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Ein Meister seines Fachs: Hartl Schwaiger zeigt zwei Lehrlingen dem richtigen Umgang mit einer Hobelzahnsäge. 

Heimatmuseum Thal

So haben Zimmerer früher gearbeitet

Kirchberg – Mit Horn, Breitaxt und Hobelzahnsäge als Zimmerer umzugehen, ist eine Fertigkeit, die längst nicht mehr auf dem Lehrplan der Berufsschüler steht. Dass dieses Handwerk aber eine lange und große Tradition hat, erlebten die Schüler um Lehrer Rupert Mannhart im Heimatmuseum der Oldtimerfreunde Kirchberg in Thal.

Wie Manfred Schwaiger, Schriftführer der Oldtimerfreunde berichtet, konnten 19 Schüler der Berufsschule Erding unter der Anleitung von Erich Gotter mit den drei Zeitzeugen Adolf Nöth (79), Georg Marsmann (84) und Erhard Schwaiger (79) eine Zeitreise zurück in die Vergangenheit unternehmen. Zum Warmwerden durften die Lehrlinge mit einer Hobelzahnsäge, in Bayern „Wiagsog“ tituliert, Stämme kürzen. Technik, Ausdauer und „a guade Schneid“ standen dabei an erster Stelle.

Im Anschluss wurde die Schnur geworfen und damit festgelegt, welches Maß der fertige Balken später bekommen sollte. Die Lehrlinge wurden dann angeleitet, mit dem Horn der Länge nach senkrechte Kerben zu schlagen. Zwischen 25 bis 30 Zentimeter sollte dabei der Abstand sein, erklärte Marsmann. War der Abstand zu groß, schimpfte einen die Bäuerin, weil die anfallenden Holzstücke dann nicht in den Ofen passten. Waren die Kerben zu nah beieinander, dann konnte man sich anhören, dass es lauter „Gfrass“ sei. Die Holzabfälle waren besonders beim Kiachebacha gewünscht, weil sie eine große Hitze abgaben. Nachdem die Rohform hergestellt war, wurde mit der Breitaxt der Länge nach die Seiten bearbeitet. Hier zeigte sich, dass Kraft nur eine untergeordnete Rolle spielte. Vielmehr war gefragt, zielsicher neben dem Riss zu treffen. Hartl Schwaiger demonstrierte diese Präzision. Schlag für Schlag saß und die so entstandene Seite hatte eine perfekt glatte Oberfläche.

Die Arbeit an den Werkstücken wurde von zwei Gruppen durchgeführt. Während eine Gruppe im Einsatz war, besichtigte die zweite Gruppe zeitgleich mit Birgit Korber das Museum samt Gelände. Nach getaner Arbeit servierte Sepp Obermaier und Josef Wimmer Schülern und Lehrer das klassische Zimmerermahl mit Kartoffeln, Butter, Salz und Brot. Im Baumschatten des Museums wurden bei herrlichem Wetter viele Anekdoten zum Besten gegeben, die jungen Handwerker waren wissbegierig und staunten nicht schlecht.

Zum Abschluss der Exkursion konnten dann die Zimmerer noch ihr Rhythmusgefühl unter Beweis stellen. Im Takt wurde reihum auf das Holz geschlagen und mit zunehmender Dauer klang das taktvolle Klopfen immer besser. Früher war diese Zeremonie nach dem erfolgreichen Aufstellen eines Dachstuhls ein beliebtes Ritual um das Bauwerk zum Abschluss zu bringen.  

Wer die Oldtimerfreunde in Thal erleben möchte, hat kommenden Sonntag die Gelegenheit, wenn ab 12 Uhr das Museum geöffnet ist. Am darauffolgenden Sonntag, 14. August, findet ab 10 Uhr ein Hoffest statt. ar

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