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Bei guter Gesundheit: Karoline Beschetznik (2. v. r.) mit ihren Nichten Hilde Hilbert und Gerlinde Wagner sowie Oberbürgermeister Max Gotz hochleben (v. l.). 

Jubilarin Karolina Beschetznik 

Mit 100 zu Fuß in den zweiten Stock

Karoline Beschetznik feierte im Kreis ihrer Familie ihren 100. Geburtstag. 

Erding/RappoltskirchenIm Kreise ihrer Nichten und Neffen sowie deren Kindern feierte Karolina Beschetznik im Heiliggeist-Stift in Erding ihren 100. Geburtstag. „Meine Eltern waren Mesner in Rappoltskirchen und wir hatten einen Bauernhof. 16 Kinder erblickten das Licht der Welt, davon haben 14 überlebt“, erinnert sich die Jubilarin an ihre ersten Jahre in der Mesnerfamilie Eberl. Als eine der Älteren musste sie nach der Schule bei der Feldarbeit mithelfen und stand oft hinter Pferd und Pflug.

Von ihrer ersten großen Liebe bekam sie eine Tochter, der Mann ist jedoch im Krieg gefallen, ohne das Kind je gesehen zu haben. Tochter Irmgard wuchs zunächst bei den Eltern des Vaters auf. Später heiratete die junge Karolina Hans Beschetznik, der auch Tochter Irmgard liebevoll zugetan war. Viele Jahre wohnte die Jubilarin an der Langen Zeile, bevor sie in ein Mietshaus im zweiten Stock „Am Stadtpark“ zog.

40 Jahre lang, bis ins hohe Alter von 95 Jahren, hat sie dort die Hausmeisterei gemacht, hat im Sommer Laub gerecht, im Winter Schnee geschaufelt und wöchentlich die Treppe geputzt. Bereits 1985 verstarb Ehemann Hans Beschetznik. Von ihren vielen Geschwistern sind fast alle verstorben, nur noch eine Schwester lebt im Altenheim in Wartenberg. Jede Woche fährt sie mit ihrem Sohn ins Heiliggeist-Stift um Karolina zu besuchen.

„Ich hatte auch zwei Schwestern, die ins Kloster gegangen sind“ erzählt Karolina Beschetznik. Legendär sind die Erzählungen in der Familie, dass die Jubilarin mit der Isetta ihres Mannes ständig zwischen Erding und dem Kloster Schönbrunn bei Dachau hin und her pendelte, um Kleidung und Verpflegung zu ihren Schwestern zu bringen. Auch so manches „gute Tröpfchen“ wurde mitgeliefert, ebenso Weihnachtsplatzerl und Süßigkeiten zu Ostern oder Geburtstagen.

Mit Schwester und Schwager war die Jubilarin früher oft mit dem Schiff unterwegs, ob auf hoher See oder auf dem Fluss. „Sie war immer sehr hilfsbereit und humorvoll, deswegen sind viele Freundschaften bis heute erhalten geblieben, und deshalb bekommt sie viel Besuch“, berichtet Neffe Herbert. Karolina Beschetznik wird von ihren vielen Nichten und Neffen verwöhnt, sie besuchen die rüstige alte Dame häufig und auch die Jubilarin schaut oft bei Neffe Herbert vorbei, der in der Nähe wohnt.

Für ihre 100 Jahre ist Karolina Beschetznik topfit. Wenn der Lift ausfällt, geht sie über die Treppe zu Fuß in ihr Zimmer im zweiten Obergeschoss. „Mit dem Hören und dem Sehen wird es immer schwieriger, und auch das Gedächtnis lässt langsam nach“, bedauert die Jubilarin. Das war auch der Grund, weshalb sie vor einem Jahr ins Heiliggeist-Stift gezogen ist. Hier genießt sie ihren Lebensabend und lässt sich verwöhnen. 

 Elvi Reichert

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