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Im Notfall immer einsatzbereit: Daniela Kowalski (l.) mit einem Teil ihres First Responder-Teams, das seit 15 Jahren in Isen aktiv ist. 2650 Patienten wurde bislang geholfen.

First Responder Isen

Seit 15 Jahren die medizinische Feuerwehr

Vor 15 Jahren ist das First Responder-Team der Freiwilligen Feuerwehr Isen zum ersten Mal ausgerückt. Inzwischen hat die Einheit in 2560 Einsätzen Patienten rund um Isen medizinisch erstversorgt.

Von Anne Huber

Isen – „Am Anfang haben wir, wenn wir bei Einsätzen vor der Tür standen, oft zu hören bekommen, was wollt ihr denn hier, ich brauch doch keine Feuerwehr“, erinnert sich die Leiterin des mittlerweile 33 Personen starken First Responder-Teams, Daniela Kowalski. In der Zwischenzeit ist der Bekanntheitsgrad der Sanitäter in der Feuerwehr so sehr gestiegen, dass Anrufer die Rettungsleitstelle, explizit darum bitten, die First Responder zu schicken. Dabei braucht das Team nicht extra angefordert zu werden; die speziell ausgebildeten Feuerwehrleute werden bei Notfällen automatisch vom Disponenten der Leitstelle benachrichtigt.

Dank der kurzen Entfernungen sitzen sie nicht nur nach drei bis vier Minuten im Einsatzfahrzeug, sondern sind in sieben bis acht Minuten beim Patienten. Die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes nützen die First Responder, um Erstversorgung zu leisten und, wenn nötig, lebensrettende Sofortmaßnahmen einzuleiten. Auch wichtig: Sehen die First Responder, dass sich der Zustand des Patienten verschlechtert hat, fordern sie, sofern kein Notarzt verständigt wurde, über die Leitstelle einen Arzt an.

Doch nicht nur unter medizinischem Aspekt leisten die Ersthelfer wichtige Arbeit. „Für viele Menschen ist es gut zu wissen, dass jemand da ist, dass sie nicht mehr allein in der Notsituation sind“, weiß Kowalski aus Erfahrung. Auch wenn die Einsätze oft belastend seien, etwa wenn man es mit schweren Unfällen von Kindern oder Suiziden zu tun habe, konnten die Helfer den Stress bislang immer selbst verarbeiten. „Unsere Leute wissen aber, dass es die Peers gibt, die bei Bedarf psychosoziale Hilfe leisten“, sagt Kowalski.

Für Bernhard Schex, der wie Kowalski von Anfang an bei der Isenern First Respondern dabei ist, hat die gute Stressbewältigung damit zu tun, dass das Team wisse, dass es zu Situationen gerufen wird, bei denen es um menschliches Leid und schwere Schicksalsschläge geht. „Wir sind darauf vorbereitet, Sachen zu sehen, die man normalerweise im Alltag nicht zu sehen bekommt“, erklärt Schex. Statistisch gesehen müssen die First Responder, von denen fünf von der Feuerwehr Westach und zwei von Mittbach kommen, bei inzwischen rund 170 im Jahr Einsätzen jeden zweiten Tag ausrücken. Doch die Realität sieht so aus, dass es auch mehrere Einsätze an einem Tag gibt. „Es kommt vor, dass man gerade heimgekommen oder eingeschlafen ist, wenn der nächste Alarm kommt“, erzählt Kowalski. Dennoch sind sie und ihre Kollegen auch nach 15 Jahren noch mit Leib und Seele dabei; insgesamt sind von 18 Feuerwehrleuten, die 2002 angefangen haben, noch zehn bei den Helfern aktiv. Besonders freut es Kowalski, dass viele junge Leute den zeitintensiven First Responder-Dienst nicht scheuen. Dazu kommt, dass nach der Feuerwehrgrundausbildung, der sogenannten modularen Truppausbildung, rund 80 Ausbildungsstunden absolviert werden müssen. Auch regelmäßige Fortbildungen und die obligatorischen Reanimationsübungen gehören für die First Responder zum Alltag.

Dankbar ist die Freiwillige Feuerwehr noch immer der Isener Bevölkerung. Deren Spenden und ein Griff in die Kasse des Feuerwehrvereins machten es möglich, die nötige Ausrüstung anzuschaffen und im Juni 2002 ein spezielles Einsatzfahrzeug in Betrieb zu nehmen. Seitdem ist Florian Isen 10/1, wie der Funkname des Fiat Dolbo heißt, regelmäßig zu Notfällen unterwegs. Seien es Verkehrsunfälle, Herzinfarkte oder Bienenstiche. 15 Jahre Erfolgsgeschichte zeigen, dass das ursprüngliche Ziel, das therapiefreie Intervall zwischen Alarmierung und dem Eintreffen ausgebildeter Sanitäter zu verkürzen, erreicht wurde.

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