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Seit 25 Jahren Gemeindearbeiter: Zeno Linderer pflegt die Friedhöfe in Isen.  

Gemeindearbeiter Zeno Linderer

Zwischen Lebenden und Toten

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Seit einem Vierteljahrhundert ist Zeno Linderer als Gemeindearbeiter im Isener Bauhof beschäftigt. Seine wichtigste Aufgabe: Die Friedhöfe zu pflegen und Gräber auszuheben.

Isen – Viele der älteren Isener kennen ihn, und er kennt sie. Und wenn nicht, so werden doch die meisten einmal mit seiner Arbeit zu tun haben. Zeno Linderer ist seit 25 Jahren der Totengräber der Marktgemeinde. Genauer gesagt, seit dem 1. Januar 1994, als er eine Stelle als Gemeindearbeiter in Isen antrat – mit dem Schwerpunkt Friedhof. „Ich musste mir das damals sehr lange überlegen“, erzählt der heute 60-Jährige. Aber die Chance war einmalig, in seiner Heimatgemeinde einen Job zu bekommen.

Entscheidung fiel beim Bier

Eigentlich ist er Metaller, hat bei Rodenstock in München Dreher gelernt und dort 19 Jahre gearbeitet. „Zufällig habe ich erfahren, dass die Abteilung aufgelöst werden soll. Und zufällig hat die Gemeindeverwaltung Isen jemanden gesucht.“ Schließlich hat er sich doch entschieden – und nach ein paar Wochen beinahe wieder hingeschmissen. Es war eine Beerdigung, „und ich wollte einfach nicht mehr“. Mit einem Kollegen hat er dann lange beim Bier zusammengesessen und ist dann doch geblieben. Zeno erzählt von seiner Arbeit, die früher nicht nur den 1972 eröffneten Gemeindefriedhof Isen umfasste, er war auch in Mittbach, Weiher und Pemmering aktiv. Burgrain gehört bis heute dazu, „da kann man aber den Bagger nicht immer einsetzen, also muss da manchmal mit der Hand geschaufelt werden“.

Schon 1100 Gräber ausgehoben

Etwa 1100 Gräber, für Urnen oder Särge, schätzte Linderer, hat er bis heute ausgehoben, im Schnitt eins pro Woche, 50 im Jahr. Das geht nicht immer leicht, besonders im Gemeindefriedhof ist der Boden lehmig und schwer. Zu zweit und mit Bagger dauert es zweieinhalb bis drei Stunden, bis das Grab bereit ist. Wenn der Boden allzu fest ist, müssen sie auch schon mal mit dem Wackerhammer ran. Die Männer beginnen mit dem Kopfbereich, graben danach den Fußteil und setzen dann einen Steg und eine Schalung, damit die Wände nicht einstürzen. Dann wird die Öffnung zunächst abgedeckt. Würden er und sein Kollege nur mit der Schaufel arbeiten, würden etwa sechs Stunden vergehen, bis ein Sarg passt. „Zum Glück arbeiten wir nicht mehr viel mit der Hand“, erzählt Linderer. Ohnehin seien etwa die Hälfte Urnenbestattungen.

Zeno ist seit 36 Jahren verheiratet, er ist Vater zweier Söhne und einer Tochter, alle sind erwachsen. Auch eine Enkelin gibt es. Wenn er insgesamt seine Arbeit auch gut wegsteckt, „ist Kindergräber auszuheben für mich schlimm“. Ebenso schlimm, wenn er die Erde für gute Freunde vorbereiten muss. Natürlich hat Linderer auch noch viele andere Aufgaben, er mäht zum Beispiel das Gras auf dem Gemeindefriedhof. „Dafür brauche ich meist zwei Tage“, erzählt Zeno. Der Gemeindefriedhof ist ihm ans Herz gewachsen, hier hatte er mit der Erweiterung viel zu tun, die im vergangenen Jahr abschlossen wurde. Vor allem das große Metallkreuz gefalle ihm sehr gut. Die Linderers haben hier auch ihr Familiengrab, Zenos Vater wurde bereits 1975 bestattet, die Mutter 2005.

Wohlfühlen in Isen

Hat seine Arbeit auch viel mit den Toten zu tun, ist Zeno Linderer auch sehr gern unter den Lebenden. Er möge seinen Job in Isen wirklich gern, sagt er, er komme mit den Kollegen sehr gut aus, lebe in einer „super Nachbarschaft“ und habe hier gute Freunde, die auch hin und wieder gemeinsam verreisen. Seine Leidenschaft ist Motorradfahren, den Führerschein dafür hat er erst im Alter von 47 Jahren gemacht. „Ich hatte erst einen kleinen Roller, dann wollte ich einen Chopper“, lacht Linderer. Heute hat er eine 600er Honda. Wenn das Wetter passt, unternimmt er mit seiner Frau Rosemarie Tagestouren von drei- bis vierhundert Kilometern – gerne nach Tirol oder in die Fränkische Schweiz. Fünf Jahre muss er noch arbeiten – „und dann geht’s es wohl viel öfter auf Tour“.

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