Trassenwahl: Die SPD-Landtagsabgeordneten Bernhard Roos und Martin Güll mit Stadträtin Michaela Meister und Ortschefin Simone Jell sowie dem Bundestagsabgeordneten Ewald Schurer am Dorfener Schwammerl. Foto: Weingartner

Isentalautobahn: Es gibt keine freien Gelder zum Weiterbau

Dorfen - Beim Thema Verkehr ist man in Dorfen schnell bei der A 94. Die wird in „homöopathischen Dosen gebaut“, sagte der SPD-Landsabgeordnete Bernhard Roos beim Besuch der Dorfener Genossen.

Bei einer Infoveranstaltung am Mittwochabend zur Verkehrssituation in Dorfen empfing die SPD-Ortsgruppe hochrangigen Besuch mit dem Bundestagsabgeordneten Ewald Schurer und den Landtagsmitgliedern Martin Güll und Bernhard Roos. Die hatten sich mit der Ortsvorsitzenden Simone Jell und Stadträtin Michaela Meister am Schwammerl Ortskenntnis zur A 94, Bahnstrecke und geplanter Ortsumgehung verschafft.

Längst scheint die Finanzierung der A 94 nicht so sicher, wie aus CSU-Kreisen immer öfter zu hören ist. Es gebe keine „freien Mittel“ aus den Investitionsgeldern des Bundes für den Fernstraßenbau, sagte Roos, Mitglied im Landtagsausschuss für Wirtschaft und Verkehr. Der größte Teil gehe in Unterhalts- und Erhaltungsmaßnahmen. Eine Lösung des A 94-Teilstücks Pastetten bis Heldenstein hielt Roos „auf der B 12 bei der Tektonik für billiger“. Zum Bautempo sagte er, in Niederbayern werde die A 94 stückchenweise in „homöopathischen Dosen gebaut“.

Kastulus Grundner aus Lappach, sprach „massive Probleme“ im Bereich der Hanglagen im Isental an, die zu erwarten seien. Er habe mit „den Leuten“ gesprochen, die derzeit im Raum Dorfen Bohrung für eine genaue Bodenuntersuchung machen. „Die bohren 30 Meter tief, da kommt nur Dreck raus“. Da würden die Kosten wohl explodieren, aber das spiele für Autobahnplaner ja „keine Rolle“.

Gerichtlich konnte man diese Trasse nicht verhindern, räumte Stadtrat Heiner Müller-Ermann ein. Was den Gegnern der Isental-Autobahn aber Mut macht ist die unsichere Finanzierung und deutlich höhere Kosten bei schlechtem Untergrund. Das würde die Bauzeit empfindlich verzögern und vielleicht doch noch zum umdenken führen. „wer glaubt, 2018 ist die A 94 bis Ampfing fertig, ist ein Traumtänzer“, sagte Müller-Ermann in Richtung Unternehmen im Chemiedreieck. Die forderten „zu Recht eine sichere und schnelle Straßenverbindung“. wer die haben wolle, müsse dringend auf die B 12 umschwenken“.

Auch bei schwachen Finanzmitteln könnte dort Stück für Stück gebaut und sofort unter Verkehr genommen werden, erklärte der SPD-Stadtrat. Das sei bei der A 94 über Dorfen nicht möglich. „Wenn ich Chef von wacker-Chemie wäre, würde ich auf die B 12 gehen“ und als Autobahn ausbauen. Das sei „schneller und billiger“. Zeit zum Umplanen sei noch. „So lange die Bagger nicht da sind, haben wir die verdammte Pflicht den größten Unsinn seit dem Turmbau zu Babel aufzuhalten“.

Die A 94 sei „ein Prestigeobjekt der bayerischen CSU-Regierung“, pflichtete Schurer bei. Aber auch die rot-grüne Bundesregierung (1998) und die bayerische SPD haben sich „schwer getan“, räumt er ein. Der Appell, jetzt bei einer veränderten ökonomischen Situation umzudenken, sei „nachvollziehbar“. Eine Kurswende könne aber nur die CSU-Landesregierung einleiten. Die Intervention einiger betroffener Bürgermeister in Berlin „hat nix gebracht“, so Schurer.

Schurer versprach noch im April beim Vorstand der Wacker-Chemie „Wirtschaftslobbyismus“ zu betreiben und die neue Situation zu erklären. Auch bei der Autobahndirektion Südbayern will der Abgeordnete wegen des Bauuntergrunds und möglicher Kostenexplosionen vorstellig werden. (prä)

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