Jazz Tage in Hippie-WG geboren

Erding - Mut, Enthusiasmus und findige Förderer brachten die Jazz Tage Erding auf den Weg. Keimzelle des außergewöhnlichen Festivals war eine Musiker-Wohngemeinschaft in den 70er Jahren.

Im Publikum bei den Jazz Tagen Erding sitzen in diesen Jahren Herren im Dreiteiler neben Damen im Abendkleid, und für kommunale Amts- und Würdenträger ist ein Besuch des Festivals beinahe ein Muss. In der Pause wird Prosecco gereicht, erlesene Häppchen gibt es auch. Die Anfänge der Erdinger Jazz Tage vor über 30 Jahren waren jedoch weitaus weniger gediegen.

Die Keimzelle des mittlerweile im Kulturkalender der Herzogstadt fest etablierten Musikfestivals ist eine Wohngemeinschaft in Altenerding. Junge Männer hausen hier Ende der 70er Jahre, lassen ihr Haar lang über die Schultern wallen und schlafen bis in den späten Vormittag hinein. Die alles in allem etwas verwegen wirkenden Männer genießen in der beschaulichen Nachbarschaft nicht den besten Ruf. Regelmäßig wird in der Wohngemeinschaftsküche bis in die frühen Morgenstunden hinein gefeiert, nicht selten sind junge Frauen mit dabei.

Vor allem aber ist es laut. In dem Haus gehen junge Musiker ein und aus. Einer von ihnen ist der Pianist Max Neissendorfer. Der damals 21-Jährige ist gebürtiger Münchner und war wegen der geringen Miete nach Erding gezogen. Hier hat er mit ein paar Freunden die berüchtigte Wohngemeinschaft gegründet.

Das Kopfschütteln der Nachbarn, die Beschwerden über zu laute Musik: Mit einem Mal ändert sich alles. Die angesehene Deutsche Phono-Akademie zeichnet Neissendorfer und seine Band EMPS-Trio mit dem Jazz-Award aus. Neissendorfer, der Bassist Peter Christl und der Schlagzeuger Sunk Pöschl stehen über Nacht im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Es folgen Fernsehauftritte und Interviews. Boulevardzeitungen interessieren sich für das EMPS-Trio, und auch die Lokalpresse wird auf die Musiker aufmerksam.

Das Ansehen der drei in der Nachbarschaft verbessert sich schlagartig. „Plötzlich haben uns die Leute was zum Essen vorbeigebracht, und wenn irgenwo wer eine Kapelle gebraucht hat, haben sie uns geholt", erzählte Neissendorfer vor sechs Jahren in einem Zeitungsinterview zum 25. Jubiläum der Jazz Tage Erding. Bei einem Bandtreffen war es dann so weit: „Vor lauter Enthusiasmus sind wir auch auf die Idee mit dem Jazz-Festival gekommen“, sagte Neissendorfer.

Wie es im Anschluss gelang, Freunde und Gönner aufzutun, die Entscheidung für die Jazz Tage durch den Stadtrat zu bringen und die Kommune als Veranstalter zu gewinnen, daran erinnert sich heute keiner mehr so genau. Aber die Zeiten hatten sich geändert, die drei Musiker vom EMPS-Trio waren plötzlich wer, deren Namen man kannte. Neissendorfer genoss den Respekt der Erdinger. Und er hatte mit dem Journalisten Winfried Schindler und der damaligen Kulturreferentin Ingrid Sollanek engagierte Fürsprecher zur Seite. (ujk)

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