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Im Herrgottswinkel der Bauernstube in Thal posierte Lisi Hochmuth für die Fotos der Modejournalismus-Studentinnen. Eine von ihnen ist Susanna Gunst (l.) aus Erding. Sie assistiert hier dem Fotografen Sebastian Schulz.

Modejournalismus-Studentinnen in Thal

Fotomodell für einen Tag: Lisi Hochmuth (84) besonders in Szene

Dass sich sieben fesche Studentinnen in der urigen Stube des alten Bauernhauses zu einem mehrstündigen professionellen Foto-Shooting treffen, das gab es noch nie.

Thal Fotos wurden im Heimatmuseum Thal schon tausende gemacht, sogar ein BR-Kamerateam drehte hier einen Film. Aber dass sich sieben fesche Studentinnen in der urigen Stube des alten Bauernhauses zu einem mehrstündigen professionellen Foto-Shooting treffen, das gab es noch nie. Die Hauptperson war allerdings Lisi Hochmuth, 84 Jahre alt.

Die Mädels studieren Modejournalismus an der Akademie Mode und Design (AMD) in München. Gemeinsam mit sieben weiteren Studentinnen arbeiten sie aktuell am Projekt „Styling Kroatien“. Eine von ihnen ist Susanna Gunst aus Erding. Sie hatte das Heimatmuseum in Thal ausfindig gemacht – und alle waren begeistert, auch Dozentin Ilona Ulrich und Fotograf Sebastian Schulz.

84-Jährige lässt sich nicht aus der Ruhe bringen

Das einzige Fotomodell an diesem Tag passte gut in die Stube des Museums. Es war die 84-jährige Lisi Hochmuth aus Kleinstockach. Sie ließ sich durch nichts aus der Ruhe bringen, führte stoisch die Anweisungen des Fotografen aus und beobachtete das teils hektische Treiben fast schon amüsiert, aber immer sehr aufmerksam.

Ihre Enkelin Elisabeth hatte von dem Projekt und der Suche nach einer weißhaarigen Seniorin in unserer Zeitung gelesen. „Sie hat mich genötigt, als Fotomodel mitzumachen“, erzählte Lisi Hochmuth am Set und zwinkerte ihrer Enkelin frech zu.

Ungewöhnlich waren an Hochmuth nur die Accessoires, die sie an diesem Tag trug, wie ein Haarreif aus bunten Perlen, und ihre Hände. Diese hatte Studentin Julia Millitzer aus München nach dem Vorbild alter Tattoos bemalt. Nur noch wenige alte Frauen in Kroatien tragen solche Tätowierungen.

Erdingerin fand das Modell mit Hilfe der Heimatzeitung

Lisi Hochmuth trug an diesem Tag in Thal nicht nur Perlenschmuck im Haar. Auch eine gehäkelte Tasche, Ketten, ein Korsett, Stulpenärmel und verschiedene Schuhe lagen für sie bereit. All diese Accesssoires hatten AMD-Studentinnen eines anderen Kurses selbst entworfen.

Susanna Gunst und ihre Kommilitoninnen belegen in ihrem Studium auch das Fach „Styling und Modeinszenierung“, in dessen Rahmen das Shooting stattfand. Die 21-jährige Erdingerin hatte sich auf die Suche nach einer passenden Örtlichkeit gemacht und kümmerte sich auch darum, das Fotomodell zu finden. Dazu war in der Heimatzeitung der Aufruf erschienen, der auf große Resonanz stieß.

Für die Verpflegung aller Beteiligten im Heimatmuseum sorgte Susannas Mutter Corinna Gunst.

Kroatische Tracht fasziniert

Aufgabe der Studentinnen war es, „dem Fotografen bei der Belichtung sowie beim Positionieren und Inszenieren der Accessoires am Modell zu helfen“, erklärte Gunst. So wurde Lisi Hochmuth mal betend mit einer Kreuzkette abgelichtet oder wie sie einen Granatapfel aufschneidet und zwischen den Kernen der Schmuck liegt.

Für ihre Arbeit werden die Studentinnen benotet. Dozentin Ilona Ulrich erklärte, das Projekt sei in Kooperation mit dem kroatischen Fremdenverkehrsamt entstanden. „Es steht alles unter dem großen Begriff der kroatischen Tracht.“ Die Idee dazu hatte AMD-Professorin Ulrike Nägele. Sie sei bei einem Kroatien-Besuch von der alten Tracht fasziniert gewesen. Deren Elemente wollte sie wieder aufgreifen.

Kleidung und Accessoires entstanden in Handarbeit

Also machten sich die Modedesigner an die Arbeit. Sie entwarfen und fertigten – angelehnt ans Original – modern interpretierte Kleidung und Accessoires – in Handarbeit. In Thal wurde alles fotografiert und in Szene gesetzt, bis hin zu den Tätowierungen, die sich Christen in Kroatien aus religiösen Gründen früher einmal in die Hände stechen ließen. Alte Vorlagen für die Tattoos hatten die Studentinnen im Internet gefunden.

Die Fotoaufnahmen dauerten bis in den Nachmittag hinein. Lisi Hochmuth meisterte sie mit innerer Gelassenheit – und ist schon ganz gespannt auf die Bilder.

Birgit Lang

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