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Dieter Neumaier in seinem Amtszimmer. 

100 Tage Bürgermeister

Dieter Neumaier: Anlaufstelle für jeden und alles

„Dass der Bürgermeister für alles zuständig ist, erwartet man. Was genau dieses ,alles‘ aber ist, sehe ich erst jetzt“, resümiert Dieter Neumaier seine 100-tägige Amtszeit als Bürgermeister von Kirchberg.

Von Fabian Holzner

Kirchberg – Nachbarschaftsstreitigkeiten und sogar Familienprobleme fallen offenbar auch in seinen Aufgabenbereich, wie er bald festgestellt hat. Viel erfreulicher hingegen war Mitte Mai die erste Trauung, die Neumaier als Standesbeamter durchführen konnte. „Trotz aller Corona-Beschränkungen durfte ich das junge Paar, den neuen Gemeinderat Markus Schweiger und seine Lena, als Dreh- und Angelpunkt begleiten, das hat richtig Spaß gemacht“, erzählt er in der Hoffnung, dass unter geänderten Umständen sich wieder mehr Paare im Rathaus das Ja-Wort geben.

Noch immer ganz ausgesetzt in seiner Gemeinde sind die Besuche des Bürgermeisters zu runden Geburtstagen oder Goldenen Hochzeiten. Ein Bürgerkontakt, der ihm fehlt, wenngleich die Vermeidung eines Risikos für die meist betagten Jubilare schwerer wiegt. Auch kleine Angelegenheiten, die er schnell im Sinne der Bürger regeln kann, geben Neumaier Auftrieb. So konnte er in wenigen Tagen, aber durch sehr viele Telefonate, eine in vielen Augen unpraktische Verkehrsinsel, die bei der Erneuerung einer Staatsstraße geplant war, verhindern.

18 Jahre Erfahrung als Gemeinderat brachte Neumaier mit ins Bürgermeisteramt, dennoch nahm er kürzlich an einem dreitägigen Seminar für neue Bürgermeister im niederbayerischen Bad Gögging teil. Sehr intensive Tage, wie er erzählte. Zum einen fachlich tiefgreifend, aber auch zeitlich, von halb neun Uhr bis halb sieben, fordernd.

Umfassende Kenntnisse vermittelt Neumaier auch den Kirchberger Gemeinderäten, vor allem den sieben neu hinzugekommenen. Ortsbesichtigungen an der Kläranlage und der Grundschule hat er bisher unternommen, mit fast dem gesamten Gremium besuchte er eine dreitägige, auswärtige Schulung zu kommunalpolitischen Themen: „Ich weiß aus meiner Tätigkeit als Gemeinderat, wie wichtig es ist, sich in Bereichen wie Baurecht oder Finanzen gut auszukennen. Ich wollte immer genau wissen, worüber ich abstimme. Deshalb mache ich den Gemeinderäten diese Angebote“.

Als weiteren Schritt plant Neumaier eine Klausur, während der Visionen für Kirchberg für die nächsten Jahre entstehen sollen. Darüber, dass der nächste und vielleicht folgende Gemeindehaushalt keine großen Sprünge zulassen werden, macht er keinen Hehl. Dennoch müsse man sich bereits heute Gedanken über anstehende und notwendige Projekte machen. Auf der Hand liegen schon jetzt mehrere Maßnahmen zum Erhalt und Ausbau der Infrastruktur: Straßensanierungen, Erneuerungen an der Grundschule, und als längerfristiges Ziel eine flächendeckende Versorgung mit Glasfasertechnik bis in jedes Haus. Seine enge Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat zahlt sich bereits aus. „Die Stimmung während unserer Sitzungen ist sehr gut, jeder ist interessiert, aufmerksam und vor allem konstruktiv bei der Sache. Wenn es so weiter geht, können es schöne sechs Jahre werden“, freut sich der 48-Jährige.  

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