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Hohe Anziehungskraft: Zum Auftakt des Oldtimerwochenendes in Thal strömten am Fronleichnamstag mehrere tausend Besucher ins Heimatmuseum.

9. Oldtimerwochenende in Thal

Blechleidenschaften und Träume in Chrom

Die Faszination, die von Oldtimern ausgeht, ist ungebrochen. Nein, die alten Fahrzeuge scheinen sogar immer mehr Liebhaber zu gewinnen. Dieser Eindruck entsteht beim Oldtimertreffen im Heimatmuseum in Thal.

Thal – Beim 9. Oldtimerwochenende sind am Fronleichnamstag wieder Teilnehmer- und Besucherrekorde gebrochen worden. Über 300 Autos, Motorräder, Roller und Hilfsfahrzeuge registrierte Manfred Schwaiger bei der Anmeldung. Von weit über die Landkreisgrenzen hinaus kommen Publikum und Fahrzeuge. „Sogar die Münchner haben diese Veranstaltung entdeckt und ziehen sie dem Treffen in Maxlrain mitunter vor, weil es dort immer so überlaufen ist“, weiß der Schriftführer der Oldtimerfreunde Kirchberg.

Das älteste Zweirad war eine Indian, Baujahr 1924. Vereinsmitglied Helmut Ruhnau war begeistert von der einfachen Technik: „Hupe, Tacho und ein Amperemeter für den Strom, um zu kontrollieren, ob die Lichtmaschine noch funktioniert“, erklärt er. „Die Harley wurden genauso einfach konstruiert“, weiß er und deutet auf ein Gespann, das mit Strauchwerk getarnt ist und wohl früher ein Kriegsfahrzeug war, sowie auf ein weiteres direkt gegenüber, Baujahr 1942. Die olivfarbene Maschine schaut aus, als wäre sie gerade vom Militäreinsatz gekommen. „Die schütten extra Öl drüber, damit sie älter aussehen“, meint Ruhnau zu den verschmierten, schwarzen Flecken, die sie ziert.

Gleich daneben glänzt ein Horex-Gespann, Baujahr 1959, mit wunderschöner, rot polierter Schnauze. Ebenso rot sind die italienischen Maschinen, auf die Manfred Wilhelm steht. Moto Guzzis und Ducatis sind seine Leidenschaft, „weil die so schöne Rundungen haben wie die hübschen Italienerinnen und meine Frau Bernadette“, schwärmt er. Für den gebürtigen Niederstraubinger, der in Taufkirchen wohnt, ist es hier alle Jahre fast wie ein Klassentreffen, so viele Bekannte stürzen sich auf ihn. Vielleicht auch deshalb, weil er immer so hilfsbereit ist und für jeden gern seinen Tankrucksack nach dem passenden Werkzeug durchstöbert und gerne aushilft, wenn Not am Mann ist.

Ein passionierter Schrauber ist auch Sigi Jobst aus Steinkirchen. Seine Leidenschaft fürs Tüfteln hat er von seinem Vater geerbt, der in Thal draußen nur der Widder-Franz genannt wird. Der 41-jährige Sigi hat sein Herz an einen Audi Quadro, Baujahr 1983, mit 315 PS verloren. Für 300 Euro hat er die Karosse erstanden und mindestens 15 000 Euro reingepumpt, um sein Traumauto aufzupimpen, wie es auf neudeutsch heißt. Fünf Jahre und rund 1300 Stunden hat er dafür gebraucht. Selbst lackiert hat er ihn in der Originalfarbe: „Zobel braun metallic“, erzählt er. Das Fahrzeug wurde nur zwei Jahre gebaut und dann wieder eingestellt, weil es damals für 38 000 Mark wohl zu teuer war, erzählt er.

9. Oldtimerwochenende in Thal - Bilder

Jobst ist Gründungsmitglied vom MSC Holzland. Seit 15 Jahren verbringt er mit seinen Spezln jede freie Minute mit Schrauben und Ausfahrten. Und ihre Frauen seien alle „voll dabei“, ergänzt er grinsend. Weil er mit seinem Audi Quadro auch Bergrennen in Österreich fährt, hat er dreiteilige Rennsportfelgen von BBS aus Alu auf die Reifen gespannt. „Der Satz für 2000 Euro, die gibt’s nicht mehr, nur übers Internet“, verrät er. Und einen Überrollkäfig hat er dort eingebaut, wo früher die Rückbank war.

Mit Josef Stadler, der eine Reihe hinter ihm seinen Cadillac, Baujahr 1958, geparkt hatte, würde er sich wohl bestens verstehen. Stadler hat drei Jahre an seinem Traum in Korallgrün gearbeitet. Im Schrottzustand hat er den 6,6 Meter langen Schlitten 1996 gekauft und bis 1999 restauriert. Um die Sitze zu schonen, hat er Plastiküberzüge darüber gestülpt. Das seien Repros, die es früher „für quengelige Kinder gab, die immer hinten Kekse gegessen haben“, erzählt er schmunzelnd. Dass sein Cadillac 22 bis 28 Liter aufwärts schluckt, stört ihn nicht.

Ein Autonarr ist auch Holzland-Pfarrer Jacek Jamiolkowski, der mit Schulfreunden aus seiner Heimat zum Oldtimertreffen kam. Selber fährt er keinen Oldtimer, aber die aufklappbare Klimaanlage am rechten Kotflügel des Jaguars, Baujahr 1956, mit 190 PS von Sebastian Häußinger aus München fand er klasse.

Für motorisierte Tiere interessierte sich auch einer der jüngsten Oldtimerfans. Der 20 Monate alte Felix steht voll auf das „Pony“ seines Vaters Christoph Auer, einen Ford Mustang Cabrio, Baujahr 1966. Deshalb machten die beiden auch gemeinsam einen Ausflug nach Thal. Dort konnten sie noch unter dem Schatten der Bäume und Sonnenschirme zünftig essen und trinken, sowie das Museum besuchen, bevor es wieder nach München heimging.

Im großen Ausstellungsraum fertigte währenddessen der über 80-jährige ehemalige Wagner Alois Tremmel aus Wambach einen Hacklstuhl in der neu eingerichteten Wagner-Werkstätte. Nebenan in der „Kuche“ und der „Fletz“ kneteten derweil fleißige Helfer Brotteig, rührten das Sauerkraut im Kessel und spülten das Geschirr. Auch die Nebengebäude wurden von Besucherscharen heimgesucht, denn hier gab es nicht nur die Schmiede zu bestaunen, sondern auch die beliebten, frisch gebackenen Auszogenen zu kaufen.

„Es ist schon einmalig, was die Oldtimer-Freunde hier draußen geschaffen haben“, meinte eine treue Besucherin begeistert. Sie sei schon über 80 Jahre alt und freue sich alle Jahre, hier wieder nette Leute zu treffen und sich mit ihnen an gute alte Zeiten zu erinnern.

Birgit Lang

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