nicht nur Forderungen stellen zu wollen, sondern mit anzupacken.

Doch Architektin Frisch schwebt für Isens Mitte noch viel mehr vor: Italienische Städte wie Siena kommen ihr in den Sinn, wenn sie sich überlegt, dass sich die Plätze mit einem durchgehenden Pflaster für Fußgänger barrierefrei gestalten ließen und trotzdem eine achtsame gemeinsame Nutzung der Verkehrsteilnehmer möglich machten. Die Belebung und Gestaltung des Ortskerns sei ein ideales Programmziel der Städtebauförderung, sind die Isenwerk-Vorsitzenden überzeugt. Erste sondierende Gespräche hätten mit dem Rathaus bereits stattgefunden.

Gedanken hat man sich beim Isenwerk auch bereits über neue Wohnformen gemacht. „Nicht 08/15“ sollen das alternative Konzept und die architektonische Umsetzung des innovativen Wohnungsbaus sein, der über eine Genossenschaft finanziert und realisiert werden könne. Kritisch sieht man beim Isenwerk die Planung des neuen Baugebiets Ranischberg-Ziegelstadl. In einer ersten Analyse, die im Internet zu finden ist, wurden Punkte herausgearbeitet, die „bedenklich beziehungsweise zumindest gedenkenswert“ erscheinen. Auch die Größe des geplanten Baugebiets, das für 160 Wohneinheiten und 500 Menschen ausgelegt ist, stößt auf Widerstand.

Ein weiteres wichtiges Thema ist für Isenwerk die Gewässerentwicklung. Drei Bereiche wurden ins Visier genommen; die Isen am Bürgerpark, „wo der Wasserstand zeitweise extrem niedrig ist“, der begradigte Teil des Schinderbachs zwischen Wildenmoos und Brücke in der Ziegelstätter Straße sowie die verrohrten Zuläufe. Zusammen mit Landwirten und Grundbesitzern sollen möglichst viele solcher Zuflüsse geöffnet werden. Für ein Pilotprojekt wird deswegen ein Landwirt gesucht, der bereit ist, auf seinem Grund die Renaturierungsmaßnahme durchführen zu lassen. Ortsverschönerungsverein, Fischergilde und Vogelschutzbund sollen bei den Aktionen ins Boot geholt werden. „Alle sind eingeladen mitzumachen“, betonen die Macher des Isenwerks, das für alle Ortsteile der Flächengemeinde da sein will. „Wir können durch die Zusammenarbeit uns gegenseitig befruchten“, sind Frisch und Rieger überzeugt.

Doch nicht nur Wasser als wichtiger Bestandteil der Identität der Marktgemeinde hat man im Sinn. „Werkbeet“ heißt ein Projekt, das im Sinne von „urban gardening“ einen Gemeinschaftsgarten „für Städter auf dem Land“ schaffen möchte. Eine geeignete Fläche sei bereits gefunden.

Doch die Aktiven des Isenwerks haben noch mehr im Hinterkopf: Bürgerliches Engagement im sozialen oder kulturellen Bereich will man mit einem Preis würdigen; Gastkünstlern könnte ein Atelier zur Verfügung gestellt werden.

Problem ist noch die Finanzierung: Zwar könne das avisierte Bürgerhaus über Crowdfunding und möglicherweise Städtebauförderung finanziert werden; alles andere „kostet Geld, das man sich leisten wollen muss“.

Neue Gesichter und Ideen sind den Machern des Isenwerks stets herzlich willkommen. Wer mehr über Konzept, Projekte und Leute erfahren will, wird beim nächsten „Werktisch“ – so die interne Bezeichnung für den Isenwerk-Stammtisch – oder online auf www.isenwerk.de fündig.

Anne Huber

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