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Die strengen Wachen (v. r.) Rainer Annuscheit und Bernhard Thalhammer führen Lilly (Rebecca Nicolai) ab. Der Sekretär (Sylvia Drasch) ist entsetzt, und Meister Theobald (l.) ahnt schon etwas.

Theaterverein Isen

Die wilde Prinzessin zeigt Zivilcourage

Mit einer aufwendigen Vorstellung begeistert derzeit der Isener Theaterverein. Das Märchen „Die Prinzessin auf der Erbse“ bringen die Mimen in einer eigenen Version auf die Bühne.

Isen – Mit einer modernen Version des Andersen-Märchens „Die Prinzessin auf der Erbse“ bezaubert der Isener Theaterverein derzeit große und kleine Zuschauer.

Nein, wie eine Prinzessin sieht sie nicht aus, diese Lilly. Kein Wunder, dass ihr die Räuber nicht glauben. Und auch im Schloss, in dem sie hofft, Hilfe zu finden, stößt sie mit ihrer Behauptung, königlicher Abstammung zu sein, auf taube Ohren. Nur einer erkennt sie: Zauberer Theobald, der an einem Schnupfen leidet und Probleme hat, einen wichtigen Zaubertrank zuzubereiten.

So weit die Geschichte vom Original entfernt ist – lediglich eine Erbse spielt hier wie dort die entscheidende Rolle – so sehr ist das Kernthema in der Version von Andersen erhalten geblieben: Was ist wahr, und was ist falsch? Eine fein gekleidete Prinzessin, die lediglich an der Frage interessiert ist, ob die Wasserhähne im Schloss aus Gold sind, das ist den Kindern im Publikum sofort klar, ist keine wahre Prinzessin. Ein zerzaustes Mädchen, das sich für andere einsetzt und nicht davor zurückschreckt, dem König die Meinung zu sagen, ist es dagegen, auch wenn die Äußerlichkeiten dagegen sprechen. Gott sei Dank merkt das auch der Prinz, sodass dem klassischem Ende nichts mehr im Weg steht.

Trotz der gewichtigen Themen wie Geschlechterrollen und Rollenklischee, Empathie und Zivilcourage kommt das Stück leicht daher. Das liegt zum einen an den Darstellern, die mit viel Freude bei der Sache sind. Zum anderen an der Regie, die den ernsten Themen, um das Stück nicht zu überfrachten, klare Charaktere entgegengesetzt hat.

Rebecca Nicolai hat keine Schwierigkeit, der empathischen Lilly das nötige Auftreten zu verleihen. Auf ihre Spielerfahrung können Sylvia Drasch als arroganter Sekretär, ein nicht minder überheblicher Franz Drasch (Kompliment an die Maske) als König und Norbert Wiefarn als Hofzauberer Theobald bauen. Wiefarn wirkt in seiner Rolle so sympathisch, dass ihm sofort auch die Zuneigung des Publikums gehört.

Neu im Ensemble sind Finn-Arne (Prinz Lucas) und Svea-Marie Fehmer (Joshi). Keinen leichten Part hat Finn-Arne Fehmer, überzeugt aber durch vornehme Zurückhaltung. Sympathieträger ist Diener Joshi, der, halb Zebra halb Junge, Opfer des ignoranten Königs ist. Ein schönes Debüt war die Vorstellung für Svea-Marie Fehmer, die von der Maske gekonnt verwandelt wurde.

Dass es auch etwas zu lachen gab, ist Susanne Fehmer als Kindermädchen zu verdanken. Dass ihre Prinzessin in einem „Gemüseschloss“ wohnen wird, kann sie kaum fassen. Schön ist das wohl durchdachte Bühnenbild, das den Zuschauer vom Nebel durchwaberten Wald in das Schloss und die Zauberkammer entführt. Kleinigkeiten, wie der grün schillernde Zauberkessel oder der quietschende Truhendeckel, runden Bühnenbild und Inszenierung (Martina Nicolai und Barbara Wimmer) ab.

In weiteren Rollen

Eva Brenninger, Raphaela Nicolai, Christina Wimmer, Rainer Annuscheit und Bernhard Thalhammer. Hinter der Bühne: Linda Rehm (Souffleuse), Karo Zacherl (Requisite), Sybille Brenninger (Beleuchtung), James Riedl, Christian Rehm (Ton), Marlene Angermaier, Bianca Hamal (Maske), Felicitas Finauer, Dorit Höhn und Sieglinde Drasch.

Weitere Vorstellungen

gibt es am Samstag, 2. Dezember, um 15 Uhr und am Sonntag, 3. Dezember, um 14 Uhr und 16.30 Uhr im Klementsaal in Isen.

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