Viele Antworten hatte Wassermeister Georg Strohmaier (hinten, r.) für seine Gemeinderatskollegen.
+
Viele Antworten hatte Wassermeister Georg Strohmaier (hinten, r.) für seine Gemeinderatskollegen.

Ortstermin des Gemeinderats

Das Holzland-Wasser kommt aus 120 Meter Tiefe

Kirchberg – Woher kommt unser Trinkwasser und wie setzt sich dessen Preis zusammen? Um solche Fragen mit möglichst breitem Hintergrundwissen beantworten zu können, besuchten Kirchbergs Bürgermeister Dieter Neumaier und die Gemeinderatsmitglieder das Wasserhaus in Arndorf. Für eine Führung durch das 2008 gebaute Herzstück der Trinkwasserversorgung im Holzland waren Hans Schweiger als Vorsitzender des Wasserzweckverbands Holzland und Georg Strohmaier jun., Gemeinderatsmitglied und zugleich Wassermeister in der Arndorfer Anlage, anwesend.

Mit 516 Meter über dem Meeresspiegel ist der Standort einer der höchsten Punkte im Holzland. Nur wenige hundert Meter entfernt, in einem Wald bei Rauhfeld, befindet sich der 120 Meter tiefe Brunnen, der derzeit die vier Gemeinden versorgt. Nötig ist bis Herbst auch eine Einspeisung aus dem Wassernetz in Maria Thalheim, während der Sommermonate bis zu einem Viertel des Gesamtverbrauchs.

Ende des Jahres wird dann der sanierte Brunnen in Inning ans Netz gehen. Dieser ist nach einem Defekt im Jahr 2017 stillgelegt, seither wird Inning über einen Notverbund von Arndorf her versorgt und ist mittlerweile dem Wasserzweckverband Holzland beigetreten. Auf etwa 1100 Kubikmeter wird der durchschnittliche Tagesverbrauch im gesamten Verband gerechnet, an einem heißen Sommertag können es 1500 Kubikmeter werden. Grund für den allgemein hohen Verbrauch ist der Anschluss vieler Bauernhöfe.

An die Oberfläche gefördert wird das Wasser durch eine 40 PS starke Pumpe, maximal 15 Liter in der Sekunde erreichen so das nahe Wasserwerk. Dort wird zunächst Eisen und Mangan ausgefällt und ausgefiltert. In zwei jeweils 750 Kubikmeter fassenden Edelstahlbehältern speichert man das Trinkwasser. Um in den Leitungen der Verbraucher einen Druck von mindestens 4,5 Bar zu erzeugen, kommt eine Drucksteigerungsanlage zum Einsatz. Durch den Höhenunterschied können am Ende des Leitungsnetzes bis zu neun Bar entstehen.

Der nach und nach entstandene Verbund der Gemeinden ist heute durch eine Ringleitung erschlossen, von der weitere Rohre abzweigen. Mehr als 70 Kilometer Hauptnetz ergeben sich so. Bis 2002 förderte man in Kirchberg Trinkwasser aus vier weiteren Brunnen. Diese mussten stillgelegt werden, da man ein Abbauprodukt des mittlerweile verbotenen Pflanzenschutzmittels Atrazin nachgewiesen habe, berichtete Strohmaier. Er war während und am Ende der Führung bestens für die vielen Fragen seiner Gemeinderatskollegen gewappnet.

So versicherte er ihnen, dass bei einem Ausfall des Brunnens in Rauhfeld eine Notversorgung über Thalheim für Wochen oder gar Monate möglich wäre. Eine Ersatzpumpe steht im Wasserwerk bereit und könnte in drei Tagen gegen eine defekte ausgetauscht werden.

Die Qualität des Trinkwassers sei vergleichbar mit hochwertigem Mineralwasser, die Werte der Bestandteile vergleichbar. Bei der durch Kalk bestimmten Härte befindet sich das Kirchberger Wasser auf Stufe drei einer fünfstufigen Skala, die in Deutschland gilt; Nitrat ist nicht nachweisbar.

Vom derzeitigen Kubikmeterpreis von 1,15 Euro fließt circa ein Drittel in den Erhalt der Technik, circa 20 Prozent decken die Energiekosten der Förderung. Nach zwölf Jahren nähert man sich dem Punkt, an dem die Baukosten des Arndorfer Wasserhauses in Höhe von 1,3 Millionen durch den Wasserpreis abbezahlt sind.

Fabian Holzner

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Kroatien-Urlaub zu Corona-Zeiten: Familie aus Bayern erhält Hassbrief - der Inhalt macht betroffen
Kroatien-Urlaub zu Corona-Zeiten: Familie aus Bayern erhält Hassbrief - der Inhalt macht betroffen
Lehrerin an Gymnasium mit Corona infiziert
Lehrerin an Gymnasium mit Corona infiziert
Flughafen München: „Wie das gehen soll?“ - Passagier verwundert über Schild - Airport reagiert
Flughafen München: „Wie das gehen soll?“ - Passagier verwundert über Schild - Airport reagiert
„Vater des Volkesfestes“ ist tot: Günter Rilke stirbt im Krisen-Jahr der Schausteller
„Vater des Volkesfestes“ ist tot: Günter Rilke stirbt im Krisen-Jahr der Schausteller

Kommentare