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Sorgen sich wegen der Afrikanischen Schweinepest: Alexander Schmid (stehend), rechts daneben (sitzend) Karl Löw und Klaus Ottis (4. v. l.).

Afrikanische Schweinepest

Wenn das Wurstbrot zur Gefahr wird

Die Afrikanische Schweinepest rückt näher. „Es ist keine Frage, ob der Erreger zu uns kommt, sondern wann er kommt“, sagte Dr. Karl Löw bei einer Informationsveranstaltung in Isen.

Von Anne Huber

Isen – Nachdem im Juni in der Tschechischen Republik die Tierseuche bei Wildschweinen ausgebrochen ist, haben die Veterinärmediziner des Landratsamtes einen Informationsabend für Landwirte und Jäger veranstaltet. Dr. Karl Löw stellte im Klementsaal in Isen zusammen mit seinem Kollegen Dr. Alexander Schmid unter anderem Symptome der Krankheit sowie vorbeugende Hygiene- und Schutzmaßnahmen vor.

Überträger der hochansteckenden Afrikanischen Schweinepest (ASP) an der nur Haus- und Wildschweine erkranken – Menschen können sich nicht anstecken – wird der Mensch sein. „Bereits ein unachtsam entsorgtes Wurstbrot kann ausreichen, um die Seuche einzuschleppen“, sagten die Experten. Denn das Virus bleibt in nicht gegarten Schweineprodukten wie zum Beispiel Salami über längere Zeit aktiv. Wildschweine könnten sich anstecken, wenn sie solche Essensreste fressen, die auf Raststätten und Parkplätzen in die Natur geworfen werden. Doch auch die Einschleppung durch kontaminierte Autoreifen von Transportfahrzeugen sei durchaus vorstellbar. Gelinge es dem hochvirulenten Virus in Haustierbestände einzudringen, komme es zu „einem großen Krisenszenario“, so die Veterinäre. Dazu gehören unter anderem die Beschilderung des Seuchengebietes, Sperrbezirke und Beobachtungsgebiet, Beschränkung des Personen- und Fahrverkehrs und die Tötung des gesamten Bestandes.

Fleischexport droht Zusammenbruch

Doch das Auftreten der Afrikanischen Schweinepest habe noch viel weitreichendere Konsequenzen: sie kann den Zusammenbruch des Exports von Schweinefleisch bedeuten, sagten die Experten. Derzeit geht knapp die Hälfte der 5,9 Millionen Tonnen, die in Deutschland jährlich produziert werden, vor allem nach Italien und China. „Wenn Deutschland seinen Status als ASP frei verliert, kann es sein, dass der Export nach China erst nach drei Jahren wieder möglich ist“, befürchtete Löw.

Den Landwirten rieten die Referenten, die Biosicherheitsmaßnahmen genau einzuhalten. Dazu gehören beispielsweise Zäune um Schweinehaltungsbetriebe, um das Risiko der Einschleppung der Seuche durch erkrankte Wildschweine zu minimieren. Auch Schädlingsbekämpfung und strenge Tier- und Betriebshygiene, wie Desinfektion der Laderampen sind im Maßnahmenkatalog enthalten. „Einschleppung verhindern, Ausbreitung unterbinden, Seuche erkennen und Dokumentation“ schlugen die Tiermediziner den Leitfaden für Landwirte vor.

Gefragt sei aber auch die Mitarbeit der Jäger. Dazu sollten die Jäger Hygienemaßnahmen bei der Jagd streng einhalten. „Die schärfere Bejagung des Schwarzwildes ist das Gebot der Stunde“, ging Klaus Ottis, der beim Kreisjagdverband für das Schweinepest-Monitoring verantwortlich ist, noch einen Schritt weiter. Die Schweinepest-Monitoring-Verordnung, die bereits 2016 erlassen wurde, sieht vor, bei erlegten und verendet aufgefundenen Tieren Proben zu entnehmen und den Behörden zukommen zu lassen. Bei Fallwild, also tot aufgefundenen Tieren, müsse auf jeden Fall eine Tupferprobe genommen werden und der Fundort angegeben werden, sagte Ottis. Bewahrheite sich der Verdacht auf ASP bei Wildschweinen, sollen spezielle Vorschriften, die in abgeschwächter Form für Sperrbezirk, Pufferzone und gefährdete Bezirke gelten, verhindern, dass die Seuche den festgelegten Korridor verlässt. Ottis sprach sich zusätzlich für ein Verbot des Jagdtourismus in Länder aus, in denen das Virus bereits aufgetreten ist. Derzeit grassiert die ASP in Polen, Estland, Lettland, Litauen, Moldawien, Ukraine, Weißrussland, Tschechische Republik und Sardinien.

Landrat Martin Bayerstorfer und Thomas Schreder, Kreischef der Erdinger Jäger, plädierten für die enge Zusammenarbeit von Landwirten, Jägern und Behörden. Welche Modalitäten im Ernstfall für die Jagd auf Schwarzwild gelten werden, konnten Landrat und Vorsit-

zender des Jagdverbandes nicht beantworten. Über den Einsatz von Nachtsichtgeräten, künstliche Lichtquellen oder die Genehmigung von

Gebot der Stunde: Risikominimierung

Fangeinrichtungen werde das Innenministerium im Seuchenfall entscheiden. Dass im Krisenfall eine deutschlandweite Lösung angestrebt werden müsse, steht dabei für den Landrat fest. Derzeit, so appellierten die Redner an Landwirte, Jäger und Bevölkerung, gelte es, Risikominimierung zu betreiben. Nicht dass auch einem „achtlos weggeworfenen Wurstbrot ein Riesenproblem“ wird.

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