Urgesteine der Wasentegernbacher Trachtenkapelle: Vorsitzender Gerhard Mayer (l.) und Kapellmeister Rudi Ernst (r.) ehrten (ab 2. v. l.) Baptist „Babist“ Rampl, Sepp Stehbeck und Hermann Kerschbaumer. Foto: Weingartner

90 Jahre Trachtenkapelle Wasentegernbach: Eine große Familie mit drei Urgesteinen

Wasentegernbach - Neun Jahrzehnte ist die Trachtenkapelle Wasentegernbach fester Bestandteil des Wasentegernbacher Trachtenvereins Almenrausch. Mit einem schönen und gelungenen Festabend am Freitag und Samstag feierte der Verein das runde Jubiläum im zwei Mal randvollen Trachtenheim.

Das Publikum war bunt gemischt, lokale Politprominenz, die Dorfbewohner, Gäste aus der Stadt und natürlich Abordnungen der vielen befreundeten Trachtenvereine gaben sich die Ehre. Durch das recht kurzweilige Musikprogramm führte Kapellmeister Rudi Ernst. Er erklärte die einzelnen Stücke, die die ganze Bandbreite bodenständiger Volksmusik aufzeigten, die auf moderne Einflüsse ganz verzichtet. Der wunderbare Musikabend mit heimatlichen Klängen endete mit dem Vivat Lucerna-Marsch und viel Beifall vom Publikum.

Höhepunkt war die Würdigung von drei besonders verdienten und langjährigen Mitgliedern der Trachtenkapelle. Ernst erklärte: „Wenn a Musi so oid werd, braucht’s über Generationen Leut, die das Ganze am Leben hoitn. Nur so konn ma so a lange Zeit überwinden.“ Jung und Alt würden im Verein zusammenhelfen, und „dass mia heut so beieinander san, is da Beweis, dass es bei uns funktioniert“.

Ernst und Vorsitzender Gerhard Mayer ehrten die drei Urgesteine der Trachtenkapelle: Josef Stehbeck, Johann Baptist Rampl und Hermann Kerschbaumer. Sie sprachen Dank und Anerkennung aus sowie „ein herzliches Vergelt’s Gott für die treue, zuverlässige und vorbildliche Mitwirkung bei der Trachtenkapelle“.

Stehbeck war über 60 Jahre in der Kapelle dabei, berichtete Ernst. Trotz Familie, eigenem Betrieb und Ehrenämtern habe er immer Zeit gehabt zum Musikspielen. Rampl hatte erstmals beim Weihnachtstheater 1949 mit knapp 15 Jahren mitgespielt und ist seit über 65 Jahren dabei. Trotz seiner 80 Jahre habe er eine Ausdauer und einen „schönen Ton mit seinem Hörndl, dass grod a Freud is“. Jahrzehntelang habe er das wichtige erste Tenorhorn gespielt und sei eine „wichtige Säule der Blaskapelle“ gewesen, zudem viele Jahre Vereinskassier. Kerschbaumer spielte erstmals 1959 beim Leonhardi-Umritt in Kienraching mit. 56 Jahre ist er dabei und spielte mit seiner Es-Klarinette „bei unzähligen Veranstaltungen“. Dazu war er jahrelang Theatersouffleur und hatte das Amt des Kapellleiters 31 Jahre inne, von 1978 bis 2009. Kerschbauer habe mit seinem Engagement „ganz wesentlich zum Erhalt der Trachtenmusik beigetragen“. Er war auch maßgeblich für die Erstellung der neuen Chronik verantwortlich.

Lob für die Wasentegernbacher und ihre Musikkapelle gab es von Bürgermeister Heinz Grundner. Der Stadtchef ist seit 32 Jahren selbst Mitglied im Trachtenverein. Er betonte, dass sich trotz des Wandels die Kapelle „ihren eigenen Charakter und Stil bewahrt“ habe. Seit ihrem Bestehen habe sich die Trachtenkapelle zu „einer wichtigen Säule in der Kultur- und Brauchtumspflege in der Region entwickelt“ und sei weit über die Grenzen Dorfens bis hinein ins Oberland und in den Chiemgau bekannt. Die wohl älteste noch aktive Musikkapelle im Stadtgebiet habe es in all den Jahren immer wieder geschafft, auch junge Menschen für ihre Ziele zu begeistern und zum Mitmachen zu motivieren.

Landrat Martin Bayerstorfer hob hervor, dass der Trachtenverein eine Heimat und „Fundament“ für die Leute sei. Die Wertevermittlung bei den Trachtlern sei heute besonders wichtig, gerade für junge Menschen.

Hermann Weingartner

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