Lebensgefahr! Heute nicht an Isar aufhalten - selbst wenn es nicht regnet

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Da ist der Wurm drin: Rudi Barth mit Regenwürmern, die für die Belüftung des Bodes wichtig sind. 

Weg von Spritzmitteln

Wie Regenwürmer Bauern Freude machen

Eggen und Striegeln statt Pflügen und Spritzen: Wie konservierende Bodenbearbeitung auch im konventionellen Landbau funktioniert, hat Öko-Landwirt Rudi Barth auf dem Hof von Martin Kern in Isen gezeigt.

Von Anne Huber

Isen – Rund 30 Landwirte nutzten den Praxistag, der im Rahmen des landwirtschaftlichen Arbeitskreises unter der Leitung von Josef Alkofer stattfand, um sich über boden- und wasserschonende Methoden der Wiesenpflege und des Maisanbaus zu informieren. Im Fokus standen dabei Präzisionsstriegel und -egge der Firma Treffler aus Pöttmes bei Augsburg. Der Familienbetrieb entwickelt und fertigt seit zehn Jahren Landmaschinen. Waren die Kunden zunächst Biolandwirte, werden Egge, Striegel und Grubber inzwischen zunehmend auch in der „normalen“ Landwirtschaft genutzt.

„Martin Kern ist seiner Zeit voraus“, sagte Öko-Bauer Barth über seinen Kollegen aus der konventionellen Landwirtschaft, der die Maschinen seit Kurzem im Einsatz hat. Kern habe erkannt, dass man „weg muss von den vielen Spritzmitteln“ und von zu schwerem Maschineneinsatz. Doch der Praxistag war mehr als eine Werbeveranstaltung, Barth hatte auch viele Tipps und Hintergrundwissen für die Teilnehmer parat.

Seinen ersten Rat gab er auf der grünen Wiese: Unkräuter im Grünland sollen bekämpft werden, wenn sie noch klein sind. Selbst bei der Gemeinen Rispe, die sich vor allem auf Mehrschnittwiesen breit macht und wertvolle Futtergräser verdrängt, führe der frühe Einsatz des Wiesenstriegels zu guten Erfolgen. Den Spaten setzte Barth auf der Wiese hinter Kerns Anwesen an, um das zu zeigen, was unbedingt zu einem guten Boden gehört: die Regenwurm-Biomasse. Im schwammigen Boden der an das Landschaftsschutzgebiet grenzenden Wiese, ist – das zeigte die Erdprobe – tüchtig der Wurm drin. Darunter auch der Tauwurm, der als sogenannter Tiefgräber stabile vertikale Röhren schafft. Diese sind nicht nur für die Belüftung des Bodens, sondern auch für Entwässerung wichtig. Denn nur wenn Luft im Boden ist, kann er Wasser aufnehmen. Zudem sorgen die von den Regenwürmern geschaffenen Bodenkrümel für Erosionsschutz. „Bei einem Spatenstich ohne Wurm bin ich traurig“, erklärte Barth. „Wir müssen nicht darüber nachdenken, ob bei Passau ein Regenrückhaltebecken gebaut werden soll, wir müssen das Wasser dort halten, wo es fällt“, sagte er.

Weil zu intensive Bodenbearbeitung zur Verdichtung des Bodens führt, riet er, vor jedem Maschineneinsatz die Frage nach dem Warum zu stellen. „Mach ich es vielleicht nur, weil der Nachbar auch gerade auf dem Feld ist“, sagte er und empfahl statt Nachahmung selbstbestimmtes Handeln.

Mais ist besser als sein Ruf

Zur zweiten Demonstration ging es auf das Maisfeld. Nach der Ernte des Körnermaises baut Kern Leguminosen an. Die Zwischenfrucht sorgt nicht nur für eine gute Bodenstruktur und ein reiches Bodenleben, die organische Masse wirkt auch gegen Verschlämmung. Bearbeitet wird der Boden nur mit der Präzisionsegge, die daneben auch zum Einarbeiten der Gülle oder zum Ausbringen der Zwischensaat dient.

Eine Lanze für den in die öffentliche Kritik geratenen Maisanbau brach Johann Überacker, Wasserberater vom Fachzentrum Agrarökologie am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (ELF) in Pfaffenhofen. Wie sein Kollege Anton Mitterer vom AELF Erding brachte er zusätzliche Aspekte in den Vortrag Barths ein. Mais, so der Wasserberater, produziere im Juli und August den meisten Sauerstoff und besitze gemeinsam mit der Zuckerrübe die höchste Bindung von Kohlendioxid. Und die Zwischenfrucht stelle für Bienen und Schmetterlinge ein wichtiges Nahrungsangebot dar. Mais nicht schlechter machen als er ist, riet auch Ökobauer Barth.

Thematisiert wurde auch das Gülleproblem: Einige Teilnehmer verwahrten sich gegen den Vorwurf, die Landwirtschaft sei in erster Linie für die Nitratbelastung des Trinkwassers verantwortlich. Immerhin kann – in richtiger Dosierung und zum richtigen Zeitpunkt ausgebracht – Gülle im Zusammenspiel mit Gründüngung auch für Regenwürmer nützlich sein.

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