+
Oldtimerfreunde kommen bei den Treffen im Heimatmuseum in Thal immer auf ihre Kosten.

Oldtimertreffen in Thal

Alte Autos begeistern auch junge Leute

Oldtimerwochenende im Heimatmuseum in Thal, das ist immer eine Zeitreise zurück in eine Epoche, in der Vieles beschaulicher und gemütlicher zuging. Hunderte Besucher pilgerten an diesem verlängerten Wochenende wieder ins Holzland, um ein wenig von der guten alten Zeit aufzusaugen.

Von Birgit Lang

Thal –Obwohl das Wetter sehr zweifelhaft war und erst um 9 Uhr offiziell geöffnet wurde, standen am Fronleichnamstag zum Auftakt des dreitägigen Festes schon um 8 Uhr ein Bus und die ersten Motorräder mit ihren Fahrern auf dem Gelände des Heimatmuseums. Fast 350 Fahrzeuge wurden gemeldet. „Sehr viele“, meinte Manfred Schwaiger, der an der Anmeldung saß.

Tendenz sei, dass immer mehr Teilnehmer und Besucher auch von weiter herkämen. Ein Ehepaar sei sogar aus dem österreichischen Steyr mit ihrem gelben Citroen angereist. Auch Nummernschilder aus Garmisch, Miesbach und Cham wurden gesichtet.

Gern gesehene Gäste sind die Oldtimervereine aus der Region. So waren dieses Jahr traditionell die Kemodinger gut vertreten, aber auch viele Sammler aus Freising, Geisenhausen und Moosburg nutzten die Gelegenheit, ihre Prachtstücke auszufahren und zu präsentieren. Und es waren wie immer viele wundervolle Oldtimer zu bestaunen.

Für großes Aufsehen sorgte Heini Heinz mit seinem US-Schlitten Hudson Hornet aus Moosburg.

Gleich am Eingang etwa der Hudson Hornet vom Heinz Heini aus Moosburg, Baujahr 1953, sechs Zylinder, 5,047 Liter. Nur 6000 Stück wurden davon gebaut, die meisten landeten auf dem Schrottplatz. Mit dem Animationsfilm Cars gelangte „Doc Hudson“ wieder zu Weltruhm. Und genauso sieht auch Heinis Hudson aus. Er sei wohl der Einzige im Cars-Design in ganz Europa, vermutet er. Zwei Jahre war er auf der Suche, bis er ihn endlich in der Schweiz fand. Schon als Bub wurde er von Onkel Ignaz mit dem Oldtimer-Virus infiziert. Seinen Hudson stellt er für Hochzeiten oder Junggesellen-Abschiede zur Verfügung, allerdings nur, wenn er am Lenkrad sitzt. Ebenso tiptop steht der Fiat 124 Sport, Baujahr 1970 von Richard Thalhammer da. „Er wird jetzt 50. Ich hab ihn seit 37 Jahren. Mit 19 hab ich ihn gekauft. Damals war er total verrostet“, erzählt er. Vier Jahre habe er ihn restauriert, zehn Jahre habe er seinen Spider gefahren, dann 20 Jahre eingestellt. „Als ich ihn wieder rausg’holt hab, is er g’loffa wia a Nahmaschin“, erzählt der Moosburger. Stolz lässt er den Motor an, deutet auf die Turtleback-Luftfilter und den Doppel-Weber-Vergaser. „Nur die Batterie hab ich nach hinten g’legt, wegam G’wicht.“

Ganz anders sieht der Ford Pickup Baujahr 1956 von Miche Eder aus Münchsdorf aus. Er ist noch fast im Originalzustand, verkratzt, verbeult und rostig – richtig vintage halt. 2015 hat er ihn aus Kalifornien rübergeholt, auf Deutschland umgebaut, also Schweinwerfer, Stand- und zweites Rücklicht installiert, um ihn 2018 für die Straße zuzulassen. „Er bleibt wie er ist, er soll eine Geschichte erzählen“, sagt der Miche. Er hat ihn von einem mexikanischen Handwerker erstanden. Nur 64 000 Meilen hatte er auf dem Tacho. „Er geht streng, beim Einparken muss er ausrollen, sonst schinst di z’doad.“ Der Miche sammelt schon länger und viel. „Ich kauf und geb nichts mehr her. Ich bin eher ein Messie“, meint er grinsend.

Im Biergarten gehen die Fachgespräche weiter. Hier kann selbst der Laie Interessantes belauschen, wenn er gerade seinen Schweinsbraten oder eine feine Torte ist. Wenn sich etwa Andi Brummer aus Wilfing mit seinem Spezl Robert Wanderer unterhält. „Ein geiler Hobe. Den kriagst ned unter 60 000“, erklärt der Andi zum vorbeifahrenden Cobra.

Ob Motorräder oder Autos, die fahrbahren Untersätze und blinkenden Karossen sind ein echter Hingucker.

Der hellblaue 1600er VW ist weniger nach seinem Geschmack. Je ausgefallener, desto lieber ist es dem Andi. Der Karmann Ghia sei zwar schon ein schönes Auto, „aber da kummst ja ned vorwärts“. Da sei sein Triumph Spitfire, Baujahr 1970, mit 75 PS schon ein anderes G’schoss. Der Andi selber ist Baujahr 1990 und „hat schon noch ein paar mehr daheim rumstehen“, verrät er, während er mit seiner Mama und weiteren Freunden eine Currywurst verdrückt. Denn Currywurst-Tester sei er auch noch. Auch Sepp Hellinger aus Itzling gerät ins Schwärmen, wenn er drüben bei den Motorrädern eine Horex hört. „De duad wia a Lanz, so schee.“ Auch hier ist die Auswahl groß, und die Augen der Betrachter leuchten, wenn sie die Zündapps, Quickleys, Guzzis, BMW-Boxer oder Harleys unter die Lupe nehmen. Auch der Scharfbus und ein Feuerwehrfahrzeug sind wie immer zu begutachten.

Interessant wurde es für die Sammler und Schrauber auch am Sonntag beim Oldtimer-Bulldog- und Standmotorentreffen. Auch da gab es wieder viel zu sehen – zum Fachsimpeln, Blödeln und Genießen.

Wer ein bisschen Abkühlung suchte, konnte die ebenso interessante und vielfältige Ausstellung im Stadl besuchen. Auch hier gibt es immer „neue“ alte Exponate zu finden, die ebenfalls zum Fachsimpeln und zum Erinnern an frühere Zeiten animieren. Gerade das macht ja den Charme von Thal aus.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Schwerverletzter auf der Autobahn
Dieser Unfall gibt der Polizei Rätsel auf: Auf der A 94 ist ein Dorfener in der Nacht auf Sonntag an der Anschlussstelle Anzing verunglückt.
Schwerverletzter auf der Autobahn
Erdings erster Unverpacktladen: Lela Lose eröffnet
Erding hat seinen ersten Unverpacktladen. Am Donnerstag hat „Lela Lose“ an der Freisinger Straße eröffnet. Und die Auswahl ist groß.
Erdings erster Unverpacktladen: Lela Lose eröffnet
Fraunberger Haushalt: Das Kinderhaus ist der dickste Brocken
Fast 15 Millionen Euro umfasst der Haushaltsplan der Gemeinde Fraunberg fürs kommende Jahr, den der Gemeinderat in seiner Sitzung einstimmig verabschiedet hat. Dabei …
Fraunberger Haushalt: Das Kinderhaus ist der dickste Brocken
Geistiger Brechdurchfall im Netz - ein Kommentar
Soziale Netzwerke - wirklich? Der Ton auf Facebook & Co ist teils entsetzlich und entwürdigend. Das zeigt unter anderem die Dabatte um Christkindlmarkt und …
Geistiger Brechdurchfall im Netz - ein Kommentar

Kommentare