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Auf Luthers Spuren: Theologe Reinold Härtel (r.) blickte auf das Leben des Reformators zurück.

Vortrag zu 500 Jahre Reformation

„Thesenanschlag ist, wie wenn heute Trump twittert“

Wer kennt ihn nicht aus dem Schulunterricht, den Thesenanschlag Martin Luthers in Wittenberg, der die Reformation einläutete? Im Isener Pfarrheim wurde noch einmal zurückgeblickt.

Isen Der katholische Theologe Reinold Härtel, im Hauptberuf Lehrer für Religion und Latein, nahm den 500. Jahrestag der Reformation zum Anlass für einen kurzweiligen und informativen Vortrag im Pfarrheim.

Der 44-jährige Isener ging dabei auch auf Hintergründe und Zeitumstände ein. Zum prägenden Ereignis wurde für Martin Luther kurz nach seiner Priesterweihe der Rom-Aufenthalt 1511. Hier war gerade der Bau des Petersdoms im Gang, und die immensen Kosten hatten den Ablasshandel in Schwung gebracht. „Die Münze im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt“, hieß damals der Slogan und machte aus dem im Grunde konservativen Luther, der seine Wurzeln im soliden Mittelstand hatte, zum Kirchen-Kritiker. Sein Protest gipfelte im Thesenanschlag, mit dem Luther am Tag vor Allerheiligen 1517 in 95 Punkten prägnant die Missstände ansprach. „Das war so, wie wenn Trump heute twittert“, zog Härtel augenzwinkernd Parallelen.

Hinzu kam, dass sich mit der Erfindung des Buchdrucks, was vergleichbar sei mit der Erfindung des Internets, die Thesen rasend schnell in ganz Europa verbreiteten. Die Reaktion der Kirche ließ nicht lange auf sich warten. 1521 wurde Luther exkommuniziert und für vogelfrei erklärt. Doch man hatte die Rechnung ohne die Bevölkerung gemacht. „Die Zeit war reif für Veränderungen“, erläuterte Härtel. Und so fand der „Ketzer“ Asyl auf der Wartburg, wo er die Bibel ins Deutsche übersetzte. Das Besondere dabei war, dass er „dem Volk aufs Maul schaute“. Zum Dilemma für den Protestantismus habe der Bauernkrieg geführt, sagte Härtel, als sich Luther auf die Seite der Fürsten stellte. Die Hinwendung zur weltlichen Obrigkeit sei ein Grundzug bis heute geblieben.

Auch auf die „Versorgung evangelischen Lebens“ in der Marktgemeinde ging Härtel ein, wo Isen der Pfarrei Haag angehört. Schon 1919 habe Major Klapp aus Burgrain regelmäßig evangelische Pfarrer mit seiner Kutsche nach Isen geholt, weit bevor 1952 das Vikariat Haag entstand.

Zur möglichen Vereinigung der beiden christlichen Konfessionen im Rahmen der Ökumene gebe es verschiedene Modelle, ergänzte Härtel am Ende. Doch dürfte sich eine solche weit schwieriger gestalten als eine Jamaika-Koalition, obwohl man sich in zentralen Fragen einig sei.

Albert Zimmerer

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