Spätberufener für das Priesteramt: Diakon Tobias Prinzhorn in der Pemmeringer Filialkirche St. Margaretha. Am 26. Juni feiert der 37-Jährige in seiner Heimatpfarrei Primiz. Foto: Anne Huber

Tobias Prinzhorns späte Primiz

Wenn der Herrgott mehrmals anklopft

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Schon als er Jugendlicher war, klopfte Gott bei ihm an. Doch geöffnet hat (sich) Tobias Prinzhorn dem Schöpfer erst Jahrzehnte später. Am 26. Juni wird der Diakon in seiner Heimatpfarrei zum Priester geweiht. Mit seinen 37 Jahren ist der Pemmeringer Spätberufener für das Priesteramt.

Pemmering – Seine Berufung zum Priesteramt hat Prinzhorn nicht „wie ein Blitz aus heiterem Himmel“ getroffen. Den ersten Kontakt zur Kirche bekommt der Pemmeringer als Bub – er wird in seiner Pfarrei Ministrant. Im Alter von zwölf Jahren spricht ihn der Pfarrer an, ob er sich denn vorstellen könne, Priester zu werden. Prinzhorn misst dem zunächst keine größere Bedeutung bei. Doch in den Folgejahren muss er an die Frage des Pfarrers immer wieder denken. Doch er schiebt die Gedanken daran immer wieder beiseite.

Prinzhorn absolviert bei BMW in München erst einmal eine Lehre zum Industriemechaniker. Sein Weg in ein ganz normales Leben scheint jetzt vorgezeichnet. Währen da nicht diese Gedanken an ein geistliches Leben, die immer wieder einmal zurückkehren. Als Prinzhorn als junger Mann dann ein Mädchen kennenlernt, scheint das Thema „Priester werden“ für ihn endgültig erledigt. Doch es kommt anders: Im Alter von 26 Jahren wird wieder „richtig akut“, erinnert sich der 37-Jährige. Aber wieder entscheidet sich Prinzhorn gegen die Priesterlaufbahn und besucht stattdessen die Meisterschule. Doch auch dort kreisen die Gedanken immer wieder darum, Priester zu werden. Nach dem Abschluss der Meisterschule sucht Prinzhorn dann doch das Gespräch mit dem Leiter des Priesterseminars in München. Von diesem wird er 2009 schließlich in einen Vorkurs – das Propädeutikum – nach Passau geschickt. Dort erfährt der Pemmeringer eine Einführung in das geistliche Leben und die Liturgie der Kirche. Hier fällt Prinzhorn aus tiefem Glauben heraus auch seine endgültige Entscheidung, Priester werden zu wollen. Er studiert Theologie und wird 2015 zum Diakon geweiht

Der Glaube gewinnt wieder an Bedeutung

Der Glaube, davon ist Prinzhorn überzeugt, gewinnt gerade in den derzeit weltpolitisch schwierigen Zeiten wieder an Bedeutung. Vor allem Jugendliche seien „für den Glauben sehr zugänglich“. Allerdings bedeute dies nicht automatisch, dass sich wieder mehr Menschen der Kirche zuwenden würden. Dass es Gott gibt, daran lässt Prinzhorn keinen Zweifel aufkommen. „Ich habe mich bisher in meinem Leben immer geleitet gefühlt.“

Doch als großer Missionar in der Kirche sieht sich Prinzhorn in der Zukunft nicht. Er will das Evangelium verkünden und „für die Menschen einfach da sein, vor allem in schwierigen Lebenslagen, wenn sie mich brauchen“. Der Geistliche will überzeugen, „dass es einen Herrgott gibt und dass man sich an den immer wenden kann. Egal, ob es einem schlecht oder gut geht.“ Als Seelsorger will Prinzhorn für alle da sein, ob gläubig oder nicht. Vor allem mit Jugendlichen und Senioren sieht sich Prinzhorn verbunden.

In der Kirche sieht sich der künftige Priester durchaus auf einer Linie mit Papst Franziskus. Auch wenn er einräumt, ein großer Fan von Johannes Paul II. zu sein. Bei Franziskus beeindruckt ihn vor allem der Ausspruch des Pontifex, „Geht an die Ränder“. Selbst bescheiden leben und nah bei den Menschen sein, das ist es, was auch Prinzhorn gefällt.

Die Kirche muss eine Einheit bleiben

Weiteren Reform der Kirche will sich Prinzhorn nicht in den Weg stellen. Dabei dürfe aber nicht übersehen werden, dass es traditionelle Überlieferungen gebe, an denen viele Leute hängen würden. „Man darf nicht alles über Bord werfen.“ Deshalb dürften das „bewahrende Element und das progressiv fortschreitende“ nicht gegeneinander ausgespielt werden. Die Kirche müsse auf dem Weg in die Zukunft eine Einheit bleiben, dürfe nicht gespalten werden. Und die Kirche dürfe, ja müsse sich durchaus auch kritisch äußern, wenn es ein Sachverhalt verlange. Wenn es etwa um die Bewahrung der Schöpfung gehe, dann darf nach Ansicht von Prinzhorn ein Geistlicher durchaus auch politisch werden. Als Beispiel nennt er da den Isener Pfarrer und Kreisdekan Josef Kriechbaumer und dessen Kampf gegen die A 94. Kriechbaumer hatte sich standhaft geweigert, Kirchengrund für die Autobahn zu verkaufen. Die Kirchenstiftung wurde daraufhin enteignet.

Dass sein neues Leben als Priester das Verhältnis zu Familie, Freunden und Bekannten verändern wird, glaubt Prinzhorn nicht. „Gaudi haben, mit Leuten Freude haben, das geht weiter. Als Priester soll man ja da sein, wo die Leute sind.“ Wie überhaupt das Verhältnis zu den Menschen, mit denen Prinzhorn groß geworden ist, unverändert ist. Der Freundeskreis, in dem auch Atheisten sind, habe seine Entscheidung für das Priesteramt durchwegs positiv gesehen. Niemand habe ihm davon abgeraten. „Meine Eltern waren zwar anfangs über meine Entscheidung, Priester zu werden, etwas überrascht, haben mich dann aber auf meinem Weg bestärkt.“

Italienische Küche und Schnitzel

Prinzhorns Hobbys sind Wanderungen in den Bergen und Radfahren. Der 37-Jährige ist auch Sammler mit einer eher ungewöhnlichen Leidenschaft – er begeistert sich für Kronkorken jeglicher Art. Wenn es ums Essen geht, mag Prinzhorn vor allem italienische Küche und „Schnitzel mit Pommes“. In seiner Freizeit liest der 37-Jährige viel. Vor allem theologische Bücher und Krimis begeistern ihn. Er mag es auch gerne, sich mit Familie und Freunden zu treffen oder zu telefonieren.

Seiner Primiz in seinem Heimatdorf Pemmering sieht Prinzhorn mit großer Freude entgegen. Alle in der Pfarrei St. Margaretha bereiten sich auf die Priesterweihe vor, freuen sich darauf. Welch Engagement dabei an den Tag gelegt wird, das nötigt dem Primizianten großen Respekt ab. Am Tag vor der Primiz wird der Pemmeringer im Freisinger Dom zum Priester geweiht.

Nach seiner Priesterweihe geht Prinzhorn als Kaplan nach Partenkirchen. Dort hat er schon 2012 bei Pfarrer Rudolf Scherer ein Praktikum gemacht. Auf seinen neuen Wirkungskreis als Priester freut er sich schon heute. Denn dort ist er wieder den Bergen. Die mag Prinzhorn besonders gern. Denn in der Natur fühlt er sich Gott besonders nah.

Anton Renner

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