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Ein Eldorado für Oldtimerfreunde: Über 300 Aussteller haben am Heimatmuseum in Thal wieder einmal ihre motorisierten Schätze gezeigt.

Oldtimertreffen in Thal

„So einen fuhr der James Bond früher“

Thal - Nostalgie pur: Über 300 Oldtimerbegeisterte haben bei einem Treffen am Heimatmuseum in Thal ihre motorisierten Schätze gezeigt. Darunter waren zahlreiche Unikate zu sehen.

 „Ja vareck“, lautete der respektvolle Kommentar eines Besuchers des Oldtimertreffens in Thal, als er den Heißluftmotor von Franz Jobst begutachtete. Eigentlich ist er ja für seine große Wider-Sammlung bekannt. Aber Jobst faszinieren Motoren jeglicher Machart und er ist ein leidenschaftlicher Tüftler. Ein schottischer Geistlicher habe den Stirling-Motor um 1840 erfunden. Den habe er nachgebaut, erzählt er. Wie viele Stunden er dafür gebraucht hat, weiß er nicht. „Einige hundert“, schätzt er. Sein Erfindergeist und sein Ideenreichtum sind dabei wieder einmal mit ihm durchgegangen. Einen VW-Zylinder von einem luftgetriebenen Motor, ein altes Ofenrohr und die Antriebswelle einer alten Nähmaschine hat er neben anderem in seinem neusten Werk eingebaut , so dass sein erster eigener Stirling an die 20 bis 40 Watt Strom erzeugen kann. Formschön, fast schon grazil ist er noch dazu. Gut, der Ur-Stirling war vier Meter hoch und aus ihm wurden zwei PS rausgeholt. Jobst ist da bescheidener: „Ich bin schon froh, dass er lafft“, sagt er und zeigt den Interessierten gleich sein zweites Konstrukt „Made in Bavaria, per Hand worked“. Dieses Modell geht mit Gas und sitzt auf dem Gestell der alten Nähmaschine, ebenso ein herrliches Unikat.

Viele einmalige Fahrzeuge gab es beim Oldtimertreffen wieder zu bewundern. Über 300 Anmeldungen waren es am Fronleichnamstag. „Neuer Rekord“, sagten Manfred Schwäger und Lenz Hiebl. Wie viele Besucher kamen, hat keiner mitgezählt, aber es waren richtig viele.

Zündapp-Mopeds und Vespa-Roller

Ein Trend ist bei Fahrzeugen zu erkennen: Viele Mofas, 50er und 80er, auch ein paar 125er Kleinkrafträder, die meisten der Marke Zündapp, und Vespa-Roller in knallbunten Farben wurden ausgestellt. Eine Vespa hatte sogar eingebaute Boxen aus denen Johnny Cash röhrte. Es ist noch gar nicht so lange her, dass eine Großzahl der Besucher ihre ersten Fahrversuche auf einem solchen Gefährt machten. Dementsprechend gab es viel zum Fachsimpeln und über alte Zeiten zu schwärmen „So oane hob i a g’habt, die gleiche Farb, de is supa ganga“, freute sich einer. Andere erinnerten sich an ihre eigene KS 80. „Der Freddy war der einzige mit Luftkühlung“, wusste der Nächste zu erzählen. 

Viele wunderschöne Oldtimer gab es zu sehen. Der älteste war ein Ford Model A Baujahr 1928, den der Mauggener Josef Pointner aus Argentinien holte, als er dort mit seiner Frau auf der Ranch ihres Cousins Urlaub machte. „Eigentlich wollte wir ja ein paar Bulldogs kaufen.“ Dann wurden daraus drei Oldtimer.

Der ganze Hof des Heimatmuseums und die Wiesen rundherum waren voll geparkt. Die Mitglieder der Oldtimerfreunde hatten ihre liebe Not, für alle Fahrzeuge ein Platzerl zu finden. Aber es gelang: Neben einer schnittigen Corvette Mercury Cougar Baujahr 1969 strahlte ein Käfer namens Speedy Gonzales Baujahr 1972. Ein paar Meter weiter faszinierte die Fachleute ein Lloyd Alexander TS Baujahr 1959 mit 23 PS und einem Saxomat. „Die haben keine Kupplung gehabt. Damit konnten Behinderte fahren. Ein handwerkliches Meisterstück“, erklärte ein Experte und fachte damit eine Diskussion über Saxomaten an. 

„A scheens Autal“ war auch der 956er Porsche, Baujahr 1956, der ganz hinten im Eck stand. „Einen solchen hatte James Dean gefahren, allerdings als Cabrio“, wusste ein Besucher, seine Frau war ganz angetan vom Aston Martin. „So einen fuhr der James Bond früher“, erklärte ihr ihr Gatte. Vom luxuriösen Rolls Royce Silver Shadow mit 200 PS und den großen Cadillac Series 62 mit 320 PS über den nostalgischen Opel P4, Baujahr 1936, mit Sonderausstattung, 4-Gang-Getriebe und Gepäckträger bis zum knuffigen Glas Gogo mit gerade 13,6 PS war alles vertreten, was den Autor- und Motorfreunden seit Jahrzehnten Spaß bereitet. 

Am Sonntag Bulldogs und Standmotoren

Zwischen all diesen Liebhaberstücken hatte sich auch ein Traktor und ein Feuerwehrfahrzeug geschlichen. Auch sie ernteten interessierte Blicke. Bei herrlichem Wetter hielten es viele Besucher einige Stunden in Thal aus, besuchten das Heimatmuseum und ließen sich bei Rahmschwammerl, Bratwürsteln, Ausgezogenen und Torten von den Helfern der Kirchberger Oldtimerfreunde verwöhnen. Ohne die würde diese Veranstaltung nie so gut laufen. Gestern Abend war Wirtshaussingen und am morgigen Sonntag sind ab 9 Uhr Bulldogs und Standmotoren zu bestaunen.

Birgit Lang30

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