Justyn Tyme lässt den Groove der alte Zeiten aufleben

Erding - Es fühlte sich fast wie in alten Erdinger Jazztagen an: Die Schiaßn war gut gefüllt, mit erkennbar sachkundigem Publikum, die Stimmung war entspannt, schließlich stand eine Band auf der Bühne mit Rang und Namen in der Szene - „Justyn Tyme“ aus München.

Sie spielen schon seit 24 Jahren zusammen, jene fünf Musiker, jeder ein absoluter Könner auf seinem Instrument: Thomas Maier als Frontmann mit Tenor- und Sopransaxophon sowie anderen exotischen Geräten, Markus Rösch an Piano und Keyboard, Thomas Gätjens, der den Bass zupft, sowie Andreas Hauer am Schlagzeug und Uwe Braun mit einem reichen Angebot an Percussion. Nur einer fehlte, „wegen Zahnwehs“ (Maier): der zweite Saxophonist Bernd Detzel. Aber auch zu Fünft - übrigens zum ersten Mal in der Schiaßn - legten sie los, zeigten den Zuhörern, was sie unter „Groove-Jazz“ verstehen: speziellen phantasievollen und spielerischen Umgang mit Musikstilen, die aber alle basieren auf einem rhythmischen Grundmuster und ihre Wurzeln im Afro-amerikanischen haben. Und noch eine Besonderheit bietet Justyn Tyme - alle ihre Stücke sind von Mitgliedern der Band selbst geschrieben. Etwa „Funky Time“, gleich zum Start, das unmissverständlich zeigt, in welche Richtung dieser Abend musikalisch gehen würde: mitreißend im Tempo, schnell abwechselnd in der Instrumenten-Solo-Folge.

In „Pingo“, das im Rhythmus etwas an Tango erinnert, lieferten sich Andreas Hauer und Uwe Braun an ihren Schlagzeugen ein spannendes Duell, wurden dann von Thomas Maier mit dem Saxophon wieder eingefangen. Der groß gewachsene Musiker, der am Gymnasium Starnberg eine Schulband leitet, überraschte mit einem weiteren Gerät, dem aus Brasilien stammenden Berimbau, einem langen Rohr, an dem sich im unteren Teil eine Art hölzerne Kugel befindet, entlockte er Urwald-Klänge. Doch nur mit viel Phantasie konnten die Zuhörer hier den Titel „Fußball“ heraushören. Weil er „als Kind mit den Namen Karl Valentin und Liesl Karlstadt immer durcheinander kam“, schrieb Maier auch das Stück „Karl und Liesl“, angeblich direkt am Stachus, der auch noch Karlsplatz heißt. Zwar suchte das Publikum bei den dazugehörenden Groove-Klängen vergeblich einen Zusammenhang zum Titel, aber schon allein die Geschichte zum Song lohnte das Lauschen. So hat jedes ihrer Stücke eine ganz eigene Story, und sie haben es im Laufe ihrer Band-Zeit auf immerhin sieben Alben gebracht, das jüngste heißt „Overtyme“. (fez)

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