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Kein Durchgang: Schild und Schranke schirmen die Weiher bei Reithofen von der Öffentlichkeit ab. Der Eigentümer darf das, bestätigen die Behörden. 

Kiesweiher in Reithofen 

Badeverbot ist rechtmäßig

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Badefreuden gibt’s in den Kiesweihern in Reithofen auch in diesem Sommer nicht mehr. Die Firma Scherer als Inhaberin bleibt dabei: Das Betreten und Baden wird nicht mehr geduldet. Auch wenn’s die Badegäste ärgert – das Recht hat das Unternehmen auf seiner Seite.

Reithofen– Die Kiesweiher der Firma Scherer in Reithofen (Gemeinde Pastetten) waren viele Jahre lang ein beliebter Treffpunkt im Sommer. Jung und Alt gingen dort zum Baden. Seit vergangenem August jedoch ist damit Schluss. Zwei Bagger, die beim Kieswerk standen, wurden erheblich beschädigt (wir berichteten). Auf einem Großteil der fünfstelligen Schadenssumme sind die Inhaber, die Brüder Martin und Christian Scherer, sitzen geblieben. Denn ein Täter konnte bisher nicht ermittelt werden.

Jahrzehntelang wurden die Badegäste in den Baggerseen lediglich geduldet. Schilder mit dem Hinweis „Betreten und Baden verboten“ standen dort aber schon immer. Zunehmend sei das Abbaugelände jedoch vermüllt, Halteverbote an den Zufahrtsstraßen missachtet worden. „Geärgert hat uns das schon lange“, sagt Martin Scherer, dessen Unternehmen seit vielen Jahren in Familienbesitz ist.

Die Sachbeschädigung schließlich habe das Fass zum Überlaufen gebracht. „Nach diesem Vorfall will ich dort im Moment eigentlich keine Leute mehr sehen“, stellte er damals im Gespräch mit der Heimatzeitung klar.

Und dabei wird es auch bleiben. In den Amtsblättern etwa von Buch, Pastetten und Forstern findet sich der unmissverständliche Hinweis, was bei Missachtung des Verbots passiere: „Verstöße werden bei der Polizei sofort zur Anzeige gebracht.“ Bisher musste er diesen Schritt noch nicht gehen, erklärt Martin Scherer. Er berichtet jedoch, dass es immer wieder Leute gebe, die sich nicht ans Verbot halten.

Denn die ehemaligen Badegäste sind über die Sperre freilich nicht glücklich. Das zeigt sich zum Beispiel in den Ratssitzungen der umliegenden Gemeinden. In Pastetten und Forstern etwa war das Badeverbot heuer schon Thema(wir berichteten). „Kinder und Erwachsene bis Hohenlinden haben schon immer und jahrzehntelang die Kiesgruben zum Baden genutzt. Ich war erstmals vor 38 Jahren dort beim Schwimmen“, schreibt ein Leser an die Heimatzeitung, der lieber anonym bleiben will.

Kürzlich sei er, „wie schon lange Jahre“, zu den Baggerweihern in Reithofen gefahren und dort auf Verbotstafeln des Kieswerks gestoßen, berichtet der Mann, der den Ärger Scherers durchaus verstehen könne. „Womöglich hätte ihn die Kommune oder der Landkreis längst entschädigen müssen für die Aufwendungen, die er dadurch hat, dass die üblicherweise Dutzenden Badegäste manchmal ihren Müll dort hinterlassen“, schlägt er vor.

Das Betretungsverbot jedoch kann er nicht verstehen. Er hält es gar für rechtswidrig und argumentiert mit der Bayerischen Verfassung. Laut Artikel 26 – Recht auf Naturgenuss und Erholung – habe Jedermann „das Recht auf den Genuss der Naturschönheiten und auf die Erholung in der freien Natur“. Das Verbot besteht daher seiner Meinung nach zu Unrecht.

Dass die Firma aber durchaus das Recht auf ihrer Seite hat, bestätigt Karin Fuchs-Weber vom Erdinger Landratsamt. „Bei dem Kiesweiher handelt es sich um ein Betriebsgrundstück eines aktiven Kieswerks, das sich in Privatbesitz befindet“, erklärt sie auf Nachfrage. Aus diesem Grund zähle das Grundstück nicht zur „freien Natur“ gemäß Artikel 141 der Verfassung.

Davon abgesehen dürften laut Bayerischem Naturschutzgesetz Grundeigentümer der Allgemeinheit das Betreten von Grundstücken in der freien Natur durch Sperren durchaus verwehren, „wenn andernfalls die zulässige Nutzung des Grundstücks nicht unerheblich behindert oder eingeschränkt würde.“ Diese gelte insbesondere, wenn die Beschädigung von Forstkulturen, Sonderkulturen oder sonstigen Nutzpflanzen zu erwarten sei. Oder wenn das Grundstück regelmäßig von vielen Personen betreten und dadurch in seinem Ertrag erheblich gemindert oder in unzumutbarer Weise beschädigt oder verunreinigt werde.

„Somit darf der Eigentümer den privaten Kiesweiher für die Allgemeinheit sperren“, lautet das Fazit Landratsamts. Die Behörde hatte den Scherers voriges Jahr übrigens zu diesem Schritt geraten – ebenso wie Polizei und Wasserwirtschaftsamt.

Von Vroni Macht

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