Vor Gericht

Geldwäsche: Täterin ist das wahre Opfer

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Pakete umetikettieren und weiterschicken: Dieses verlockende Jobangebot brachte einer 44-Jährigen keinen Cent, aber eine Anklage wegen Geldwäsche ein. Die Justiz zeigte Mitleid, die Strafe fiel milde aus.

Holzland/Erding– Wegen Panikattacken kann eine 44-jährige Mutter von vier Kindern aus dem Holzland nicht arbeiten. Als ihr Mann das Zeitungsinserat entdeckte, in der eine Person gesucht wurde, die bei sich zu Hause Pakete annimmt, umetikettiert und weitersendet,keimte in dem Ehepaar Hoffnung auf – endlich Arbeit, endlich Geld. In der Probezeit 450 Euro, danach 1075 Euro.

Die Frau unterschrieb den Arbeitsvertrag bei einer Firma, die sie nur von einer Homepage, Anrufen mit unterdrückter Nummer und E-Mails kannte. Im Frühjahr 2016 bekam sie sechs Pakete zugeschickt, die sie, wie geheißen, neu auszeichnete und weiterschickte, unter anderem nach Dublin in Irland.

Geld sah die 44-Jährige nie. Als sie ihren Arbeitgeber zur Rede stellen wollte, hörte sie von dem kein Lebenszeichen mehr. Dafür bekam sie wenig später Besuch von der Polizei. Es stellte sich heraus, dass die Frau aus dem Holzland einer nach wie vor unbekannten Betrügerbande aufgesessen war.

In der Anklage hieß es, die Hintermänner hätten mit den gestohlenen Daten von Kreditkarten Einkäufe in Onlineshops getätigt, darunter Kleidung von Zalando, einen Samsung-TV von QVC, ein Notebook von Saturn-Online, ein Apple-iPhone von billiger.de und Lego von Jako.o. Wert der Ware: 4700 Euro. Über die 44-Jährige wurde die Ware ins Ausland verschoben, Absender und Empfänger waren nicht mehr greifbar.

Dafür die 44-Jährige. Sie musste sich wegen Geldwäsche verteidigen. Am Schluss mussten sowohl die Anklägerin als auch Richterin Michaela Wawerla feststellen, „das hier die Falsche auf der Anklagebank sitzt“, wie es die Vorsitzende formulierte. In der Tat verschwammen in der Verhandlung die Grenzen zwischen Täter und Opfer.

Denn die Frau verfügt über keinerlei Einkommen. Doch die Versandhändler haben bereits angekündigt, sich die 4700 Euro über ein Inkassobüro wiederholen zu wollen.

Immer wieder machte die Mutter deutlich, dass sie keinerlei Ahnung gehabt habe, auf was sie sich da einlasse. „Ich habe endlich die Möglichkeit gesehen, mein eigenes Geld zu verdienen.“ Misstrauisch sei sie auch deswegen nicht geworden, weil ihr Ehemann gesagt habe, er kenne dieses Geschäftsmodell aus der Lagerlogistik. Von Richterin und Staatsanwältin musste sie sich anhören, leichtfertig und gutgläubig gewesen zu sein.

Dennoch merkte man ihnen an, wie schwer es ihnen fiel, die Frau zu bestrafen. „Eine Einstellung kommt wegen des hohen Schadens nicht in Frage“, sagte Wawerla. Am Ende stand ein wahrlich salomonischer Richterspruch: Die 44-Jährige wurde zu 300 Euro Geldstrafe auf Bewährung verurteilt. „Wir wissen, dass Sie nichts haben und die hohe Schadenssumme wieder gut machen müssen“, sagte Wawerla – und machte dann ihrem Ärger Luft: über die Hintermänner, die die wahren Straftäter seien, an die man aber leider nicht herankomme.

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