Isenwehr wird für Fische zur Todesfalle

Dorfen - Die Hitze setzt den Fischen im Tosbecken direkt unterhalb des neuen Dorfener B 15-Isenwehr im Flutkanal arg zu. Dort schwimmen sie in einer Falle und drohen wegen Sauerstoffmangels zu ersticken, wenn nicht bald Frischwasser aus der Isen zugeführt wird.

Einige Fische sind bereits verendet, da es aus dem Becken kein Entrinnen gibt. Bei Hochwasser steigen die Fische bis zum Tosbecken des Wehrs auf. Der Weg zu tieferen Gewässern flussabwärts ist nach der Flut abgeschnitten, weil der Kanal wieder trocken liegt.

Der Kanal ist für Weisfische ein Laichgewässer mit europäischem Schutzrang, erklärte der städtische Verwaltungsleiter Andras Hartl auf Nachfrage unserer Zeitung. Früher sei dort immer ausreichend Wasser durch das alte Wehr geflossen, da dieses nicht mehr ganz dicht war. Mit dem Wehrneubau ist damit Schluss. Inzwischen ist der Kanal wegen Wassermangel auch stark veralgt, was zu Geruchsbelästigungen der Anlieger führe und kein schönes Ortsbild abgebe, so Hartl.

Jetzt soll eine Restwassermenge die Ökologie im Flutkanal zwischen Wehr und Vilstalradlweg-Brücke endlich wieder verbessern, hofft Hartl. Die Stadt bemühe sich bereits seit der Fertigstellung des neuen Isen-Wehrs im Herbst 2007 um einen Wasserabschlag aus der Isen in den Flutkanal. Ein Überlaufrohr sei auf Drängen der Stadt bereits eingebaut worden. Bei Verhandlungen vor Pfingsten sei ein Konsens mit allen Beteiligten für das Problem gefunden worden. Vor allem mit den beiden Mühlen- und Triebwerksbetreibern an der Isen östlich von Dorfen, Urban und Brandlhuber, habe sich die Stadt über die Wasserrechte vorerst mündlich einigen können, sagte Hartl.

Nach mehreren Gesprächen hätten sich die Betreiber der Wasserkraftanlagen jetzt bereit erklärt, dass eine Restwassermenge von 100 Liter pro Sekunde aus der Isen in den Flutkanal abgeleitet werden darf. Die Mühlenbetreiber besäßen ein Wasserrecht, das ihnen eine nicht genau definierte Wassermenge für ihre Mühlen zusichere.

Der Kompromiss soll nun als Versuch ein Jahr lang laufen und die Auswirkungen auf Ökologie und Wasserverlusten bei den Triebswerkbesitzern beobachtet werden, sagte Hartl. Derzeit warte die Stadt noch auf die schriftliche Antwort der Triebwerksbesitzer, in der unter anderem die Entschädigung für die fehlende Wassermenge festgesetzt sei. Entschädigt werde nur während der Versuchszeit. Weil sich das EU-Recht in Bezug auf die Fischdurchlässigkeit an Wasserkraftwerken im Herbst ändern werde, soll in einem Jahr die neue Situation verhandelt werden. Geplant sei langfristig eine Fischaufstiegshilfe auf Kosten der Stadt, wenn man sich mit den Triebswerkbetriebern einige.

Willi Urban sagte auf Nachfrage unserer Zeitung, dass es nicht an den Triebwerkbesitzern läge, dass das Restwasser noch nicht fließe. Die Stadt sollte längst ein Schreiben ihrer Rechtsvertreter vorliegen haben, das sich wegen Pfingsten verzögert hane. Sie hätten auf einen Teil ihrer Wassermenge zugunsten von Umweltschutz und Ökologie verzichtet. Aufgrund der mündlichen Zusage könnte das Restwasser aber schon fließen.

Auch Marianne Glanzer vom Wasserwirtschaftsamt München sagte unserer Zeitung, dass aus Sicht der Behörde das Restwasser längst fließen könnte. Man sei aber über den Stand der aktuellen Verhandlungen nicht informiert. Bei der Wassermenge von 100 Liter pro Sekunde seien vermutlich keine technischen Änderungen am Überlaufrohr nötig. Den Schieber könnte auch die Stadt öffnen. Auch das Landratsamt hat keine Bedenken, wie Pressesprecherin Christina Centners mitteilte.

Bleibt zu hoffen, dass bei offenbar geklärter Sachlage die Fische den mühsamen Informationsaustausch der Beteiligten überleben. Hartl kündigte an, jetzt schnell handeln zu wollen. (prä)

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