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Die Finder, Günther Deistler (l.) und Barth Pfanzelt von den Oldtimerfreunden Kirchberg, halten die Marienfigur in Ehren, die wohl beim Bau eingearbeitet worden war. Nun ist die Madonna für jeden Besucher des Heimatmuseums sehen.

Zinnfigur in Holzbalken

Die Geschichte der Madonna von Thal

Eine Zinnfigur  hat 300 Jahre in  einem Holzbalken überdauert.  Günther Deistler und Barth Pfanzelt fanden sie beim Bau des Heimatmuseums in Thal. Fast wäre das Kleinod im Feuer gelandet.

ThalWar es nur ein Zufall oder Fügung, als eine über 300 Jahre alte Muttergottes-Figur im Heimatmuseum Thal gefunden wurde? Barth Pfanzelt und Günther Deistler von den Oldtimerfreunden Kirchberg waren dabei.

Die Weitergabe von alten Traditionen und altem Wissen an nachfolgende Generationen durch Heimat- und Brauchtumspflege – das war das Ziel der Oldtimerfreunde Kirchberg, als sie 2004 mit dem Bau ihres Heimatmuseums auf dem „Schusteranger“ in Thal begannen. Zwei Jahre später war das Haupthaus fertiggestellt, beim Quergebäude stand der Rohbau mit einem ganz besonderen Dachstuhl. Dieser stammte vom Getreidespeicher des Anwesens der Griechtmaiers aus Kienraching bei Steinkirchen und wurde dem Verein für das Museum überlassen.

„Wir haben den Dachstuhl selbst abgebaut und originalgetreu in Thal wieder aufgebaut“, berichtet Barth Pfanzelt (70) aus Helding. Wie der gleichaltrige Günther Deistler, mit dem er schon vor 60 Jahren die Schulbank in Schröding geteilt hat, ist er seit knapp 20 Jahren bei den Oldtimerfreunden aktiv. Nach dem Abbau des Dachstuhles wurden die Balken für ein Jahr eingelagert, dann mit dem Hochdruckreiniger vom „Staub der Jahrhunderte“ gereinigt.

Ein echtes Kleinod ist die Muttergottes, die – eingewickelt in ein Lederstück – mehr als 300 Jahre in einem Dachstuhlbalken überdauert hat

„Alles Holz, was wir nicht mehr gebraucht haben, wurde anschließend zu Holzscheiten zusammengeschnitten, da hatten wir einen großen Haufen im Hof liegen“, erzählt Deistler, der in Oberstraubing lebt. Da waren angefaulte Balken, Schalbretter und allerlei sonstiges Holz dabei. Auch zwischen Weihnachten und Silvester 2006 gab es noch viel zu tun auf dem Museumsgelände, und so wurde der große Holzofen in der Stube laufend beheizt.

Deistler, gelernter Flugzeugmechaniker und Ausbildungsmeister im Fliegerhorst Erding, erinnert sich noch genau an den Tag. „Mit dem Schubkarren haben wir das Holz reingefahren und vor dem Ofen ausgekippt. Das eine Holzscheit lag direkt vor dem Ofen, aber irgendwie hat es keiner genommen zum Einheizen.“

Schließlich war er es, der das relativ dicke Scheit packte und an einem schmalen Spalt auseinanderriss, damit es besser in den Ofen passt. „Ich bin gleich erschrocken, als ich in der Mitte eine Aussparung mit einem kleinen Lederbündel darin gesehen habe“, berichtet er. Sofort zeigte Deistler seinem Schulkameraden das Fundstück. Dieser erkannte die Bedeutung des lange verborgenen Kleinods.

„Wir haben das Bündel, das mit einer Schnur umwickelt war, vorsichtig auseinandergefaltet und konnten es kaum glauben, was da zum Vorschein kam“, berichtet der langjährige Vorsitzende des Vereins. Eingewickelt in ein weiches Lederstück hatte eine etwa sechs Zentimeter große Muttergottes-Figur aus Zinn die Jahrhunderte überdauert. Wie es damals Brauch war, hatten die Zimmerer beim Aufstellen des Dachstuhls vorsichtig eine Aussparung aus dem Balken herausgearbeitet, dort die Heiligenfigur gut verpackt hineingelegt und die Aussparung passgenau mit einem Holzstück wieder verschlossen. Die Muttergottes sollte als Schutzpatronin das Haus vor Schäden bewahren.

Auch wenn Pfanzelt die Geschichte schon oft bei Museumsführungen erzählt hat, ist er immer noch verwundert über die vielen kritischen Momente, die die Muttergottes überlebt hat. „Sie hätte ja schon beim Abbruch des Dachstuhls zerstört werden können, spätestens aber beim Zusammenschneiden der verfaulten Holzbalken hätte sie durchschnitten werden können. Aber das Holzscheit mit seinem verborgenen Schatz wurde erstaunlicherweise genau so zugeschnitten, dass die Figur in der Mitte unbeschädigt blieb.“

Deistler kann es bis heute kaum glauben, dass das Holzscheit so lange vor dem Ofen lag und nicht eingeheizt wurde. „Ich glaube, die Madonna wollte bei ihrem Dachstuhl bleiben, den sie schon über 300 Jahre beschützt hat“, sagt er.

Im Museum hat die Muttergottes einen ganz besonderen Platz erhalten. Sie liegt mit ihrem Holzscheit in einer Glasvitrine direkt unter ihrem alten Dachstuhl. Hier können sich die zahlreichen Besucher an der wundersamen Rettung der Schutzpatronin erfreuen.

Gerda und Peter Gebel

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