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Nein, das ist kein Rasenmäher, sondern ein Bodenradar.

Einblick in die Kampfmittelräumung

Die Bombensucher von Langenpreising

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Langenpreising – 60 Tonnen Weltkriegsmunition wurden im vergangenen Jahr allein in Bayern entsorgt. Wie Experten nach dem explosiven Erbe im Boden suchen, ließen sich Ingenieure und Bauplaner in Langenpreising zeigen – wildes Piepsen inklusive.

Es piepst und surrt, als hätte ein alter Gameboy einen Wackelkontakt, während Kathrin Behnen mit ihren Wanderschuhen durch das knöchelhohe Gras stapft. In der Hand hat sie einen Metalldetektor, den sie in Schlangenlinien über den Boden führt. Auf einmal schlägt das Gerät besonders laut aus. Fragend blickt die 22-jährige Praktikantin von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben zu Sondenexperte Peter Waffler. Doch der Mann mit dem mächtigen Schnurrbart lächelt nur und zeigt zum Himmel: „Das sind die Stromleitungen da oben.“ Gar nicht so leicht, eine Bombe zu finden.

Kathrin Behnen mit der Metallsonde.

Neben der Wiese in Langenpreising, auf der gerade mehrere Sondengänger unterwegs sind, parkt ein weißer Bus der Bundeswehr, der zuvor 19 Frauen und Männer aus ganz Deutschland von der Bundeswehr-Universität in München in den Landkreis Erding gefahren hat. Die Teilnehmer der bundesweit einzigartigen Weiterbildung zum „Fachplaner Kampfmittelräumung“ sollen an diesem Tag ganz praktisch lernen, wie Kampfmittelspezialisten vorgehen, wenn sie ein Grundstück nach explosiven Altlasten untersuchen. Einblick geben die Experten der Langenpreisinger Kampfmittelbeseitigungsfirma EMC.

Eveline Zwehn ist die Geschäftsführerin des Unternehmens. Sie sagt: „Bei der aktuellen Personalsituation der Branche sind wir in Deutschland mindestens noch 50 Jahre lang beschäftigt, bis wir die meisten Altlasten abgearbeitet haben.“ Granaten, Bomben, Zünder – immer wieder kommt auf Baustellen das explosive Weltkriegs-Erbe zum Vorschein. Allein in Bayern wurden im vergangenen Jahr mehr als 60 Tonnen Weltkriegsmunition entsorgt und fast 200 Bombenblindgänger entschärft.

Das muss auch bei der Planung eines Bauvorhabens berücksichtigt werden. Und deshalb sind unter den Teilnehmern der Weiterbildung vor allem Ingenieure oder Angestellte von Bauämtern, die sich ein Bild davon machen wollen, was eigentlich passiert, wenn der Bauherr die Kampfmittelgutachter losschickt.

Menschen wie Peter Waffler suchen das Grundstück dann nach Bomben und Granaten ab. Der 61-Jährige hat als Feuerwerker bei der Bundeswehr alles über Munition gelernt und ist nach seiner Zeit bei den Streitkräften in die private Wirtschaft gegangen. Er findet die Bombe, lässt sie freilegen – dann kommt der dem Innenministerium unterstellte Kampfmittelbeseitigungsdienst ins Spiel und entschärft die Bombe.

Eveline Zwehn, EMC-Geschäftsführerin.

Während Kathrin Behnen mit ihrer Gruppe noch mit dem magnetischen Metalldetektor zugange ist, stehen die anderen Teilnehmer um ein schwarz-gelbes Gerät, das auf den ersten Blick wie ein Rasenmäher aussieht. Doch Gras schnibbelt das Fuhrwerk nicht – es handelt sich um ein sogenanntes Geo- oder Bodenradar. Der tastet mit elektromagnetischen Wellen den Boden ab und kann so neben der Beschaffenheit auch Bomben oder Splitter erkennen – solange die nicht zu tief im Boden versteckt sind.

Ein Teilnehmer aus einem Ingenieur-Büro in Hannover steht in der Gruppe und erklärt, dass er bei Bauvorhaben immer wieder mit den Kriegs-Altlasten zu tun hat. „Aber meistens nur in der Theorie. Es hilft, das Ganze mal in der Praxis zu sehen – von Menschen, die ihr Handwerk verstehen.“ Von jemandem wie Peter Waffler, der bei jedem Piepsen weiß, ob jetzt die Oberleitung, der Maschendrahtzaun oder doch ein Stück des explosiven Erbes anschlägt.

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