Historische Aufnahme: der Festgottesdienst zur Einweihung der Erlöserkirche in Klettham im Juli 1963. Foto: fkn

50 Jahre Erlöserkirche Erding: Ein Kirchenschiff steht Kopf

Erding - Auf den ersten Blick sieht sie aus wie ein auf dem Kopf stehendes Schiff. Keine Frage, architektonisch ist sie eine Besonderheit - die Erlöserkirche in Klettham. Heuer wird das Gotteshaus der evangelisch-lutherischen Gemeinde Erding 50 Jahre alt.

Die Erlöserkirche in Klettham ist ein Spiegelbild der rasanten Entwicklung Erdings in den vergangenen Jahrzehnten. Der Fliegerhorst ging von den US-Streitkräften an die gerade einmal zwei Jahre alte Bundeswehr über. Über Nacht hatte die Stadt einen neuen größten Arbeitgeber. In den Nachfolgejahren zogen viele Familien nach Erding - auch evangelische.

1960 reifte in der evangelischen Gemeinde der Plan, auf diesen Zuzug mit dem Bau einer neuen Kirche zu reagieren. Der Bund sicherte seine Unterstützung zu. Errichtet wurde das Gotteshaus aber nicht in der Nähe des Militärflughafens, sondern dort, wo Erding seinerzeit am schnellsten wuchs: in Klettham. Zugleich wurde die Christuskirche an der Dr.-Henkel-Straße entlastet.

Für Architekt Hans-Busso von Busse muss es eine besondere Herausforderung gewesen sein, eine Kirche zu konzipieren, die sich in gut in das dicht besiedelte Wohngebiet einfügt. In den Erinnerungen des 2009 verstorbenen Planers heißt es, er erinnere sich lebhaft an den Tag der Einweihung im Juli 1963. „Ich empfand damals eine erlösende Freude, und ich war heilfroh darüber, dass alles zu einem guten Abschluss gekommen war.“ Von Busse waren die vielen Zweifel in der Bevölkerung aufgrund der ungewöhnlichen Konstruktion nicht entgangen.

Maßgeblich am Projekt beteiligt war von Busses Mitarbeiter Roland Büch. In aktuellen Gemeindebrief wird er interviewt und erinnert sich daran, dass es so gut wie „keine Vorgaben seitens des Kirchenvorstands gab“. Die Herausforderung sei eine andere gewesen: „das Grundstück an der Friedrichstraße, das sehr schmal ist und zwischen zwei Straßen liegt“. Lange Mauern schirmen das Gebäude von den Straßen ab, zur Kirche geht es über einen Vorplatz. Bei der Kirche selbst, berichtet Büch, habe er bewusst auf den Zeltcharakter gesetzt - unten Mauerwerk, oben Holz. Auf diese Balkenkonstruktion, gibt Büch im Interview zu, sei er bis heute besonders stolz.

Auch von innen ist die Erlöserkirche, die als eines der wenigen evangelischen Gotteshäuser unter Denkmalschutz steht, eine Besonderheit. Charakteristisch ist ihr Holzbalkengefüge. Sechs kreuzförmig einander zugeordnete konstruktive Joche überspannen das Mauerwerk.

Erster Pfarrer in der Erlöserkirche war Hans Haberer, in Erding tätig von 1959 bis 1967. In der Gegenwart obliegt die Seelsorge den Pfarrern Daniel Tenberg und Martin Schwenk (beide seit 2004), Andrea Oechslen (seit 2008) und Bernd Reichert (seit 2010). Kantoren waren seither Karl Doll, Traudl Köglsperger und seit 2012 Carmen Jauch.

Heute verfügt die Gemeinde über drei Gotteshäuser: Christus-, Erlöser- und Auferstehungskirche. Der Neubau in Altenerding war nach dem Abriss des bestehenden Gemeindezentrums erst im Herbst 2012 durch Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler eingeweiht worden.

Das Festprogramm: Am Freitag, 12. Juli, findet ein Stadtspaziergang durch das evangelische Erding statt. Treffpunkt ist um 18 Uhr am Rathaus, Ende gegen 21 Uhr an der Erlöserkirche. Am Samstag, 13. Juli, ist von 21 bis 0 Uhr Kirchennacht - ein Zauber aus Musik, Tanz, Farben und Feuer. Am Sonntag, 14. Juli, wird ab 10.30 Uhr der Festgottesdienst gefeiert, in dem Pfarrerin Verena Übler aus München predigt. Parallel dazu ist Kindergottesdienst. Ein Gemeindefest mit Rahmenprogramm schließt sich an.

(Hans Moritz)

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