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Kämpfen für den Erhalt der Lindenallee (v. l.): Gemeinderat Dieter Neumaier, Anlieger Bernhard Picker, MdL Rosi Steinberger, Anlieger Max Huber, Kreisrätin Helga Stieglmeier und BN-Kreisgeschäftsführer Manfred Drobny.  Nur ganz geringeSturmschädenVorwürfe anden Landrat

Seit dem Erfolg der Initiative des Bund Naturschutz zum Erhalt der Lindenallee, ist nichts weiteres passiert.

In der Lindenallee rührt sich nichts

Über 2000 Menschen haben 2018 die Petition zum Erhalt der Lindenallee zwischen Wartenberg und Schröding unterschrieben. Die Initiative des Bund Naturschutz (BN) war ein Erfolg, aber passiert ist seither nichts.

Kirchberg – Ein „Missachten des Votums“ ist dies in den Augen der Grünen-Landtagsabgeordneten Rosi Steinberger. BN-Kreisgeschäftsführer Manfred Drobny hatte die Vorsitzende des Umweltausschusses im Landtag zum Ortstermin eingeladen. Dabei stellte sich heraus, dass Steinberger die Situation schon sehr lange kennt, und sie die Lindenallee für „etwas Wertvolles und ein Stück Heimat“ hält. „Es rentiert sich, sie zu erhalten“, betonte sie und versprach, sich dafür im Landtag einzusetzen.

Sie stamme aus Wambach und sei während des Studiums in Freising jede Woche die Lindenallee lang gefahren. „Ich kenne sie seit den 80er-Jahren zu allen Jahreszeiten und sie ist immer ein Traum“, erzählte sie Drobny, der Erdinger Kreis- und Stadträtin Helga Stieglmeier (Grünen), der BN-Kreisvorsitzender Gabriele Betzmeir, Bernhard Fries, Petent aus Taufkirchen, Kirchbergs Gemeinderat Dieter Neumaier und einigen Anliegern, die sich seit Jahren für den Erhalt der Lindenallee engagieren.

„Ich verstehe es, wenn man sein Herzblut daran hängt, sie zu erhalten“, meinte Steinberger und erklärte, die Petition sei „gewürdigt worden“. Dies bedeute, dass das Anliegen des Petenten berechtigt sei, sie aber Mittel und Wege zur Umsetzung aufzeigen müssten. Dabei gebe es keine Frist, aber einen „eindeutigen Auftrag an die Staatsregierung, dieser Petition so gut es geht Rechnung zu tragen.“ Die Staatsregierung gebe den Auftrag an die Pflegebehörden weiter, also ans Landratsamt. „Und da muss man leider feststellen, dass nicht viel beziehungsweise gar nichts passiert ist. Das ist eindeutig für mich ein Missachten des Auftrags.“ Deshalb bat sie um fachlichen Input von den Petenten. „Denn ich glaube, die Hindernisse sind nicht so groß, wie sie uns vom Landrat gezeigt werden.“

Gemeinderat Neumaier erinnerte an den Ortstermin im Februar 2018, bei dem auch MdL Volker Bauer (CSU) anwesend gewesen sei. Auf Nachfrage habe ihm dieser schriftlich mitgeteilt, dass er dem zuständigen Staatsministerin Hans Reichhart geschrieben habe, mit der Bitte, „eine zeitige Umsetzung auf geeignete Pflanzzeitpunkte gegebenenfalls auch gegen latent vorhandene Widerstände im Straßenbauamt und im Landratsamt im Jahr 2019 auf den Weg zu bringen“. Die Argumentationslage der Petenten habe sich im Wesentlichen nicht geändert, betonte er.

Dass die Linden auch an „Extremstandorten“, wie es das Straßenbauamt bezeichne, also neben der Straße wachsen würden, hätten die vom früheren Landrat Hans Zehetmair nachgepflanzten Bäume bewiesen. Er habe die Lindenallee 1983 auch unter Naturschutz gestellt. Schwer zu vermitteln und auch nicht sinnvoll sei der vom Straßenbauamt (SBA) und Landratsamt (LRA) geforderte Abstand zur Fahrbahn von 4,5 Metern für Nachpflanzungen. „Wir brauchen einen vernünftigen Abstand, vielleicht einen bis eineinhalb Meter“, meinte der Gemeinderat. Damit hätte der Großteil der Anlieger, seiner Meinung nach, kein Problem. An unübersichtlichen Stelle würde man bewusst auf Nachpflanzungen verzichten.

Was das Argument der Verkehrssicherheit anbelangt, zitierte er aus der ESAB 2006, in der es um Empfehlungen zum Schutz vor Unfällen mit Aufprall auf Bäume geht, dass bei bestehenden Alleen die Lücken in der Reihe bepflanzt werden können. Die Kirchberger Lindenallee sei eine schmale Straße, die dazu zwinge, langsam zu fahren. Insofern sei sie auch kein Unfallschwerpunkt, sondern wirke im Gegenteil geschwindigkeitsdämpfend. Leitplanken, wie sie schon im Gespräch waren, seien nicht praktikabel, weil damit dem Gegenverkehr nicht ausgewichen werden könne. Die Allee sei „etwas Besonders“, betone Neumaier, vor allem die Länge von 6,1 Kilometer. Anderswo würden „Handstände gemacht, so etwas zu erhalten“. Auch an den Stürmen sehe man, dass von den ehemals knapp 500 Linden (2017: 251) nur wenige umgefallen seien. „Die Gefahr, dass mir eine Fichte auf den Kopf fällt, ist wesentlich höher“, meinte er. Wünschenswert wäre in seinen Augen, dass sich der Landkreis oder das SBA als Baulastträger für die Lindenallee verantwortlich fühle, fachgerechte Baumpflege und Nachpflanzungen veranlasse und die Verkehrssicherheit übernehme. Das wäre ein Vorteil für alle: Behörden, Anlieger, Natur und Tourismus.

Steinberger stellte fest, dass man das Schöne vor der Haustür oft nicht zu schätzen wisse, dass es aber eine „Verpflichtung“ sei, solche Naturdenkmäler zu erhalten. „In manche Bürokratenköpfe muss das noch rein.“ Zugleich erinnerte sie an das Volksbegehren und daran, dass eine solche Allee ein wertvoller Standort für die Biodiversität sei. Umweltminister Thorsten Glauber wünsche sich solche grünen Bänder entlang von Gewässern, Wäldern und Straßen und wolle diese miteinander vernetzen, sagte sie. Hier könnten die Tiere noch wandern. Wenn eine solche Allee nicht erhalten bleibt, habe man die Zeichen der Zeit nicht erkannt.

Das Landratsamt habe Drobny auf Nachfrage mitgeteilt, dass von den Anliegern kein Grund für Nachpflanzungen zur Verfügung gestellt werde, deshalb scheinbar kein Bedarf an der Lindenallee vorhanden sei. Das widerlegte Neumaier: Die Gemeinde Kirchberg hätte freiwillig Grund für Nachpflanzungen zur Verfügung gestellt. Drobny erinnerte noch an einen Anlieger, der auf eigene Kosten auf seinem Privatgrund sechs Linden gepflanzt habe, die vom SBA wieder rausgerissen worden seien, weil sie angeblich die Sicherheit gefährdeten.

Das konnte Steinberger nicht nachvollziehen. Erschüttert zeigte sie sich darüber, dass solches Privatengagement nicht unterstützt, sondern sogar verhindert werde. Sie werde sich für die Petenten einsetzen und ihre Argumente im Landtag vortragen, versprach sie. Stieglmeier warf noch ein: „Der Landrat will nicht nachpflanzen.“ Aber die Landkreis-Grünen werden im Kreistag einen entsprechenden Antrag stellen, auch wenn sie sich wenig Chancen ausrechnet.

Nur ganz geringe
Sturmschäden

Vorwürfe an
den Landrat

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