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Mutige Brandbekämpfer: Diese Gruppenaufnahme der Isener Feuerwehrmänner stammt von etwa 1880. Wesentlicher Teil der damaligen Schutzausrüstung waren Helme. F

Feuerwehr feiert Jubiläum

Seit 150 Jahren Kampf dem Roten Hahn

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Die Isener Feuerwehr feiert Jubiläum. Seit 150 Jahren setzten sich Männer und Frauen für die Sicherheit der Bürger ein.

Isen „Wenn am 30. Juni unser Jubiläum stattfindet, ist die Isener Feuerwehr genau 150 Jahre und einen Tag alt“, ist sich Bernhard Schex sicher, „denn als Gründungstag wird offiziell der 29. Juni 1869 herangezogen“. Verschiedenen Quellen sei allerdings zu entnehmen, dass es wohl im Mai 1869 schon zu Vorversammlungen gekommen war, in denen die Gründung vorbereitet wurde.

Schex kennt sich in der Geschichte der Isener Feuerwehr bestens aus. In den vergangenen Monaten hat er sich durch Berge von Papieren, Belegen und Berichten gearbeitet, um eine aktuelle Chronik zu erstellen. Oft hat ihn sein Vater unterstützt, wenn es darum ging, die altdeutsche Schrift zu entziffern. Geholfen haben neben vielen anderen auch Heimatpfleger Franz Wenhardt, besonders beim Aufspüren von Notizen oder gar bei der Wiederbeschaffung der ersten Chronik aus dem Jahr 1914. Sie galt als verschollen.

Gerade ist das neue Werk beim Buchbinder. Zum Jubiläum, zu dem es am Volksfestsonntag, 30. Juni, ab 10 Uhr in Isen einen großen Gottesdienst geben wird, soll die 150 Seiten umfassende Chronik dann präsentiert werden.

Unterhaltsam erzählt sie die Geschichte der Wehr, angefangen von den ersten Brandschutz- und -bekämpfungsmaßnahmen der Isener in den Jahrhunderten vor der Gründung. Mehrmals wurde die Marktgemeinde von Bränden heimgesucht, wenn der „Rote Hahn krähte“, wie es im Mittelalter hieß, also ein Feuer ausbrach. Da die meisten Häuser aus Holz gebaut waren, griffen Funken und Flammen schnell auf die Gebäude in der Nachbarschaft über. So brannten ganze Straßenzüge nieder. Lederne Wassereimer, mit denen die Bürger im Notfall mit einer Wasserkette einfache Spritzen befüllen sollten, mussten jeder Isener vorhalten.

Im Jahr 1858 sollte eine 600 Gulden teure Feuerspritze gekauft werden. Dafür gab es 200 Gulden – sozusagen als Fördermittel – vom König dazu, 200 Gulden hätten die Nachbarn Tonbach, Mittbach und Westach beisteuern sollen. So steht es in den Unterlagen. Die wollten aber nicht, da eine Spritze aufgrund des Wassermangels ohnehin keinen Sinn machen würde und die Häuser zudem so weit auseinander liegen, dass ein Brand nicht übergreifen könne. Also wurde der Kauf abgeblasen. „Gemeindeübergreifende Investitionen waren also zu allen Zeiten ein kritisches Thema“, lautet der trockene Kommentar dazu in der neuen Chronik.

40 „beherzte junge Männer“ gründeten am 29. Juni 1869 „den Verein der freiwilligen Feuerwehr“, zu dem auch eine „Turnschule zur Durchführung von Turnübungen und Fußexercitien“ gehörte. Man wollte sich schließlich körperlich ertüchtigen. Zunächst war Tierarzt Georg Rebay Vorsitzender und Kommandant, im Frühjahr 1870 zog er allerdings wegen einer neuen Arbeitsstelle weg. So übernahm den Posten Xaver Haggenmiller. Dieser wiederum heiratete und zog im Herbst 1870 nach Erding, sodass Zeno Heilmaier seinen Posten übernahm – und ihn mehr als vier Jahrzehnte behielt. Erst 1914 gab er ihn an seinen Sohn ab. Da dieser allerdings in den Ersten Weltkrieg musste, stand Zeno Heilmaier auch von 1915 bis 1919 – insgesamt also etwa 48 Jahre – an der Spitze der Isener Wehr.

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Minutiös listet die Chronik auch die Höhepunkte der Wehr auf, wie die Anschaffung einer Saug- und Druckspritze im Jahr 1877, den Kauf der heute noch erhaltenen Schubleiter 1896 oder schwere Brände, zu denen zweifelsohne mehrere Feuer in der Ziegelei Meindl gehörten. Während des Zweiten Weltkrieges mussten die Isener Kameraden bis nach München ausrücken. Dank der selbst in Krisenzeiten hervorragend funktionierenden Bürokratie erfahren die Leser aus der Chronik, dass der längste Einsatz 72 Stunden gedauert hat und der Polizeipräsident dafür 32,40 Reichsmark an den Markt Isen überwies.

Nach dem Krieg waren die Einweihung des Feuerwehrhauses hinter dem Rathaus 1963 und schließlich der Umzug ins derzeitige Haus 1989 ebenso wichtige Meilensteine wie die Gründung der Jugendfeuerwehr 1994. Sie feiert heuer zusammen mit den Aktiven ihr 25. Gründungsjubiläum.

Bei der Feuerwehr Isen leisten heute 57 Männer und neun Frauen aktiven Dienst, die Jugendfeuerwehr besteht aus zwölf Mädchen und neun Jungen. Kommandant ist seit dem Jahr 2000 Andreas Maier, Vorsitzender seit 1997 Bernhard Schex. Er hatte die Aufgabe als Student übernommen. Seit 2002 gibt es ein First-Responder-Team, dem derzeit 34 Kameraden angehören und das seit 2014 Daniela Kowalski leitet.

Das Heimatmuseum Isen zeigt eine Sonderausstellung zu 150 Jahren Feuerwehr (wir berichteten), die ebenfalls Interessantes aus der wechselhaften Geschichte erzählt. Nochmal richtig groß gefeiert wird dann am 19. und 20. Juli beim in diesem Jahr zweitägigen Feuerwehrfest.

Festprogramm

Am Sonntag, 30. Juni, werden die Vereine ab 8 Uhr empfangen und es gibt ein Weißwurstfrühstück im Isener Festzelt. Um 9.30 Uhr formiert sich der Kirchenzug zum Marktplatz. Dort werden um 10 Uhr der Festgottesdienst gefeiert und Grußworte gesprochen. Dann geht’s zurück ins Festzelt zum gemeinsamen Mittagessen. Um 13 Uhr werden die Erinnerungsgeschenke verteilt.

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